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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Preis der Prinzipien" (von Erwin Zankel)
Ausgabe vom 19.09.2004
Graz (OTS) - Die Zauberformel 65:45:80 ist allen ins Ohr, aber
nicht allen ins Hirn gegangen. Sie besagt, dass man im Alter von 65
nach 45 Beitragsjahren 80 Prozent des Lebenseinkommens als Pension
erwarten kann. Was so simpel klingt, ist tatsächlich sehr
kompliziert. Nicht nur deswegen, weil es viele Planungen in Unordnung
bringt, wenn man zwar 45 Jahre gearbeitet hat und noch nicht 65 Jahre
alt ist oder weil man künftig mit 65 Abschläge in Kauf nehmen muss,
wenn man erst mit 25 ins Berufsleben eingestiegen ist. Das größte
Problem ist das Lebenseinkommen.
Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Umkehr der Grundsätze.
Während sich bei den Beamten die Pension praktisch immer noch am
letzten Gehalt vor dem Ruhestand orientiert, ist das bei den
Arbeitern und Angestellten nicht der Fall. Dort wurde bereits die
Regel, wonach die besten 15 Jahre für die Höhe der Pension
ausschlaggebend sind, durch längere Durchrechnungszeiten ersetzt. Die
Pensionsreform des Jahres 2003 brachte schließlich mit
Übergangsfristen die lebenslange Durchrechnung. Arbeitslosigkeit oder
Teilzeitarbeit drücken also sehr stark die Höhe der zu erwartenden
Pension.
Erstaunt und erschreckt wurden die Konsequenzen registriert. Bei der
Altersversorgung wird auf das reine Versicherungssystem übergegangen.
Die Höhe der Pension wird ausschließlich von den Beiträgen bestimmt.
Am Pensionskonto kann man die Folgen der veränderten Berechnung
ablesen.
Damit der Umstieg nicht zu schmerzhaft ausfällt, wurden für die
Frauen Auffangnetze gespannt. Künftig genügen sieben statt fünfzehn
Erwerbsjahre für den Pensionsanspruch und werden pro Kind vier Jahre
mit dem Medianeinkommen von Frauen für die Pension angerechnet. Das
ist, wenn man sich bei den Nachbarn umschaut, eine großzügige Lösung.
Sie gilt freilich nicht sofort und gleicht vor allem nicht die
bereits wirksam gewordene Verlängerung der Durchrechnung aus. Deshalb
stimmt die Kritik, dass die Pensionsreform vor allem die Frauen
trifft.
Nur: Was sind die Alternativen? Wer erklärt, die generelle
Grundsicherung wäre die Lösung, sollte hinzufügen, dass dieses etwa
in Holland, England oder Schweiz geltende System nur eine
Minimalpension unabhängig vom Erwerbsleben ist und jede Aufbesserung
übers Existenzminimum hinaus durch Betriebspensionen oder
Lebensversicherungen erfolgt. Zur ersten Säule der Altersversorgung
müsste noch eine zweite oder dritte Säule kommen. Sonst funktioniert
das System nicht. Wer den hohen Preis der Prinzipien verschweigt,
streut den Mitbürgern Sand in die Augen. ****
OTS0047 2004-09-18/20:08
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