• 23.09.2004, 10:07:55
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Sturm: Anderer Umgang mit Sexualität - Hirtenbrief des evangelischen Bischofs

Wird in allen Gottesdiensten verlesen - Situation wie in St. Pölten in evangelischer Kirche undenkbar

Wien (epd Ö) - In einem Hirtenbrief an alle Pfarrgemeinden
verwahrt sich der evangelisch-lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm
strikt gegen Aussagen im Zusammenhang mit den Vorfällen in St.
Pölten, wonach die Situation in der Evangelischen Kirche "auch nicht
anders sei". Schon am Montag hatte Sturm die Behauptungen von
Volksanwalt Ewald Stadler entschieden zurückgewiesen, wonach die
evangelischen Kirchen die gleichen Probleme hätten mit der
Bewältigung der Sexualität wie die römisch-katholische (ORF-Sendung
"offen gesagt" vom 19. September).

"Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer können die Gestalt, in der sie
ihre Sexualität leben, frei wählen, in Verantwortung vor Gott und der
Gemeinde", hält der Bischof in seinem Hirtenbrief, der in allen
Gottesdiensten verlesen werden soll, fest. Sturm erinnert an die
Reformatoren. Sie hätten die biblische Wahrheit wieder entdeckt,
"dass Gott nicht nur die Seele, sondern auch den Leib geschaffen hat,
und dass der Mensch in seiner Ganzheit zu Freude und Glück in
Verantwortung für sich und für andere berufen ist". Die Sexualität
als wesentliche Kraft der Beziehung wurde so als Gabe Gottes dankbar
angenommen, die lange Tradition einer christlichen Leibfeindlichkeit
beendet und die Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit
aufgehoben. Martin Luther habe geheiratet, eine Familie gegründet und
mit dem ersten evangelischen Pfarrhaus den Grundstein für eine
segensreiche Tradition gelegt.

Gleichberechtigte Rolle der Frauen

Unterstrichen wird vom Bischof auch die gleichberechtigte Rolle der
Frauen auf allen Ebenen der Evangelischen Kirche. Sturm: "Wo Frauen
mitwirken, ändert sich das Klima des Denkens, des Redens und des
Umgangs miteinander. Das ist ein Gewinn an Behutsamkeit und
Menschlichkeit, von dem unsere Kirche in jeder Weise profitiert."
Angehende evangelische PfarrerInnen und ReligionslehrerInnen
studieren an öffentlichen Universitäten und Akademien, betont der
Bischof. Sexualität sei kein Tabu, sondern fordere heraus zur
Integration in die Gesamtpersönlichkeit.

Eine Handlungsunfähigkeit und Ohnmacht, wie sie derzeit in der
Diözese St. Pölten erlebt werde, sei in der evangelischen Kirche
undenkbar. Denn: "Bei uns werden alle Ämter durch Wahl besetzt und
können von den zuständigen Gremien wieder enthoben werden."
Evangelische Menschen seien fehlbar wie andere auch. Sturm: "Unsere
Kirche hat sich klare Regeln gegeben, um bei Problemen aller Art
rasch und konsequent handeln zu können." Die Würde jedes Menschen,
der Schutz der Schwachen und die Bewährung des Evangeliums haben, so
der Bischof, oberste Priorität.

Der Hirtenbrief wurde allen Pfarrgemeinden, allen
ReligionslehrerInnen, den Werken und Vereinen sowie den PfarrerInnen
im Ruhestand übermittelt.

OTS0054    2004-09-23/10:07

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