Stadt Wien übernimmt H. C. Artmann-Nachlass

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny: "Nachlass-Ankauf ist Auszeichnung für Wien"

Wien (OTS) - Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek erwirbt den literarischen Nachlass des vor vier Jahren verstorbenen österreichischen Dichters H. C. Artmann (geb.1921). Zu Ehren des im Jahr 2000 verstorbenen Dichters wird außerdem ein Preis durch die Stadt Wien gestiftet. Dieser Preis wird heuer an den in Wien lebenden Schriftsteller Peter Waterhouse überreicht. Dies gab Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Rosa Artmann-Pock, Peter Rosei und der Leiterin der Stadt- und Landesbibliothek Sylvia Mattl-Wurm heute bekannt. "Der Nachlass-Ankauf und die Stiftung des H.C. Artmann-Preises sind Tribute an H.C. Artmann, der ein großer Lyriker, ein internationaler und Wiener Dichter gleichermaßen war", sagte dazu Stadtrat Mailath-Pokorny.****

Rosa Artmann-Pock, die Witwe von H.C. Artmann, hat dieser Tage sowohl das literarische Archiv als auch seine Büchersammlung an die Wiener Stadt- und Landesbibliothek übergeben, wo der Nachlass - der neben zahlreichen Manuskripten, Handschriften und Zeichnungen auch die gesamte Bibliothek des Dichters beinhaltet - aufgearbeitet und archiviert wird. Sie zeigte sich glücklich, dass die Stadt Wien den Nachlass, eine "Spurensicherung" von H.C. Artmann übernommen hat. Es sei auch sein Wille gewesen, dass der Nachlass in Wien bleibt. Die Kaufsumme für den Nachlass beträgt 140.000 Euro.

Artmanns Bibliothek mit 4.000 Werken

Der literarische Nachlass versammelt neben zahlreichen Manuskripten zu Artmanns Lyrik ("gedichte von der wollust des dichtens in worte gefaßt", 1989) und Prosa auch unveröffentlichte Texte sowie autobiographische Notizen ("Malmö Dezember 1963"), Kalender und Zeichnungen von seiner Hand.

Besonders hervorzuheben ist die Übernahme von Artmanns gesamter Bibliothek. H. C. Artmann hat seit den 1930er Jahren eine Büchersammlung aufgebaut, die ihn durch alle seine Lebensstationen quer durch Europa begleitet hat. Diese außergewöhnliche Bibliothek dokumentiert seine vielfältigen literarischen, linguistischen und kulturhistorischen Interessen und repräsentiert die intensive Beschäftigung mit einer Vielzahl europäischer und außereuropäischer Literaturen und Sprachen.

Der Nachlass von H. C. Artmann ist eine wertvolle Ergänzung für die Wiener Stadt- und Landesbibliothek, die über zahlreiche Nachlässe aus dem literarischen Kontext der Zeit verfügt (beispielsweise von Gerhard Fritsch, Hans Weigel, Jeannie Ebner, Friedrich Torberg).

Lyrikpreis "H.C. Artmann-Preis" durch Wien gestiftet

Die Stadt Wien stellt heuer erstmals einen Preis zur Verfügung, der vom Stadtrat für Kultur künftig alle zwei Jahre für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik vergeben werden wird. Der "H.C. Artmann-Preis" ist mit 10.000 Euro dotiert und wird heuer zum ersten Mal an den in Wien lebenden Schriftsteller Peter Waterhouse vergeben. Kulturstadtrat Mailath-Pokorny folgt mit dieser Auszeichnung der Empfehlung einer durch ihn nominierten, international besetzten Jury, bestehend aus den Expert/innen Sybille Cramer, Kurt Neumann, Klaus Reichert und Peter Rosei. Rosei bezeichnete den Preis als "Erinnerungspunkt" an H.C. Artmann, der immer auch den Kontakt mit jungen Lyrikern gesucht habe. Der Preis an Peter Waterhouse wird am 18. November, um 19 Uhr im Schutzhaus auf der Schmelz verliehen, wo auch Artmann in seinen jungen Jahren gerne einkehrte.

Zur Person Peter Waterhouse

Geboren 1956 in Berlin, 1975 Übersiedlung nach Wien, Studium der Germanistik und Anglistik in Wien und Los Angeles. 1981 bis 1982 Teaching Assistant an der University Southern California, Los Angeles. 1982 Rückkehr nach Wien. 1984 Promotion mit einer Dissertation über Paul Celan, 1988 Arbeitsaufenthalt in Rom. Lebt in Wien.

Gedichte, Essays, Theaterstücke, Übersetzungen (u.a. Michael Hamburger, Biagio Marin, Andrea Zanzotto, Norman Lewis).

Auszeichnungen (Auswahl): Manuskripte - Preis (1990), Nicolas-Born-Preis (1990), Preis für europäische Poesie der Stadt Münster (1993), Christine-Lavant-Lyrik-Preis (1994), Förderungspreis des Österreichischen Bundesministerium für Unterricht und Kunst (1994), Heimito-von-Doderer-Preis (2000), Stipendium des Deutschen Literaturfonds, Darmstadt (2001), Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzungen (2002).

Veröffentlichungen (Auswahl): "Menz", Gedichte (Droschl, 1984), "Besitzlosigkeit Verzögerung Schweigen Anarchie (Droschl, 1985), "Passim", Gedichte (Rowohlt, 1986), "Sprache Tod Nacht Aussen. Gedicht - Roman", (Rowohlt, 1989), "Verloren ohne Rettung" (Residenz, 1993), "Die Geheimnislosigkeit. Ein Spazier- und Lesebuch" (Residenz 1996), "Prosperos Land", Gedichte (Jung und Jung, 2001).

Alltemeine Informationen:
o Wiener Stadt und Landesbibliothek:
http://www.stadtbibliothek.wien.at/

(Schluss) sas

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