• 01.10.2004, 13:00:52
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Nettig: Geplantes Lkw-Fahrverbot im Alsergrund wäre kontraproduktiv

Der 9. Bezirk möchte LKW über 7,5 Tonnen aus dem Bezirk aussperren - Nettig fordert die Stadt auf, das Vorhaben sofort zu stoppen

Wien (OTS) - "Dafür fehlt mir jegliches Verständnis." Mit diesen
Worten kommentiert der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Walter
Nettig, das Vorhaben der Bezirksvertretung, im gesamten 9. Bezirk -
ausgenommen Gürtel und Lände - ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen
zu verordnen. In einer Sitzung der Bezirksvertretung Alsergrund wurde
am 29. September ein diesbezüglicher Antrag an die MA 46 mehrheitlich
beschlossen. "Ich glaube, dass den Bezirksrätinnen und Bezirksräten
nicht wirklich klar ist, welche Auswirkungen ein derartiges
Fahrverbot hätte", meint Nettig zu diesem Alleingang des 9. Bezirks.

Fahrzeuge über 7,5 Tonnen werden täglich in weiten Bereichen der
Wirtschaft eingesetzt. Viele Transporte lassen sich kaum mit
kleineren Fahrzeugen durchführen. Darunter fallen beispielsweise
Fahrzeuge mit Betonpumpen, Betonmischfahrzeuge, Muldenkipper oder
Kranfahrzeuge, aber auch Getränkezulieferungen für die Gastronomie.
Für alle Fahrten mit diesen oder ähnlichen Lkw müsste nach den Plänen
der Bezirksvorstehung Alsergrund künftig um eine Ausnahme vom
Fahrverbot angesucht werden. Damit ist ein unabsehbarer
Verwaltungsaufwand für die Firmen, aber auch für die Stadtverwaltung
verbunden, da für jedes Fahrzeug einzeln eine Ausnahmegenehmigung
beantragt, geprüft und per Bescheid erteilt werden müsste.

Andere Fahrten, wie Möbeltransporte, Kühltransporte,
Stückguttransporte oder Lebensmittellieferungen, ließen sich
theoretisch auch mit kleineren LKWs durchführen. Die Frage ist nur,
ob dies überhaupt sinnvoll ist: Denn um die gleiche Menge an Gütern
zu transportieren, müsste die Wirtschaft zukünftig statt eines großen
mehrere kleinere Lkw einsetzen. Dies würde für die Wirtschaft
zunächst erhebliche Mehrkosten für Personal und neue Fahrzeuge mit
sich bringen, die letztlich vom Konsumenten zu tragen wären.

Die gravierendste Folge wäre aber wohl der sprunghafte Anstieg des
Verkehrsaufkommens: Im 9. Bezirk würden wesentlich mehr Lkw als
bisher unterwegs sein, um die Waren zu den Firmen und Konsumenten zu
bringen. Nettig: "Wenn man Verkehr vermeiden möchte, ist eine
Tonnagebeschränkung absolut kontraproduktiv." Da das Verhältnis
zwischen Nutzlast und Fahrzeuggewicht bei kleineren Fahrzeugen zudem
ungünstiger ist, würde auch die Umweltbelastung deutlich ansteigen.

Letztlich geht das Vorhaben der Bezirksvorstehung Alsergrund aber an
den eigentlichen Ursachen der Verkehrs- und Lärmprobleme des 9.
Bezirks vorbei. Wo diese liegen, zeigt ein Blick in die Statistik:
Obwohl die Wohnbevölkerung in den letzten 10 Jahren um über 9 % von
rund 43.000 auf knapp 39.000 abgenommen hat, stiegen im gleichen
Zeitraum die Kfz-Zulassungen im Bezirk um über 10 % von 17.672 auf
19.514 Fahrzeuge an.
Genau gegenläufig verlief die Entwicklung im Güterverkehr: Die Zahl
der im Bezirk zugelassenen Lkw nahm im gleichen Zeitraum von 1457 auf
1316 ab. Im Masterplan Verkehr 2003 wird außerdem belegt, dass der
schwere Güterverkehr innerhalb des Gürtels seit 1990 nicht
angestiegen, sondern im Gegenteil klar zurückgegangen ist. Daher
fühlen sich in Wien auch wesentlich mehr Bewohner durch Pkw und
Motorräder gestört als durch Lkw. Folgerichtig ist im Masterplan auch
nirgends eine Einfahrtssperre für Lkw über 7,5 Tonnen vorgesehen.

"Hier wird wieder einmal versucht, die Wirtschaft zum Sündenbock zu
machen. In Wirklichkeit sind die Verkehrs- und Lärmprobleme des 9.
Bezirks aber nicht auf den Lkw-Verkehr, sondern ausschließlich auf
die zunehmende Motorisierung der Wohnbevölkerung zurückzuführen."

Der 9.Bezirk könnte übrigens rasch von seiner eigenen Idee eingeholt
werden. Derzeit wird ein neues Gebäude für die Bezirksvorstehung
errichtet. Es bleibt abzuwarten, ob die Bezirksvorstehung für den Bau
des Gebäudes und die anschließende Übersiedlung ausschließlich
Fahrzeuge unter 7,5 Tonnen einsetzen und auch die dadurch
entstehenden Mehrkosten übernehmen wird.

Nettig ist davon überzeugt, dass die Stadt Wien der Forderung der
Bezirksvorstehung Alsergrund nicht nachgeben wird. Nettig: "Ich gehe
davon aus, dass sich Verkehrsstadtrat Schicker an seinen eigenen
Masterplan hält und diesen Spuk rasch beendet."

OTS0183    2004-10-01/13:00

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WHK

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