"Am Schauplatz extra" im ORF: Strompiraten

Eine Reportage von Ed Moschitz und Heidi Lackner

Wien (OTS) - Immer mehr Menschen können ihre Stromrechung nicht bezahlen und sitzen plötzlich im Dunkeln. Seit der Liberalisierung des Strommarktes sind die Stromanbieter nicht mehr verpflichtet, ihre Kunden zu beliefern. Weil sich nicht jeder die steigenden Strompreise leisten kann, sieht sich mancher zur "Kurzschlusshandlung" gezwungen. Eine "Am Schauplatz extra"-Reportage über Stromlose, Strompiraten und Selbstversorger zeigt ORF 2 am Freitag, dem 24. September 2004, um 21.20 Uhr.

Gestalter Ed Moschitz: "Enormer Unterschied zwischen Stadt und Land!"

"Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist hier enorm. Am Land versucht man viel eher den Menschen entgegenzukommen. In Wien hingegen werden Zähler einfach abmontiert. Hier gehen viele Millionen Euro verloren, vermuten die Fachleute", so Gestalter Ed Moschitz. "Wir haben Menschen getroffen, die sich kalt waschen und duschen müssen. Manche versuchen gar, selbst Strom zu erzeugen, was aber nur schwer möglich ist. Plötzlich sieht man, wie schwierig das Leben ohne Strom tatsächlich ist."

Von abmontierten Stromzählern und durchgebrannten Sicherungen

Herr Gerhard aus Wien ist wegen illegalen Strombezugs sogar schon mehrmals im Gefängnis gesessen. Weil der Netzbetreiber seinen Stromzähler längst abmontiert hat, fließt der Strom ungezählt in den Haushalt. Der Verbrauch wird nun vom E-Werk "großzügig geschätzt". Mancher Problemkunde ist daher so hoch in der Kreide, dass er aus der Schuldenfalle wohl nur schwer wieder herauskommen wird. "Ohne Strom leben, das geht in einer Gemeindewohnung einfach nicht", erzählt er. Das kalte Duschen hat ihm der Arzt verboten, weil er davon Kopfschmerzen bekommt. Zahlen kann er seine Schulden von mittlerweile mehr als 10.000 Euro jedenfalls nicht. Herr Gerhard will daher in Zukunft nur mehr mit eigenem Stromaggregat fernsehen, sonst würden bei ihm die "Sicherungen durchbrennen", meint er. Dem Ganzen geht allerdings ein stundenlanger Kampf mit dem Aggregat voraus, bis es endlich funktioniert.

Not macht erfinderisch: Windräder statt E-Werk

Allein in Wien kämpft der Netzbetreiber mit ca. 300 solchen Problemfällen, die Tendenz ist steigend. So mancher ist daher auf der Suche nach Alternativenergien. Fündig wird man meist schon bei der Lichtstromleitung im Stiegenhaus. Andere wieder stellen sich aufs Dach des Kleingartenhauses ein selbst gebasteltes Windrad.

Münzzähler und Kerzenlicht

Um solchem Wildwuchs entgegenzuwirken, hat man den Problemkunden im Burgenland einfach einen Münzzähler vor die Tür gehängt. Wer Strom möchte, muss vor die Wohnungstür treten und Euromünzen oder Jetons einwerfen. "Meine Frau hat schon ein paar Mal vergessen, rechtzeitig beim Elektriker Strom-Jetons zu besorgen", erzählt Herr Rudolf. Deshalb hat man schon mehrmals das Wochenende bei Kerzenlicht verbracht. Der Pensionist muss mit Frau und zwei Kindern mit 750 Euro im Monat auskommen. Der 20 Jahre alte Kühlschrank frisst im Sommer zwar einen Jeton nach dem anderen, die Anschaffung eines neuen war mit der kleinen Pension bisher aber nicht möglich.

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