• 08.10.2004, 12:18:00
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Fünf Jahre Wiener Frauengesundheit

Wien (OTS) - Das Wiener Programm für Frauengesundheit feiert sein
fünfjähriges Bestehen. Ebenso finden die Wiener Frauengesundheitstage
am 9. und 10. Oktober 2004 bereits zum fünften Mal statt. Bei einer
Pressekonferenz zogen die Stadträtinnen Maga. Brauner und Maga.
Wehsely sowie die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, ao.
Univ.-Profin. Drin. Wimmer-Puchinger Bilanz über die bisherigen
Projekte im Wiener Programm für Frauengesundheit, gewährten Einblick
in ihre Aktivitäten für Frauengesundheit und gaben einen Ausblick in
die Zukunft und weitere Initiativen.

Gesundheit und Krankheit haben ein Geschlecht, darüber sind sich
die Stadträtinnen Maga. Renate Brauner und Maga. Sonja Wehsely sowie
die Frauengesundheitsbeauftragte ao. Univ.-Profin. Drin. Beate
Wimmer-Puchinger einig und fordern, dass der Gesundheit von Frauen
ein Höchstmass an Aufmerksamkeit und Dringlichkeit zugemessen werden
muss. Dass die Stadt Wien das bereits seit geraumer Zeit tut, kommt
bei den Wienerinnen gut an: Eine ganz aktuelle Evaluation zum fünften
"Geburtstag" des Wiener Programms für Frauengesundheit zeigt, dass
die einzelnen Projekte sich eines hohen Bekanntheitsgrads bei den im
Gesundheitsbereich tätigen ExpertInnen erfreuen: 88 Prozent der
Befragten kennen das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm "Die Klügere
sieht nach", 82 Prozent das Frauengesundheitszentrum Fem-Süd, 71
Prozent die Wiener Informations- und Präventionskampagne
"Essstörungen" (W.I.K.E.) und 53 Prozent das Projekt zur Prävention
von nachgeburtlicher Depression (PPD). Darüber hinaus wird das Wiener
Programm für Frauengesundheit spontan mit den Begriffen "innovativ",
"initiativ", "informativ" und "zielgruppenorientiert" assoziiert.****

Wien als Vorreiterin in Sachen Frauengesundheit

"Die Stadt Wien trägt dem Umstand, dass die Frauengesundheit als
prioritär eingeschätzt werden muss, schon lange Rechnung", betont
Maga. Renate Brauner, Stadträtin für Gesundheit und Soziales. "Und
ich bin stolz sagen zu dürfen, dass Wien mit seinem Programm für
Frauengesundheit, das bereits 1998 initiiert wurde, innerhalb
Österreichs und Europas eine Vorreiterrolle einnimmt." Der
Schwerpunkt des Wiener Programms für Frauengesundheit liegt in der
frauenspezifischen Gesundheitsvorsorge, Früherkennung und
Implementierung frauenspezifischer Aspekte in die medizinische
Betreuung. "Die Ergebnisse einer aktuellen Evaluation zum fünften
"Geburtstag" zeigen, dass die einzelnen Projekte der letzten Jahre
großen Zuspruch fanden und dass sich das Wiener Programm für
Frauengesundheit unter GesundheitsexpertInnen großer Anerkennung
erfreut", freut sich Maga. Brauner. Zwölf Handlungsfelder wurden für
das Wiener Programm für Frauengesundheit definiert, darunter die
Brustkrebsprävention, Gesundheit von Migrantinnen, Mutter/Kind- und
Schwangerschaftsbetreuung, postpartale Depression oder Gewalt gegen
Frauen. Mit den Beratungszentren FEM und FEM Süd wurden Einrichtungen
geschaffen, in denen die wesentlichen Aspekte der Frauengesundheit
behandelt werden.

Frauen müssen von der Medizin spezifisch behandelt werden

"Lange Zeit wurden Frauen von der Medizin genau so behandelt wie
Männer. Dass Frauen andere Bedürfnisse haben, andere Krankheitsbilder
und andere Krankheitssymptome aufweisen, darauf wird in der Medizin
erst in den letzten Jahren verstärkt acht gegeben", erläutert ao.
Univ.-Profin. Drin. Beate Wimmer-Puchinger,
Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien die konkrete
Notwendigkeit der Installation des Frauengesundheitsbüros.
Beispielsweise erkranken und sterben Frauen häufiger an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Männer. Dieses kardiovaskuläre
Risiko, das bei Frauen schon unter 50 Jahren beginnt und hier doppelt
so hoch ist wie bei Männern, wurde lange Zeit unterschätzt.

Weiters sind mehr Frauen als Männer von Depressionen betroffen,
die laut einer Prognose der WHO im Jahre 2020 die zweithäufigste
Erkrankung nach Herz-Kreislauferkrankungen ausmachen werden. Zwei
Drittel der Gesamtverordnungen von Psychopharmaka in Österreich
betreffen bereits Frauen. "Internationale wissenschaftliche Studien
weisen auch eine Inzidenz von 14 bis 18 Prozent postpartaler
Depressionen nach, was ein zusätzliches geschlechtsspezifisches
Risiko ausmacht. Ebenso sind Essstörungen, wie Studien zeigen, zu 95
Prozent ein weibliches Problem. Allein in Wien sind nach Schätzungen
der Spezialambulanz für Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen am
AKH-Wien 80 - 140 Neuerkrankungen an Anorexie und 280 Erkrankungen an
Bulimie bei jungen Frauen im engen pathologischen Sinne zu
verzeichnen", rechnet Profin. Wimmer-Puchinger statistische Belege
frauenspezifischer Gesundheitsprobleme vor.

Frauen haben andere Bedürfnisse

Frauen begeben sich öfter als Männer in medizinische Behandlung.
Sie nehmen 10 Prozent mehr ambulante medizinische Leistungen in
Anspruch und wenden sich häufiger an FachärztInnen als Männer. "Das
hat allerdings nicht nur mit ihrem höheren Gesundheitsbewusstsein zu
tun, sondern auch mit der Tatsache, dass sie doppelt so oft zum Arzt
gehen müssen wie Männer, damit ihre Symptome ernst genommen werden",
so Profin. Wimmer-Puchinger. Tatsächlich äußern sich zum Beispiel
Beschwerden im Bereich von Herz-Kreislauferkrankungen anders als bei
Männern. So können die Symptome, die auf einen Herzinfarkt deuten,
sich bei Frauen durch Schmerzen im Oberbauch, durch Atemnot, Übelkeit
oder Müdigkeit bemerkbar machen, seltener als bei Männern, aber durch
die charakteristischen Beschwerden wie Schmerzen im Brustbereich, die
in den linken Arm, die Schulter, den Rücken oder den Hals
ausstrahlen.

"Das sind Daten und Fakten, die uns verdeutlichen wie wichtig
ein spezielles Programm für Frauengesundheit ist. Zu all diesen
Themen bietet die Stadt Wien seit mittlerweile fünf Jahren im Rahmen
des Wiener Programms für Frauengesundheit zahlreiche und breit
gefächerte Informationen, Publikationen, Projekte und Veranstaltungen
an", ergänzt Profin. Wimmer-Puchinger. Als Service für die
Wienerinnen ist der neue Informationsfolder "Wegweiser zum gesunden
Frauenherz" in Kooperation mit "Ein Herz für Wien" nun erhältlich. Zu
bestellen Montag bis Freitag 10 - 12 Uhr unter der Telefonnummer 01/
47615 -5775

Besseres Angebot für Migrantinnen

"Auch für spezifische Zielgruppen wie jungen und älteren Frauen,
Müttern, Seniorinnen oder Migrantinnen konnten durch die Projekte des
Wiener Programms für Frauengesundheit bereits Defizite in der
allgemeinen Gesundheitsarbeit aufgefangen werden und wir sind
weiterhin bemüht unsere Angebote stetig zu verbessern", führt Maga.
Sonja Wehsely aus. "Wichtig ist uns, das Ohr an den Bedürfnissen der
Wienerinnen zu haben, um auf die besonderen Wünsche der Frauen, die
im städtischen Bereich wohnen eingehen zu können." Beispielsweise
haben auch die in Wien lebenden Migrantinnen besondere Bedürfnisse,
da sie aufgrund kultureller Unterschiede oft Probleme damit haben,
einen männlichen Arzt auf zu suchen, das gilt besonders für
Gynäkologen und Geburtshelfer. Im Rahmen des Wiener Programms für
Frauengesundheit wurden bereits diverse Initiativen gesetzt und
Netzwerke für Migrantinnen errichtet. "Wir sind bestrebt, uns in den
nächsten Jahren noch besser auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe
einzustellen, die Infrastruktur der Bezirksämter aus zu bauen und
unsere Leistungen in Bezug auf Informationsveranstaltungen für zum
Beispiel an Brustkrebs erkrankte Frauen zu verstärken", so Stadträtin
Wehsely.

Ausblick in die nahe Zukunft

Trotz vieler Erfolge der letzten fünf Jahre bleibt viel zu tun.
"Allein die Tatsache, dass es ein Programm für Frauengesundheit gibt,
schärft den Blick, man sieht die Zusammenhänge klarer und erkennt, wo
noch Bedarf ist", weiß Profin. Wimmer-Puchinger. Weitere Schwerpunkte
wird das Frauengesundheitsbüro in der nächsten Zeit auf die
psychische Gesundheit und die Enttabuisierung psychischer
Erkrankungen setzen. Es wird den Bedürfnissen von Frauen mit
Behinderungen nachgegangen, um ihnen Barrierefreiheit beim Zugang zu
Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge und -versorgung zu ermöglichen.
In Vorbereitung ist weiters ein gender-spezifisches
Interventionsprojekt für ältere, gesundheitlich und sozial besonders
belastete Arbeiterinnen in der Arbeitswelt. Und darüber hinaus wird
für Seniorinnen eine Initiative zur Enttabuisierung von
Harninkontinenz vorbereitet.

"femVital" 2004

Ähnlich wie das Wiener Programm für Frauengesundheit die
verschiedenen Altersgruppen von Frauen in den jeweiligen Projekten
berücksichtigt, so bietet auch dieses Jahr die beliebte und
vielbesuchte Publikumsveranstaltung "femVital" - die
Frauengesundheitstage im Wiener Rathaus - ein reichhaltiges und
spannendes Programm, das für Frauen aller Altersstufen, sowie
sozialer und ethnischer Herkunft ausgerichtet ist. Es bietet
Informationen zu den Themen Gesundheit und Gesundheitsvorsorge,
Früherkennung und Behandlung verbreiteter Krankheiten oder
Risikofaktoren. Einmal mehr werden am 9. und 10. Oktober 2004 im
Wiener Rathaus aktuelle und brisante Themen zur Frauengesundheit
angesprochen.

In der Programmauswahl wurde heuer besondere Aufmerksamkeit auf
die junge Generation gelegt. Namhafte Expertinnen sprechen in
Diskussionen und Vorträgen wie "First Love", "Mädchen und Gewalt"
oder "Essstörungen - Hilfeschrei der Seele" für die Jugend brisante
Themen an. Musik von "Rebecca unplugged" und "Amin Beyer, Starmania
NG" soll das inhaltliche Programm abrunden und Mädchen animieren, ins
Rathaus zu kommen.

Für die ältere Generation wurden mit Themen wie "Frauen 50+",
"Tabuthema Blasenschwäche" oder "Lebenslust statt Pensionsfrust"
interessante Schwerpunkte gesetzt. ExpertInnen und Prominente wie
Chris Lohner sprechen zu diesen Themen aus medizinischer Sicht und
persönlicher Erfahrung.

Das breite Zielpublikum kann zudem auch aus einem reichen
Angebot an zum Teil auch kontroversiellen Themen wie
"Hormonbehandlungen", "Brustkrebs", "gesunde Ernährung",
"Übergewicht", "Gesundheitsvorsorge" oder "Schönheitsoperationen"
auswählen. Auch gesellschaftlich relevante Themen wie "Frauen und
Beruf", "Kinderbetreuung" oder "rechtliche Probleme" finden Platz.
Als besonderer Service wird dieses Jahr eine Kinderbetreuung durch
Pädagoginnen der Stadt Wien angeboten.

Nicht vergessen wurde auch auf Frauen aus Wien, die in einem
anderen Land geboren sind: Bei den Frauengesundheitstagen gibt es
Vorträge in Türkisch und in Serbokroatisch, für Beratungsgespräche
stehen Dolmetscherinnen zur Verfügung, und die Bedürfnisse im Alltag
von Migrantinnen stehen auch im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde auf
der Bühne. Darüber hinaus werden die Diskussionen und Vorträge auf
der Hauptbühne von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt.

rk-Fotoservice: http://www.wien.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) brc/bes

OTS0152    2004-10-08/12:18

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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