Solvay beabsichtigt Einstellung der Sodaproduktion in Ebensee

6 Mio. Euro Investition in Ausbau der SOCAL(R)-Produktion

Ebensee (OTS) - Solvay Österreich GmbH beabsichtigt die Produktion von Soda und Natriumbikarbonat in ihrem Werk in Ebensee, O.Ö, zur Jahresmitte 2005 einzustellen. Die Produktion von gefälltem Kalziumkarbonat (SOCAL(R) und WINNOFIL(R)) wird am Standort weitergeführt und verstärkt. Solvay wird in den nächsten Monaten 6 Mio. Euro in die Modernisierung dieser Anlagen investieren. Begründet wird die Einstellung der Sodaproduktion mit den auf dem Weltmarkt herrschenden Überkapazitäten und den überdurchschnittlich gestiegenen Energie- und Transportkosten in Österreich. Wie an einer Medienkonferenz heute in Ebensee ausgeführt wurde, sind von der Stilllegung 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Das Solvay-Werk Ebensee wird künftig rund 80 Mitarbeitende beschäftigen. Solvay wird ihre Kunden weiterhin mit der gesamten Produktepallette beliefern.

Soda ist ein weltweit gehandeltes Produkt. Der globalisierte Handel ist in verschiedenen Regionen seit einigen Jahren geprägt durch eine hohe Marktsättigung mit einem entsprechend harten Preiskampf. "Weltweite Marktentwicklungen haben deshalb auch Rückwirkungen auf Ebensee", erklärte Dr. Manfred Inkmann, Generaldirektor von Solvay Österreich, gegenüber den Medien. So würden beispielsweise in China und Indien große neue Kapazitäten gebaut. Wirkung zeige darüber hinaus der niedrige US-Dollar, der es amerikanischen Anbietern ermöglicht, im europäischen Markt ihren Marktanteil deutlich zu steigern. Zudem spürt Ebensee die Konkurrenz aus den Reformstaaten. Die dort privatisierten Werke genießen Wettbewerbsvorteile dank staatlichen und europäischen Beihilfen und Subventionen, weniger restriktiven Umweltschutzauflagen sowie tiefen Personalkosten.

Ein weiterer Kostenfaktor ist die im Januar eingeführte Maut für Lastwagen in Österreich. Rund 40 Prozent des in Ebensee produzierten Sodas gehen in den Export. Die österreichische Lastwagenmaut hat unsere Produkte von einem Tag auf den anderen um weitere drei bis vier Prozent verteuert.

Ein weiterer zentraler Punkt für die kritische Lage von Ebensee sind die hohen Energiepreise. Nachdem in den letzten Jahren viele Koksfabriken in Europa geschlossen worden sind, hängt die Verfügbarkeit von Koks stark vom Export von China ab. Aufgrund des eigenen Wirtschaftsbooms verbraucht China jedoch seine gesamte Jahresproduktion weitgehend selbst, was zu einem enormen Anstieg des Kokspreises geführt hat. Alleine in den letzten zwei Jahren hat sich der Kokspreis beinahe verfünffacht.

Ebensee beschäftigt derzeit 208 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vom Stilllegungsentscheid sind rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Ein Sozialplan wird Gegenstand von Verhandlungen mit der Belegschaftsvertretung sein. Solvay wird sich an Weiterbildungsmaßnahmen für die betroffene Belegschaft aktiv beteiligen und dabei eng mit der Arbeitsmarktverwaltung zusammen arbeiten. Es ist geplant, die Arbeiten zur Stilllegung der Sodaproduktion und die Demontage von Anlagen so weit wie möglich mit eigenem Personal durchzuführen. Dementsprechend soll die Freistellung des Personals gestaffelt über einen Zeitraum von mehreren Monaten erfolgen.

In Ebensee weitergeführt wird die Produktion von gefälltem Kalziumkarbonat, das unter den Markennamen SOCAL(R) und WINNOFIL(R) gehandelt wird. Gefälltes Kalziumkarbonat wird vor allem von der Papier- und Kunststoffindustrie sowie in der Pharma- und Lebensmittelindustrie nachgefragt. Die Hauptabnehmer von Ebensee sind Kunden aus Tschechien, Deutschland und Österreich.

Für die Modernisierung der SOCAL(R)-Produktionsanlagen in Ebensee ist ein Investitionsprogramm von 6 Mio. Euro verabschiedet worden. Die SOCAL(R)-Fabrik in Ebensee hat im Gegensatz zur Sodafabrik die für eine rentable Produktion notwendige kritische Größe. 1917 hat Solvay in Ebensee die erste Produktion von gefälltem Kalziumkarbonat in Betrieb genommen. Die Weiterführung der SOCAL(R)-Produktion am Standort Ebensee baut somit auf einer jahrzehntelangen Erfahrung auf und kann von den restrukturierten und wachsenden Märkten Zentral- und Osteuropas zu profitieren.

Nach der Stilllegung der Sodaherstellung werden etwa 80 Personen mit der Herstellung sowie der Lagerung und dem Versand der SOCAL(R)-Produkte, dem längerfristigen Unterhalt der Anlagen und des Areals sowie im Verwaltungsbereich weiterbeschäftigt. Darin inbegriffen sind auch acht Lehrlinge, welche ihre Lehre alle bei Solvay beenden können.

Solvay ist seit über 120 Jahren in Ebensee präsent und hat damit die Geschichte der Gemeinde und des Umlandes stark mitgeprägt. Das Unternehmen hielt an der heutigen Pressekonferenz fest, dass die Beziehung zwischen Solvay und der Gemeinde von gegenseitigem Respekt und Vertrauen gekennzeichnet ist. "Solvay ist sich seiner besonderen Verantwortung bewusst", erklärte der Geschäftsführer des Werks Ebensee, Dipl.-Ing. Gerhard Eder, gegenüber den Medien. Wie das Unternehmen an der Pressekonferenz erklärte, will Solvay mit der Gemeinde und Fachleuten zusammenarbeiten, um die bereits begonnene Ansiedlung neuer Industrie- und Gewerbebetriebe auf dem frei werdenden Industrieareal weiter voranzutreiben.

Solvay ist eine internationale Chemie- und Pharmagruppe mit Sitz in Brüssel und beschäftigt rund 30'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 50 Ländern. Solvay wird auch künftig mit ihren drei Kernbereichen Chemie, Kunststoffe und Pharma in Österreich präsent sein. Der österreichische Firmensitz von Solvay befindet sich in Wien. Solvay ist im Euronext 100-Index der europäischen Top-Unternehmen gelistet. Weitere Einzelheiten unter http://www.solvay.com.

Pressetexte und Bildmaterial stehen ab sofort unter http://www.solvay.at/press zur Verfügung.

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