• 12.10.2004, 12:14:01
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Sozialversicherung fordert besseres Qualitätsmanagement in Österreichs Krankenanstalten

Wien (OTS) - Anlässlich der laufenden Verhandlungen zur
Finanzierung der Spitäler präsentierte der Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger seine Vorstellungen zum
Gesundheitsqualitätsgesetz, das derzeit zur Begutachtung aufliegt.
Gemeinsam mit Gerald Bachinger, Sprecher der ARGE der
Patientenanwälte und Univ. Prof. Norbert Pateisky, Risikomanager im
AKH Wien, forderte Beate Hartinger, Mitglied der Geschäftsführung im
Hauptverband, eine wesentliche Stärkung des Qualitätsmanagement in
Österreichs Krankenanstalten.
Internationale Studien und medizinische Publikationen belegen
eindeutig, dass Behandlungsfehler international auf der Tagesordnung
stehen. Untersuchungen des Hauptverbandes belegen nun die
Vergleichbarkeit dieser Studien mit Österreichs Krankenanstalten.
Demnach gibt es allein in Österreichs Krankenanstalten jährlich
245.000 Zwischenfälle und zwischen 2.900 und 6.800 Todesfälle, die
allesamt vermeidbar wären.
Im Interesse der österreichischen Patienten forderte Hartinger ein
ökonomisches Anreizsystem für die Implementierung eines
Fehlermeldesystems in Österreichs Krankenanstalten. "Wie in einer
lernenden Organisation muss in Zukunft sichergestellt sein, dass
vermeidbare Fehler auch wirklich vermieden werden. Kein Fehler darf
ein zweites mal passieren", so Hartinger.
Kritische Erfolgsvoraussetzungen für ein Fehlermeldesystem sind
neben einer einheitlichen Taxonomie die Vertraulichkeit und
Anonymität des Systems. Aber auch entsprechend ausgebildetes Personal
und finanzielle Ressourcen für die wissenschaftliche Auswertung der
angezeigten Fehler sind für den Erfolg unumgänglich. "Bundesländer
die sich weigern das Fehlermeldesystem zu implementieren, sollten bei
den Finanzausgleichsverhandlungen
weniger Gelder als bisher erhalten. Dann ist die Anschubfinanzierung
gesichert. Die Behandlungsqualität stand viel zu lange im Schatten
der Standortqualität", erläuterte Hartinger.
Univ.Prof. Pateisky bestätigte, dass die sogenannten "ärztlichen
Kunstfehler" weniger in der Verantwortung der behandelnden Ärzte
liegen, sondern vielmehr Folge immer größerer und komplexerer
Krankenanstalten sind. "Wenn Qualitätsmanager und Sicherheitsexperten
aus den Ultrasafe Industries wie der Raum- oder Luftfahrt verstärkt
in den Spitälern einbezogen werden, so wird der medizinische
Qualitätsschub, den dafür notwendigen Aufwand, um ein vielfaches
übersteigen", so der Risikomanager im Wiener AKH.
Die vom Sprecher der ARGE der Patientenanwälte, Gerald Bachinger,
präsentierten Zahlen deuten ebenfalls in diese Richtung. Im Jahr 2002
bezogen sich 3.590 Beschwerden auf die Krankenanstalten, während nur
649 Beschwerden für den extramuralen Bereich verzeichnet wurden. "Die
Geschädigten wünschen sich dabei fast immer, dass sie mit ihren
Beschwerden mithelfen können, anderen Menschen ihr Leid zu ersparen.
Die Geschädigten erkennen auch, dass nicht der behandelnde Arzt
sondern die Rahmenbedingungen die Fehlerursache war", erklärte
Bachinger.
Neben den Fehlern, die von den Patienten als solche identifiziert
werden, gibt es aber eine wesentlich größere Menge an
Behandlungsfehlern, die den Geschädigten mangels
Vergleichsmöglichkeit nie bewusst werden. Gravierende regionale
Unterschiede in der Behandlungshäufigkeit sind kein Einzelfall. Eine
Möglichkeit dafür sind durchgeführte Operationen, die medizinisch
nicht indiziert waren. Ein Beispiel: Von 100 Krankenhausaufenthalten
werden in der Steiermark im Durchschnitt um 64,1% öfter
Blinddarmoperationen durchgeführt, als etwa in Kärnten.
"Der Patient erholt sich schnell, weil er überhaupt nicht krank war.
Grund dafür ist, dass die Krankenhäuser ihre Auslastung optimieren
müssen um wirtschaftlich überleben zu können. Dabei kämpfen einfach
zu viele Krankenhäuser um die Patienten", erklärte Hartinger die
vorgelegten Zahlen.
In drei politischen Bezirken Österreichs wird eine spezielle
Augenoperation (Kataraktoperation mit Implantat einer intraokularen
Kunststofflinse) an wesentlich mehr Einwohnern durchgeführt als in
allen anderen österreichischen Bezirken. So wird der österreichische
Durchschnittswert 2003 in Salzburger Stadt um 1.624 %, in Salzburg
Umgebung um 1.421 % und in Hallein um 1.382 % überschritten. Dass
kein einziger Bezirk in Wien, Kärnten, Tirol, und Vorarlberg über dem
Österreichschnitt liegt, führte Hartinger auf fehlende medizinische
Qualitätsstandards zurück.
Gemeinsam betonten Hartinger, Bachinger und Pateisky, dass
Qualitätsmanagement in Österreich noch in den Kinderschuhen steckt,
und appellierten an Finanzminister Karl-Heinz Grasser und
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, die derzeitigen
Finanzausgleichsverhandlungen nicht ungenützt verstreichen zu lassen

OTS0139    2004-10-12/12:14

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