- 07.10.2004, 17:07:42
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Sundt muss bleiben - gehen sollen andere von Peter Muzik
Wien (OTS) - In Österreich gibt es bekanntlich, speziell im
staatsnahen Bereich, etliche Vorstandsjobs, für die ein merkwürdiges
Gesetz gilt: Die betreffenden Manager dürfen nicht so gut sein, wie
sie sind, sondern können nur so gut sein, wie man sie lässt. Das
politische Umfeld Eigentümervertreter, Aufsichtsrat und sonstige
Wichtigmacher engen ihren Spielraum meist so ein, dass ihnen zum
einen bisweilen die Luft wegbleibt und dass zum andern das
kommerzielle Denken auf der Strecke bleibt. Ein Paradebeispiel hiefür
ist der Vorstand der Telekom Austria: TA-General Heinz Sundt
bekleidet speziell seit dem Börsegang vor vier Jahren ein Amt, das zu
den schwierigsten bzw. gefährlichsten im Lande zählt. Er musste sich
mit wechselnden Gegenspielern herumschlagen, praktisch nonstop um
seinen Posten kämpfen und so nebenbei auch noch das Unternehmen
sanieren und auf Expansionskurs trimmen. Sundt, der mehrmals dem
Rausschmiss nahe war, hat letztlich den aufreibenden Mehrfrontenkrieg
dank seiner Nehmerqualitäten und seiner Nervenstärke heil überstanden
und sogar einstige Widersacher überlebt darunter Johannes Ditz, der
selbst das Handtuch werfen musste. Langsam, aber umso sicherer setzte
sich indes die Auffassung durch, dass der TA-Boss seinen Job alles in
allem eigentlich sehr gut gemacht hat. Eine ähnlich gute Nachrede
gebührt auch seinen Weggefährten, mit denen er nie in enger Harmonie
verbunden war, etwa dem TA-Technikchef Rudolf Fischer und dem
Mobilfunk-Chef Boris Nemsic. Am kommenden Dienstag ist nun nachdem
schon seit Monaten über eine Ablöse aller Telekom-Vorstände
spekuliert wird die nächste Weichenstellung fällig: An diesem Tag
wird sich der Aufsichtsrat endlich festlegen, wer bleiben darf und
wer gehen soll. Die Antwort ist einfach: Sundt in der momentanen
Situation in die Wüste zu schicken oder Fischer und Nemsic abzulösen
wäre Wahnsinn pur. Die jetzige Führung höchstwahrscheinlich ohne
Finanzvorstand Stefano Colombo bringt zweifellos optimale
Voraussetzungen mit, um die gewählte Expansionsstrategie möglich
rasch umzusetzen. Das heisst also: Sundt & Co. sollen bleiben, weil
nicht sie das Problem sind das liegt in Wahrheit woanders. Ein
Revirement wäre jedenfalls dort vernünftig und anzuraten, wo die
wahren personellen Schwachstellen zu finden sind: beispielsweise in
der ÖIAG, deren ratloses Management mittlerweile schon viele nervt...
OTS0265 2004-10-07/17:07
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