- 16.09.2004, 19:37:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Langsam wird Grassers Dreh ein durchschaubarer Schmäh" (Von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 17.09.2004
Graz (OTS) - Schon das Schauspiel war verräterisch: Mit großer
Geste verkündete der zwischendurch strahlend lächelnde Karl-Heinz
Grasser auf der abgewohnten Couch im Klub der Wirtschaftspublizisten
die Hiobsbotschaft: Bis zum Jahresende drohe dem Staatssäckel ein
Loch von gut einer Milliarde Euro. Das Staatsdefizit werde daher
selbst im günstigsten Fall mit 1,4 Prozent zumindest doppelt so groß
werden wie ursprünglich geplant, kündigte der Finanzminister an.
Und dann blattelte er sich selber auf: Der drohende Steuerausfall in
diesem Ausmaß sei auch den Experten und Finanzämtern weit gehend
unerklärlich, sagte Grasser in gespielt ratloser, für ihn völlig
untypischer Manier: Denn gewöhnlich versteht es das
Selbstvermarktungsgenie Grasser, auch noch so schräge Tatbestände mit
dem Anschein großer Seriosität zu argumentieren und selbst gröbere
Misserfolge als Glanztaten zu verkaufen.
Das macht stutzig. Hat Grasser nicht schon öfter zunächst den Teufel
an die Wand gemalt, um sich dann schließlich, als sich die Dinge doch
besser darstellten wie zunächst hinaus posaunt, darin zu sonnen, der
beste Finanzminister aller Zeiten zu sein?
Zweimal hat er die Methode schon strapaziert: Etwa, als er das 2001
dank diverser Sonderfaktoren erzielte Nulldefizit zunächst offiziell
für 2002 angepeilt hatte. Als das Jahrhundert-Ereignis dann ein Jahr
früher passierte, warf er sich entsprechend in die Brust. Auch im
Vorjahr malte er anfangs einen viel dramatischeren Budgetvollzug an
die Wand, der ihn schließlich - als es so schlimm nicht geworden war
- wieder gut da stehen ließ. Momentan hat Grasser auch noch einen
etwas weniger egozentrischen Grund, die Dinge schlimmer darzustellen
als sie sind: Die Verhandlungen mit den Ländern und Gemeinden über
den Finanzausgleich spießen sich, sind in der heiklen Phase. Da nützt
es seiner auf größtmögliche Knausrigkeit abgestellten
Verhandler-Position, die ach so leeren und löchrigen Hosensäcke nach
außen zu stülpen und dabei laut zu schreien: Schaut her, ich habe
doch kein Geld!
Freilich sind die Staatsfinanzen nicht im Lot. Doch so arg, wie
Grasser tut, ist die Lage nicht. Zudem hat er bei der Budgetplanung,
monatelang abgelenkt durch nötige (Homepage-)Selbstverteidigung, auch
handwerkliche Fehler gemacht, sagen Experten. Prinzipiell ist Grasser
Methode, absichtsvoll schwarz zu malen, verständlich: Das bremst
Begehrlichkeiten. Jedoch nur, so lange der Dreh nicht zu oft versucht
wird. Sonst wird er durchsichtig, geht er, wie inzwischen, erbärmlich
daneben. ****
OTS0254 2004-09-16/19:37
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