• 01.10.2004, 19:16:58
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Wirtschaftsforscher haben nach drei Jahren endlich Recht"

Ausgabe vom 02.10.2004

Graz (OTS) - Statistiken, sagt der Volksmund, solle man nur dann
trauen, wenn man sie selbst erstellt oder gefälscht hat. Und
Prognosen, wissen nicht nur unsere Wetterfrösche, sind etwas sehr
Schwieriges, weil sie mit der Zukunft zu tun haben.

Mit diesem doppelten Dilemma müssen - beileibe nicht nur in
Österreich - alle Wirtschaftsforscher fertig werden. Ihre
ökonomischen Vorhersagen beruhen zu einem Gutteil auf abertausenden
von Zahlen über Produktionen, Warenströme usw., in die mögliche
Risikofaktoren für die künftige Entwicklung (Stichwort:
Erdölpreisentwicklung) ebenso eingebaut werden wie
konjunkturbelebende Effekte, etwa theoretisch immer noch denkbare
steuerliche Entlastungen.

Ist der Job der professionellen Auguren schon in normalen Zeiten
schwer genug, so hatten sie es in den letzten drei Jahren doppelt
schwer. Die Konjunktur folgte nicht den von früher her gewohnten
Zyklen, sondern verweigerte sich hartnäckig. Der Aufschwung kam und
kam nicht, praktisch alle Wirtschaftsforschungsinstitute verschätzten
sich am laufenden Band beziehungsweise mussten ihre Vorhersagen, wie
es so nett heißt, "nach unten" revidieren.

Mittlerweile muss die Wirtschaft des Landes von den leitenden
Ökonomen nicht mehr gesundgebetet werden, sie hat sich vom
Krankenbett erhoben. Der von den Konjunkturforschern früher zur Schau
getragene Optimismus, zwischen den Zeilen mit vielen Fragezeichen
versehen, wirkt glaubhaft und wenn Bundeskanzler Wolfgang Schüssel
wie gestern verkündet, "es geht aufwärts mit Österreich", glaubt man
nicht mehr automatisch ein Wahlplakat vor sich zu sehen.

Entscheidend fürs erstarkende Wirtschaftsklima, das den Spott
früherer Tage an der fragwürdigen Treffsicherheit der
Konjunkturpropheten überdecken sollte, ist nicht nur die von vielen
Unternehmern bestätigte gute Stimmung in Österreich, sondern auch der
international deutlich sichtbare Aufwärtstrend. Auf wackligen Füßen
stehend wäre die Konjunktur vor einem Jahr von der jüngsten
Ölpreisentwicklung wohl in den Keller geschickt worden, jetzt werden
die horrenden Preise fürs schwarze Gold zwar nicht gerade als
konjunkturelles Schmiermittel angesehen, aber doch als verkraftbarer
Bremseffekt.

Bei allem Optimismus darf leider eines nicht übersehen werden: Auf
den Arbeitsmarkt hat der Aufschwung wenig Auswirkungen. Da gibt es
für den Kanzler noch genug zu tun, bis er sagen kann: "Es geht
aufwärts mit den Arbeitslosen." ****

OTS0248    2004-10-01/19:16

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