- 15.09.2004, 12:18:18
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VEÖ: Leitl-Aussagen bezüglich Strommarkt nicht nachvollziehbar
Europäischer Wettbwerbsmarkt ist Basis für Preisentwicklung
Wien (OTS) - "Auch die jüngsten Aussagen von WKÖ-Präsident
Christoph Leitl sind nicht nachvollziehbar, da die Fakten eine
deutlich andere Sprache sprechen", kommentierte Ulrike
Baumgartner-Gabitzer, Generalsekretärin des Verbandes der
Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), einen Gastkommentar des
WKÖ-Präsidenten in der Tageszeitung Wirtschaftsblatt.
Seine Ansicht, dass es keinen Wettbewerb in Österreich gebe, ist
durch den jüngsten Benchmarking-Bericht der EU zu widerlegen:
Österreich war eines der ersten Länder in Europa, das seinen
Strommarkt zu 100 Prozent geöffnet hat und liegt bei der Wechselrate
im Business-Bereich bei 15 Prozent. Das ist eine vergleichsweise hohe
Wechselrate in der EU, wird von der EU als funktionierender
Wettbewerbsmarkt kommentiert und ist ein klares Indiz dafür, dass die
österreichische Wirtschaft den liberalisierten Markt zu nutzen weiß.
Großabnehmer profitieren von Liberalisierung
Die österreichische Industrie inkl. Dienstleistungssektor hat laut
der letzten Wifo-Studie von der Liberalisierung des österreichischen
Strommarktes am meisten profitiert. Der Großteil der vom Wifo
ausgewiesenen Einsparungen von 700 Mio. Euro pro Jahr kamen der
Wirtschaft zugute.
Dass Steuern und diverse Zuschläge einen Großteil der Einsparungen
wieder wettgemacht haben, liegt nicht im Einfluss- oder
Verantwortungsbereich der E-Wirtschaft.
Strompreise das Ergebnis eines europäischen Wettbewerbsmarktes
Die Entwicklung der Strom-Großhandelspreise ist - entgegen der
Ansicht von WKÖ-Präsident Leitl - das Ergebnis eines europäischen
Wettbewerbsmarktes und kann nur im europäischen Kontext gesehen
werden.
Die Liberalisierung der Strommärkte in Europa brachte in der
Anfangsphase sehr viel an Unsicherheiten und Risiken für die
Stromanbieter mit sich. Dies hat dazu geführt, dass die
Großhandelspreise sogar bis unter die kurzfristigen Grenzkosten
gefallen sind, wobei - wie jedem Wirtschaftstreibenden klar sein muss
- dieses niedrige Niveau nicht lange gehalten werden kann.
Das zu erwartende nachhaltige Ansteigen der Großhandelspreise ist
jetzt auf die zunehmende Verknappung der Erzeugungskapazitäten in
Europa, kostenintensive Auflagen aus diversen Richtlinien sowie
steigende Preise für Primärenergie zurückzuführen. Allein die
wechselkursbereinigten Preise für Brennstoffe zur Stromproduktion
stiegen in den letzten 12 Monaten auf europäischer Ebene um mehr als
40 Prozent.
Zwischen 2000 und 2003 stieg der Großhandelspreis für
Grundlaststrom um 100 Prozent. Und der Terminpreis 2005 für
Grundlaststrom lag im August 2004 an der European Energy Exchange
(EEX) um 17 Prozent über dem Vergleichswert im September 2003.
Netztarife bereits um 250 Mio. Euro pro Jahr gesenkt
"Ich möchte auch klar darauf hinweisen, dass die Netztarife in
zwei Tarifsenkungsrunden im gewichteten österreichischen Durchschnitt
bereits um zehn Prozent gesenkt wurden", so Baumgartner-Gabitzer. Das
entspricht einem Betrag von 250 Mio. Euro per anno. Es müsse aber
auch deutlich unterstrichen werden, dass Österreich bei der
Versorgungssicherheit und -qualität zu den Top-Ländern in Europa
zählt, was die vor kurzem von der E-Control veröffentlichte Ausfalls-
und Störungsstatistik für 2003 beweist. "Diese hohe Qualität der
Stromversorgung ist ein großes Asset des Wirtschaftsstandorts
Österreich", unterstrich die VEÖ-Generalsekretärin, "und kann nur
durch hohe Investitionen in den Netzbereich gesichert werden."
Steigende Stromtransporte setzen Investitionen voraus
Auch sei die Ansicht Leitls, dass steigende Stromtransporte im
europäischen Wirtschaftsraum automatisch Tarifsenkungen bedeuten
würden, nicht richtig. Die europäischen Netze sind von ihrer
ursprünglichen Aufgabe her auf ein den energiewirtschaftlichen
Erfordernissen entsprechendes Ausgleichssystem und nicht auf einen
liberalisierten Strommarkt ausgelegt gewesen. Um diese
Voraussetzungen zu schaffen und zu verbessern, sind in den nächsten
Jahren weitere enorme Investitionen der E-Wirtschaft notwendig.
So wird das Investitionsvolumen für benötigte
Erzeugungskapazitäten (lt. IEA 600.000 Megawatt bis 2030 allein in
den ehemaligen EU-15) und den erforderlichen Ausbau der
Netzinfrastruktur auf nicht weniger als 1.100 bis 1.300 Mrd. Euro
geschätzt. "Dies setzt allerdings voraus, dass Strompreise und
Netztarife der wirtschaftlichen Realität entsprechen", unterstrich
Baumgartner-Gabitzer.
OTS0143 2004-09-15/12:18
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