- 30.09.2004, 13:02:32
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ACHTUNG SPERRFRIST 18 UHR BEACHTEN!!!Wehsely enthüllt lichterne Gedenktafel an jüdischem Bethaus
Gedenktafel aus Licht erinnert an jüdische BewohnerInnen des Hauses Schottenfeldgasse 60
Wien (OTS) - "Für die Stadt Wien ist es völlig klar, dass wir uns
66 Jahre nach dem Novemberpogrom der Nazis nicht am Gedenken der
Opfer hindern lassen. Wir erinnern uns an das jüdische Bethaus und
die hebräische Sprachschule, die an dieser Stelle waren -
stellvertretend für viele jüdische Bethäuser und Sprachschulen, von
denen die Stadt so viele hatte", erklärte Integrations- und
Frauenstadträtin Maga Sonja Wehsely Donnerstag bei der feierlichen
Enthüllung der "lichternen Gedenktafel" am Haus Schottenfeldgasse 60
im siebenten Wiener Gemeindebezirk. Das vormals einzige jüdische
Bethaus in Neubau wurde während des Novemberpogroms im Jahr 1938
zerstört. 1940 wurde das Haus, das bis dahin Dr. Otto Engler gehört
hatte, von den Nazis unrechtmäßig enteignet und wurde auch nach dem
Ende der Nazizeit nicht restituiert. Bis heute untersagten die
HauseigentümerInnen die Anbringung einer Gedenktafel.****
1988 initiierte die damalige Bezirksvertretung erstmals die
Anbringung einer Gedenktafel und scheiterte an den
HauseigentümerInnen. Zwölf Jahre später ergriff die Sozialistische
Jugend Neubau neuerlich die Initiative und regte an, die Gedenktafel
nicht an der Hausmauer, sondern zehn Zentimeter vor dem Haus und
damit auf öffentlichem Grund zu errichten.
Unter mehreren Vorschlägen junger ArchitektInnen wurde ein
Entwurf ausgewählt, der ein Gedicht Erich Frieds trägt und dessen
Inschrift durch die Metallplatte durchgefräst wurde. Der
Sonneneinfall lässt die Inschrift auf der Hausmauer erscheinen. Es
entsteht eine Gedenktafel aus Licht.
"Wir müssen aus der Geschichte lernen", erklärte Rainer Husty,
Bezirksvorsteher-Stellvertreter von Neubau. "Das Projekt ist ein
Symbol für viele Häuser und Einrichtungen, die den JüdInnen von Nazis
weggenommen wurden - bevor man sie vertrieben und/oder umgebracht
hat. Der alte antifaschistische Spruch 'Wehret den Anfängen' hat
nichts an Aktualität verloren", so Husty.
"Mein Dank gilt den InitiatorInnen dieses Projekts, die sich
gegen allen reaktionären Widerstand nicht von diesem wichtigen
Projekt abbringen ließen. Auch heute gibt es noch zahlreiche
Zeugnisse jüdischen Lebens im siebenten Bezirk. Das Kaufhaus Gerngroß
war etwa ebenso eine jüdische Gründung wie das vielen von uns noch
bekannte Kaufhaus Herzmansky. Beide wurden noch 1938 unrechtmäßig
enteignet. Gedenken wir der Toten und erklären uns solidarisch: Nie
wieder Krieg, nie wieder Faschismus", schloss Wehsely. (Schluss) me
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