- 15.09.2004, 13:23:04
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Haus der Barmherzigkeit: Lebensfreude trotz Diagnose Alzheimer
Wien (OTS) - Am 15. September fand im geriatrischen
Pflegekrankenhaus Haus der Barmherzigkeit in Wien ein "Tag der
offenen Tür" statt. Ein großer Teil der 500 hochbetagten, chronisch
kranken Bewohner ist von Alzheimer betroffen. Diesen Menschen die
bestmögliche Therapie und Betreuung zu bieten und ihnen durch
Abwechslung im Heimalltag bis zuletzt die Lebensfreude zu erhalten,
ist das oberste Ziel des multi-professionellen Mitarbeiter-Teams des
Hauses.
Die Diagnose Alzheimer bedeutet für Betroffene und Angehörige oft
einen Schock. Viele verbinden damit ein freudloses Dahinvegetieren.
Doch im Wiener Haus der Barmherzigkeit wird durch die richtige
Betreuung besonders viel Wert darauf gelegt, dass Alzheimer-Patienten
trotz ihrer schweren Krankheit Freude und Lebensqualität empfinden
können. Deshalb wurde eine einzigartige Tagesstrukturierung für die
Patienten entwickelt, die Abwechslung in den Heimalltag bringt. "Bei
der Gestaltung des individuellen Tagesablaufes legen wir viel Wert
auf die Biografie jedes einzelnen Bewohners", erklärt
Pflegedirektorin DGKS Eva Mutz-Amon bei einem Pressegespräch am "Tag
der offenen Tür". "Nur wenn wir den Menschen, seine Vorlieben, seinen
familiären und beruflichen Hintergrund kennen, können wir ihn gezielt
fördern." Im Haus der Barmherzigkeit erstellt eine eigene Stabsstelle
"Tagesstruktur" die Angebote für die einzelnen Gruppen: So wird etwa
in einer "Sitz-Tanzgruppe" die Beweglichkeit gefördert, Literatur-,
Film-, Opern- und Chorgruppen sorgen nicht nur für Unterhaltung,
sondern sind auch mit Gedächtnisübungen verbunden. Ein PC-Raum mit
freiem Internet-Zugang und eine Bibliothek ermöglichen es den
Patienten, ihre Lernfähigkeit zu trainieren.
"Alzheimer ist kein Schicksal, es ist eine Diagnose," betont der
ärztliche Direktor im Haus der Barmherzigkeit, Prim. Univ.-Prof. Dr.
Christoph Gisinger. "Demenz ist zwar nicht heilbar, der Verlauf kann
aber mit entsprechenden therapeutischen Maßnahmen verlangsamt werden.
Unsere professionelle Betreuung stützt sich daher auf zwei Punkte:
Diagnose und Therapie."
Das Ärzteteam im Haus der Barmherzigkeit setzt bei der Betreuung von
Alzheimer-Patienten auf die Kombination aus nichtmedikamentöser und
medikamentöser Therapie. Die Grundlage bilden dabei
nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Ergo-, Kunst-, Musik- und
Tiertherapie. Unterstützt werden diese Maßnahmen durch die
medikamentöse Therapie. Medikamente wie die modernen
Acetylcholinesterase-Hemmer können die Symptome der Krankheit
verzögern und den Gesundheitszustand über längere Zeiträume
stabilisieren helfen. Damit werden auch die Selbstständigkeit und
Lebensqualität der Patienten verbessert. "Unsere Erfahrung zeigt,
dass die Kombination aus nichtmedikamentöser und medikamentöser
Therapie den besten Erfolg für die Alzheimer-Patienten bringt",
berichtet Gisinger.
Aufklärung und Förderung der Früherkennung als Priorität
"Insgesamt erhalten derzeit aber nur rund 10% aller
Alzheimer-Patienten diese wirksamen Medikamente", so Andreas Penk,
Country Manager von Pfizer Corporation Austria. "Gemessen an den
Gesamtkosten für Pflege und Therapie liegt der Anteil der
Medikamentenkosten bei rund 2%." Aufklärung und Früherkennung sind
daher besonders wichtig, um mehr Menschen rechtzeitig behandeln zu
können. "Pfizer sieht seine Kompetenz nicht nur in der Bereitstellung
von wirksamen Arzneimitteln, sondern auch in der gesellschaftlichen
Verantwortung, menschliches Leid durch Früherkennung und Vorsorge von
Alzheimer zu verhindern", betont Penk.
Neue Pflegestrukturen und Netzwerke dringend notwendig
"Die prognostizierte Zunahme der Alzheimer-Kranken - bis 2050 wird es
240.000 Demenzpatienten in Österreich geben - bedeutet nicht nur eine
medizinische und ökonomische Herausforderung, sondern ist auch eine
enorme Belastung für die pflegenden Angehörigen," warnt Univ. Prof.
Dr. Peter Dal-Bianco, Universitätsklinik für Neurologie am AKH und
Medizinische Universität Wien. Er fordert die dringende Bildung
neuer Pflegestrukturen und -Netzwerke, um die Angehörigen zu
entlasten. Weitere notwendige Maßnahmen sind der Ausbau des
Pflegegeldes, eine zielgerechte Pflege-geldzuteilung, die sich am
tatsächlichen Aufwand orientiert, die Ausbildung von
Begutachtungsärzten, um nicht nur körperliche, sondern auch kognitive
Defizite und Verhaltensstörungen zu erkennen, sowie
Qualitätskontrolle für Pflegedienste und die Enttabuisierung von
Demenzerkrankungen. Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie ist
auch für Prof. Dal-Bianco die Früherkennung. "Hier kommt besonders
dem Arzt für Allgemeinmedizin eine zentrale Rolle zu", so Dal-Bianco.
OTS0170 2004-09-15/13:23
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