OeNB - Euro-Kreditzinssätze in Österreich unter dem Durchschnitt des Euroraums

Schweizer Franken Ausleihungen expandieren trotz Zinserhöhung

Wien (OTS) - Wien (OTS) - Zinssätze für Konsumkredite an private Haushalte, aber auch Unternehmenskredite waren in Österreich im ersten Halbjahr 2004 günstiger als im Durchschnitt des Euroraums. Im Einlagenbereich lagen die Zinssätze in Österreich in den meisten Kategorien im Euroraum-Schnitt, bei Einlagen mit längerer Bindungsdauer aber deutlich darüber. Die Anpassung der von Österreichs Banken verrechneten Zinssätze an Leit- bzw. Zwischenbankzinssätze ist stärker bzw. rascher als in anderen Euro-Ländern.

Trotz Zinserhöhungen bei CHF-Krediten expandierten die Ausleihungen an inländische Nichtbanken mit einem Plus von 11% auf ein Rekordniveau von über 40 Mrd EUR.

Im Rahmen einer heute stattfindenden Pressekonferenz präsentierte Direktor Mag. Dr. Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, Ergebnisse der seit Jänner 2003 im Euroraum harmonisiert erhobenen Statistik über die von Banken im Kundengeschäft mit privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen vergebenen Zinssätze. Die neuesten Zahlen zeigen, dass im Allgemeinen Österreichs Kunden gegenüber den Kunden im Euroraum insofern bevorzugt sind, als sie Senkungen der Leit- bzw. Zwischenbankzinssätze schneller in ihren Neugeschäftskonditionen wieder finden. So sank beispielsweise der Durchschnittszinssatz über alle neu vergebenen Wohnbaukredite in Österreich zwischen Juni 2003 (dem Zeitpunkt der letzten Zinssenkung der EZB) und Juni 2004 um 0,46 Prozentpunkte, im Euroraumdurchschnitt betrug die Reduktion hingegen nur 0,29 Prozentpunkte. Als Gründe für diese Entwicklung führte Direktor Zöllner insbesondere den derzeit starken Wettbewerb, aber auch den Umstand an, dass in Österreich ein vergleichsweise hoher Anteil der Kredite variabel verzinst vergeben wird.

Bei Betrachtung des absoluten Kredit-Zinsniveaus fiel laut Direktor Zöllner auf, dass im Juni 2004 insbesondere bei Konsumkrediten der Zinssatz im Neugeschäft in Österreich deutlich unter jenem des Euroraumes lag (5,23 gegenüber 7,24 %). Gleiches traf auch auf Unternehmenskredite zu - bei Krediten mit einem Volumen von bis zu 1 Million EUR war in Österreich ein Durchschnittszinssatz von 3,53 % zu verzeichnen, verglichen mit 4,06 % im Euroraum. Bei Krediten mit einem Volumen von über 1 Million EUR ließ sich in Österreich ein Zinssatz von 2,90 %, im Euroraum hingegen von 3,10 % beobachten.

Im Einlagenbereich lagen die Neugeschäft-Zinssätze in Österreich in den meisten Kategorien sehr nahe bei den Durchschnittswerten des Euroraumes, bei längerfristiger Bindung (über 2 Jahre) wurde in Österreich jedoch ein deutlich höherer Zinssatz festgestellt (2,75 gegenüber 2,39 %). Als einen Hauptgrund dafür führte Direktor Zöllner die nach wie vor sehr hohe Popularität der Spareinlagen in Österreich an, die oft mit längeren Bindungsfristen und vergleichsweise relativ hohen Zinssätzen vereinbart werden. Als Folge ist die Spanne zwischen den volumensgewichteten Durchschnittszinssätzen für alle neu vergebenen Euro-Einlagen und Euro-Kredite mit 1,36 Prozentpunkten eine der niedrigsten im Euroraum und liegt deutlich unter jener für den gesamten Euroraum (1,81 Prozentpunkte).

Direktor Zöllner hob weiters die Entwicklung der Zinssätze für Fremdwährungskredite hervor, bei denen sich im ersten Halbjahr 2004 eine Verringerung des relativen Zinsvorteils gegenüber dem Euro-Kredit beobachten ließ. Der Durchschnittszinssatz für alle neu vergebenen CHF-Kredite stieg zwischen Jänner und Juni 2004 infolge einer Leitzinsanhebung der Schweizerischen Nationalbank (um 0,25 Prozentpunkte) von 1,46 auf 1,64 %, während der Durchschnittszinssatz über alle Euro-Kredite von 3,48 auf 3,37 % sank.

Allerdings hat diese Entwicklung bei den Zinssätzen laut Direktor Zöllner die Nachfrage nach Fremdwährungs-Ausleihungen nicht beeinträchtigt. Im ersten Halbjahr 2004 stieg das Volumen der gegenüber inländischen Nichtbanken aushaftenden Fremdwährungs-Ausleihungen wechselkursbereinigt um 5% (+3,4 Mrd EUR) und erreichte im Juni 2004 mit 47,3 Mrd EUR seinen bisherigen Höhepunkt. Somit machen die Fremdwährungs-Ausleihungen bereits ein Fünftel aller von österreichischen Banken an Inländer vergebenen Ausleihungen aus. Die meisten Fremdwährungs-Ausleihungen wurden dabei in der Größenordnung von 100.000 bis 500.000 EUR vergeben.

Dominierende Währung bei dieser Ausleihungskategorie ist der Schweizer Franken (CHF). Im ersten Halbjahr 2004 setzten die CHF-Ausleihungen ihren Aufwärtstrend - trotz verringertem Zinsabstand zum EUR - fort und überschritten im Juni die 40 Mrd EUR Grenze (40,6 Mrd EUR). Seit Jahresbeginn wurde ein wechselkursbereinigtes Plus von 11% verzeichnet. Mehr als die Hälfte der CHF-Ausleihungen (58% oder 23,7 Mrd EUR) wurde von privaten Haushalten in Anspruch genommen, wobei der Löwenanteil von 62% zur Schaffung und Erhaltung von Wohnraum aufgenommen wurde (23% flossen in die Finanzierung von Dienstleistungen und Konsumgütern). Die nicht finanziellen Unternehmen hatten einen Anteil von 34 % oder 13,9 Mrd EUR.

Hingegen verloren die JPY-Ausleihungen im ersten Halbjahr 2004 weiter an Bedeutung und wurden vor allem in CHF-Ausleihungen konvertiert. Somit sank das aushaftende Volumen im Juni auf den Tiefststand von 3,4 Mrd EUR, das ist seit Jahresbeginn ein wechselkursbereinigtes Minus von 38%.

Schließlich verwies Direktor Zöllner auf die "unangefochtene europäische Spitzenposition" Österreichs bei den Fremdwährungs-Ausleihungen. Der österreichische Anteil an CHF-Ausleihungen im Euroraum lag zuletzt bei rund 41 %, während bei den EUR-Ausleihungen nur ein Anteil von ca. 3 % gegeben ist.

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