Fünf Jahre Wiener Frauengesundheit

Wien (OTS) - Das Wiener Programm für Frauengesundheit feiert sein fünfjähriges Bestehen. Ebenso finden die Wiener Frauengesundheitstage am 9. und 10. Oktober 2004 bereits zum fünften Mal statt. Bei einer Pressekonferenz zogen die Stadträtinnen Maga. Brauner und Maga. Wehsely sowie die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, ao. Univ.-Profin. Drin. Wimmer-Puchinger Bilanz über die bisherigen Projekte im Wiener Programm für Frauengesundheit, gewährten Einblick in ihre Aktivitäten für Frauengesundheit und gaben einen Ausblick in die Zukunft und weitere Initiativen.

Gesundheit und Krankheit haben ein Geschlecht, darüber sind sich die Stadträtinnen Maga. Renate Brauner und Maga. Sonja Wehsely sowie die Frauengesundheitsbeauftragte ao. Univ.-Profin. Drin. Beate Wimmer-Puchinger einig und fordern, dass der Gesundheit von Frauen ein Höchstmass an Aufmerksamkeit und Dringlichkeit zugemessen werden muss. Dass die Stadt Wien das bereits seit geraumer Zeit tut, kommt bei den Wienerinnen gut an: Eine ganz aktuelle Evaluation zum fünften "Geburtstag" des Wiener Programms für Frauengesundheit zeigt, dass die einzelnen Projekte sich eines hohen Bekanntheitsgrads bei den im Gesundheitsbereich tätigen ExpertInnen erfreuen: 88 Prozent der Befragten kennen das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm "Die Klügere sieht nach", 82 Prozent das Frauengesundheitszentrum Fem-Süd, 71 Prozent die Wiener Informations- und Präventionskampagne "Essstörungen" (W.I.K.E.) und 53 Prozent das Projekt zur Prävention von nachgeburtlicher Depression (PPD). Darüber hinaus wird das Wiener Programm für Frauengesundheit spontan mit den Begriffen "innovativ", "initiativ", "informativ" und "zielgruppenorientiert" assoziiert.****

Wien als Vorreiterin in Sachen Frauengesundheit

"Die Stadt Wien trägt dem Umstand, dass die Frauengesundheit als prioritär eingeschätzt werden muss, schon lange Rechnung", betont Maga. Renate Brauner, Stadträtin für Gesundheit und Soziales. "Und ich bin stolz sagen zu dürfen, dass Wien mit seinem Programm für Frauengesundheit, das bereits 1998 initiiert wurde, innerhalb Österreichs und Europas eine Vorreiterrolle einnimmt." Der Schwerpunkt des Wiener Programms für Frauengesundheit liegt in der frauenspezifischen Gesundheitsvorsorge, Früherkennung und Implementierung frauenspezifischer Aspekte in die medizinische Betreuung. "Die Ergebnisse einer aktuellen Evaluation zum fünften "Geburtstag" zeigen, dass die einzelnen Projekte der letzten Jahre großen Zuspruch fanden und dass sich das Wiener Programm für Frauengesundheit unter GesundheitsexpertInnen großer Anerkennung erfreut", freut sich Maga. Brauner. Zwölf Handlungsfelder wurden für das Wiener Programm für Frauengesundheit definiert, darunter die Brustkrebsprävention, Gesundheit von Migrantinnen, Mutter/Kind- und Schwangerschaftsbetreuung, postpartale Depression oder Gewalt gegen Frauen. Mit den Beratungszentren FEM und FEM Süd wurden Einrichtungen geschaffen, in denen die wesentlichen Aspekte der Frauengesundheit behandelt werden.

Frauen müssen von der Medizin spezifisch behandelt werden

"Lange Zeit wurden Frauen von der Medizin genau so behandelt wie Männer. Dass Frauen andere Bedürfnisse haben, andere Krankheitsbilder und andere Krankheitssymptome aufweisen, darauf wird in der Medizin erst in den letzten Jahren verstärkt acht gegeben", erläutert ao. Univ.-Profin. Drin. Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien die konkrete Notwendigkeit der Installation des Frauengesundheitsbüros. Beispielsweise erkranken und sterben Frauen häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Männer. Dieses kardiovaskuläre Risiko, das bei Frauen schon unter 50 Jahren beginnt und hier doppelt so hoch ist wie bei Männern, wurde lange Zeit unterschätzt.

Weiters sind mehr Frauen als Männer von Depressionen betroffen, die laut einer Prognose der WHO im Jahre 2020 die zweithäufigste Erkrankung nach Herz-Kreislauferkrankungen ausmachen werden. Zwei Drittel der Gesamtverordnungen von Psychopharmaka in Österreich betreffen bereits Frauen. "Internationale wissenschaftliche Studien weisen auch eine Inzidenz von 14 bis 18 Prozent postpartaler Depressionen nach, was ein zusätzliches geschlechtsspezifisches Risiko ausmacht. Ebenso sind Essstörungen, wie Studien zeigen, zu 95 Prozent ein weibliches Problem. Allein in Wien sind nach Schätzungen der Spezialambulanz für Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen am AKH-Wien 80 - 140 Neuerkrankungen an Anorexie und 280 Erkrankungen an Bulimie bei jungen Frauen im engen pathologischen Sinne zu verzeichnen", rechnet Profin. Wimmer-Puchinger statistische Belege frauenspezifischer Gesundheitsprobleme vor.

Frauen haben andere Bedürfnisse

Frauen begeben sich öfter als Männer in medizinische Behandlung. Sie nehmen 10 Prozent mehr ambulante medizinische Leistungen in Anspruch und wenden sich häufiger an FachärztInnen als Männer. "Das hat allerdings nicht nur mit ihrem höheren Gesundheitsbewusstsein zu tun, sondern auch mit der Tatsache, dass sie doppelt so oft zum Arzt gehen müssen wie Männer, damit ihre Symptome ernst genommen werden", so Profin. Wimmer-Puchinger. Tatsächlich äußern sich zum Beispiel Beschwerden im Bereich von Herz-Kreislauferkrankungen anders als bei Männern. So können die Symptome, die auf einen Herzinfarkt deuten, sich bei Frauen durch Schmerzen im Oberbauch, durch Atemnot, Übelkeit oder Müdigkeit bemerkbar machen, seltener als bei Männern, aber durch die charakteristischen Beschwerden wie Schmerzen im Brustbereich, die in den linken Arm, die Schulter, den Rücken oder den Hals ausstrahlen.

"Das sind Daten und Fakten, die uns verdeutlichen wie wichtig ein spezielles Programm für Frauengesundheit ist. Zu all diesen Themen bietet die Stadt Wien seit mittlerweile fünf Jahren im Rahmen des Wiener Programms für Frauengesundheit zahlreiche und breit gefächerte Informationen, Publikationen, Projekte und Veranstaltungen an", ergänzt Profin. Wimmer-Puchinger. Als Service für die Wienerinnen ist der neue Informationsfolder "Wegweiser zum gesunden Frauenherz" in Kooperation mit "Ein Herz für Wien" nun erhältlich. Zu bestellen Montag bis Freitag 10 - 12 Uhr unter der Telefonnummer 01/ 47615 -5775

Besseres Angebot für Migrantinnen

"Auch für spezifische Zielgruppen wie jungen und älteren Frauen, Müttern, Seniorinnen oder Migrantinnen konnten durch die Projekte des Wiener Programms für Frauengesundheit bereits Defizite in der allgemeinen Gesundheitsarbeit aufgefangen werden und wir sind weiterhin bemüht unsere Angebote stetig zu verbessern", führt Maga. Sonja Wehsely aus. "Wichtig ist uns, das Ohr an den Bedürfnissen der Wienerinnen zu haben, um auf die besonderen Wünsche der Frauen, die im städtischen Bereich wohnen eingehen zu können." Beispielsweise haben auch die in Wien lebenden Migrantinnen besondere Bedürfnisse, da sie aufgrund kultureller Unterschiede oft Probleme damit haben, einen männlichen Arzt auf zu suchen, das gilt besonders für Gynäkologen und Geburtshelfer. Im Rahmen des Wiener Programms für Frauengesundheit wurden bereits diverse Initiativen gesetzt und Netzwerke für Migrantinnen errichtet. "Wir sind bestrebt, uns in den nächsten Jahren noch besser auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe einzustellen, die Infrastruktur der Bezirksämter aus zu bauen und unsere Leistungen in Bezug auf Informationsveranstaltungen für zum Beispiel an Brustkrebs erkrankte Frauen zu verstärken", so Stadträtin Wehsely.

Ausblick in die nahe Zukunft

Trotz vieler Erfolge der letzten fünf Jahre bleibt viel zu tun. "Allein die Tatsache, dass es ein Programm für Frauengesundheit gibt, schärft den Blick, man sieht die Zusammenhänge klarer und erkennt, wo noch Bedarf ist", weiß Profin. Wimmer-Puchinger. Weitere Schwerpunkte wird das Frauengesundheitsbüro in der nächsten Zeit auf die psychische Gesundheit und die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen setzen. Es wird den Bedürfnissen von Frauen mit Behinderungen nachgegangen, um ihnen Barrierefreiheit beim Zugang zu Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge und -versorgung zu ermöglichen. In Vorbereitung ist weiters ein gender-spezifisches Interventionsprojekt für ältere, gesundheitlich und sozial besonders belastete Arbeiterinnen in der Arbeitswelt. Und darüber hinaus wird für Seniorinnen eine Initiative zur Enttabuisierung von Harninkontinenz vorbereitet.

"femVital" 2004

Ähnlich wie das Wiener Programm für Frauengesundheit die verschiedenen Altersgruppen von Frauen in den jeweiligen Projekten berücksichtigt, so bietet auch dieses Jahr die beliebte und vielbesuchte Publikumsveranstaltung "femVital" - die Frauengesundheitstage im Wiener Rathaus - ein reichhaltiges und spannendes Programm, das für Frauen aller Altersstufen, sowie sozialer und ethnischer Herkunft ausgerichtet ist. Es bietet Informationen zu den Themen Gesundheit und Gesundheitsvorsorge, Früherkennung und Behandlung verbreiteter Krankheiten oder Risikofaktoren. Einmal mehr werden am 9. und 10. Oktober 2004 im Wiener Rathaus aktuelle und brisante Themen zur Frauengesundheit angesprochen.

In der Programmauswahl wurde heuer besondere Aufmerksamkeit auf die junge Generation gelegt. Namhafte Expertinnen sprechen in Diskussionen und Vorträgen wie "First Love", "Mädchen und Gewalt" oder "Essstörungen - Hilfeschrei der Seele" für die Jugend brisante Themen an. Musik von "Rebecca unplugged" und "Amin Beyer, Starmania NG" soll das inhaltliche Programm abrunden und Mädchen animieren, ins Rathaus zu kommen.

Für die ältere Generation wurden mit Themen wie "Frauen 50+", "Tabuthema Blasenschwäche" oder "Lebenslust statt Pensionsfrust" interessante Schwerpunkte gesetzt. ExpertInnen und Prominente wie Chris Lohner sprechen zu diesen Themen aus medizinischer Sicht und persönlicher Erfahrung.

Das breite Zielpublikum kann zudem auch aus einem reichen Angebot an zum Teil auch kontroversiellen Themen wie "Hormonbehandlungen", "Brustkrebs", "gesunde Ernährung", "Übergewicht", "Gesundheitsvorsorge" oder "Schönheitsoperationen" auswählen. Auch gesellschaftlich relevante Themen wie "Frauen und Beruf", "Kinderbetreuung" oder "rechtliche Probleme" finden Platz. Als besonderer Service wird dieses Jahr eine Kinderbetreuung durch Pädagoginnen der Stadt Wien angeboten.

Nicht vergessen wurde auch auf Frauen aus Wien, die in einem anderen Land geboren sind: Bei den Frauengesundheitstagen gibt es Vorträge in Türkisch und in Serbokroatisch, für Beratungsgespräche stehen Dolmetscherinnen zur Verfügung, und die Bedürfnisse im Alltag von Migrantinnen stehen auch im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde auf der Bühne. Darüber hinaus werden die Diskussionen und Vorträge auf der Hauptbühne von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt.

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(Schluss) brc/bes

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