- 13.09.2004, 09:38:00
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OeNB - Euro-Kreditzinssätze in Österreich unter dem Durchschnitt des Euroraums
Schweizer Franken Ausleihungen expandieren trotz Zinserhöhung
Wien (OTS) - Wien (OTS) - Zinssätze für Konsumkredite an private
Haushalte, aber auch Unternehmenskredite waren in Österreich im
ersten Halbjahr 2004 günstiger als im Durchschnitt des Euroraums. Im
Einlagenbereich lagen die Zinssätze in Österreich in den meisten
Kategorien im Euroraum-Schnitt, bei Einlagen mit längerer
Bindungsdauer aber deutlich darüber. Die Anpassung der von
Österreichs Banken verrechneten Zinssätze an Leit- bzw.
Zwischenbankzinssätze ist stärker bzw. rascher als in anderen
Euro-Ländern.
Trotz Zinserhöhungen bei CHF-Krediten expandierten die Ausleihungen
an inländische Nichtbanken mit einem Plus von 11% auf ein
Rekordniveau von über 40 Mrd EUR.
Im Rahmen einer heute stattfindenden Pressekonferenz präsentierte
Direktor Mag. Dr. Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums der
Oesterreichischen Nationalbank, Ergebnisse der seit Jänner 2003 im
Euroraum harmonisiert erhobenen Statistik über die von Banken im
Kundengeschäft mit privaten Haushalten und nichtfinanziellen
Unternehmen vergebenen Zinssätze. Die neuesten Zahlen zeigen, dass im
Allgemeinen Österreichs Kunden gegenüber den Kunden im Euroraum
insofern bevorzugt sind, als sie Senkungen der Leit- bzw.
Zwischenbankzinssätze schneller in ihren Neugeschäftskonditionen
wieder finden. So sank beispielsweise der Durchschnittszinssatz über
alle neu vergebenen Wohnbaukredite in Österreich zwischen Juni 2003
(dem Zeitpunkt der letzten Zinssenkung der EZB) und Juni 2004 um 0,46
Prozentpunkte, im Euroraumdurchschnitt betrug die Reduktion hingegen
nur 0,29 Prozentpunkte. Als Gründe für diese Entwicklung führte
Direktor Zöllner insbesondere den derzeit starken Wettbewerb, aber
auch den Umstand an, dass in Österreich ein vergleichsweise hoher
Anteil der Kredite variabel verzinst vergeben wird.
Bei Betrachtung des absoluten Kredit-Zinsniveaus fiel laut Direktor
Zöllner auf, dass im Juni 2004 insbesondere bei Konsumkrediten der
Zinssatz im Neugeschäft in Österreich deutlich unter jenem des
Euroraumes lag (5,23 gegenüber 7,24 %). Gleiches traf auch auf
Unternehmenskredite zu - bei Krediten mit einem Volumen von bis zu 1
Million EUR war in Österreich ein Durchschnittszinssatz von 3,53 % zu
verzeichnen, verglichen mit 4,06 % im Euroraum. Bei Krediten mit
einem Volumen von über 1 Million EUR ließ sich in Österreich ein
Zinssatz von 2,90 %, im Euroraum hingegen von 3,10 % beobachten.
Im Einlagenbereich lagen die Neugeschäft-Zinssätze in Österreich in
den meisten Kategorien sehr nahe bei den Durchschnittswerten des
Euroraumes, bei längerfristiger Bindung (über 2 Jahre) wurde in
Österreich jedoch ein deutlich höherer Zinssatz festgestellt (2,75
gegenüber 2,39 %). Als einen Hauptgrund dafür führte Direktor Zöllner
die nach wie vor sehr hohe Popularität der Spareinlagen in Österreich
an, die oft mit längeren Bindungsfristen und vergleichsweise relativ
hohen Zinssätzen vereinbart werden. Als Folge ist die Spanne zwischen
den volumensgewichteten Durchschnittszinssätzen für alle neu
vergebenen Euro-Einlagen und Euro-Kredite mit 1,36 Prozentpunkten
eine der niedrigsten im Euroraum und liegt deutlich unter jener für
den gesamten Euroraum (1,81 Prozentpunkte).
Direktor Zöllner hob weiters die Entwicklung der Zinssätze für
Fremdwährungskredite hervor, bei denen sich im ersten Halbjahr 2004
eine Verringerung des relativen Zinsvorteils gegenüber dem
Euro-Kredit beobachten ließ. Der Durchschnittszinssatz für alle neu
vergebenen CHF-Kredite stieg zwischen Jänner und Juni 2004 infolge
einer Leitzinsanhebung der Schweizerischen Nationalbank (um 0,25
Prozentpunkte) von 1,46 auf 1,64 %, während der Durchschnittszinssatz
über alle Euro-Kredite von 3,48 auf 3,37 % sank.
Allerdings hat diese Entwicklung bei den Zinssätzen laut Direktor
Zöllner die Nachfrage nach Fremdwährungs-Ausleihungen nicht
beeinträchtigt. Im ersten Halbjahr 2004 stieg das Volumen der
gegenüber inländischen Nichtbanken aushaftenden
Fremdwährungs-Ausleihungen wechselkursbereinigt um 5% (+3,4 Mrd EUR)
und erreichte im Juni 2004 mit 47,3 Mrd EUR seinen bisherigen
Höhepunkt. Somit machen die Fremdwährungs-Ausleihungen bereits ein
Fünftel aller von österreichischen Banken an Inländer vergebenen
Ausleihungen aus. Die meisten Fremdwährungs-Ausleihungen wurden dabei
in der Größenordnung von 100.000 bis 500.000 EUR vergeben.
Dominierende Währung bei dieser Ausleihungskategorie ist der
Schweizer Franken (CHF). Im ersten Halbjahr 2004 setzten die
CHF-Ausleihungen ihren Aufwärtstrend - trotz verringertem Zinsabstand
zum EUR - fort und überschritten im Juni die 40 Mrd EUR Grenze (40,6
Mrd EUR). Seit Jahresbeginn wurde ein wechselkursbereinigtes Plus von
11% verzeichnet. Mehr als die Hälfte der CHF-Ausleihungen (58% oder
23,7 Mrd EUR) wurde von privaten Haushalten in Anspruch genommen,
wobei der Löwenanteil von 62% zur Schaffung und Erhaltung von
Wohnraum aufgenommen wurde (23% flossen in die Finanzierung von
Dienstleistungen und Konsumgütern). Die nicht finanziellen
Unternehmen hatten einen Anteil von 34 % oder 13,9 Mrd EUR.
Hingegen verloren die JPY-Ausleihungen im ersten Halbjahr 2004 weiter
an Bedeutung und wurden vor allem in CHF-Ausleihungen konvertiert.
Somit sank das aushaftende Volumen im Juni auf den Tiefststand von
3,4 Mrd EUR, das ist seit Jahresbeginn ein wechselkursbereinigtes
Minus von 38%.
Schließlich verwies Direktor Zöllner auf die "unangefochtene
europäische Spitzenposition" Österreichs bei den
Fremdwährungs-Ausleihungen. Der österreichische Anteil an
CHF-Ausleihungen im Euroraum lag zuletzt bei rund 41 %, während bei
den EUR-Ausleihungen nur ein Anteil von ca. 3 % gegeben ist.
Weitere statistische Informationen unter
www.oenb.at/ Statistik und Melderservice
www.dieaktuellezahl.oenb.at
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43-1-40420-6666
OTS0036 2004-09-13/09:38
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