Betriebsnachfolge im Tourismus als heißes Eisen

Schenner fordert höheren Freibetrag für Nachfolger sowie Gleichstellung von Betriebsnachfolgern und Unternehmensgründern bei Förderungen

Alpbach/Wien (PWK 592) - In den nächsten zehn Jahren steht in der Wirtschaft ein großer Generationenwechsel bevor: Mehr als 30 Prozent der heimischen Unternehmer gehören zur Generation "50 plus", womit rund 54.000 Betriebe zur Übergabe anstehen werden. Die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft ist davon überdurchschnittlich stark betroffen. Nach den Daten der Wirtschaftskammer Österreich und der Statistik Austria gibt es etwa 9.000 bis 10.000 Unternehmer im Tourismus, die über 55 Jahre alt sind und deren Betrieb bis 2007 übergeben werden dürfte.

Wichtige Voraussetzung für einen reibungslosen Wechsel ist die Übernahmetauglichkeit. Dies bedeutet, dass ein Betrieb strukturell und finanziell geeignet sein sollte, übernommen zu werden. Tatsächlich gelten im Tourismus nach einer Untersuchung des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung (1999) rund 31 Prozent der in Frage kommenden Betriebe nicht als übernahmetauglich. Angesichts der bekannt niedrigen Eigenkapitalquote und des hohen Verschuldungsgrades dürften diese Angaben durchaus realistisch sein, befürchtet der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Komm.Rat Johann Schenner.

Eine besondere Rolle spielen im Gastgewerbe allerdings die stillen Reserven. Werden diese einbezogen, so verbessert sich das Gesamtbild sowohl für die Gastronomie als auch für die Hotellerie entscheidend.

Im allgemeinen ist die Betriebsübergabe bei KMU leichter als bei Großunternehmen, da es sich um überschaubarere Einheiten handelt. Vorteile sind das Aufrechterhalten der familiären Tradition, ein leichter kalkulierbares Risiko, sowie das Vorhandensein von Infrastruktur, Kundenstock und Mitarbeiter, stellte Schenner am Wochenende im Rahmen der "Tourismustage Alpbach" in einem Expertengespräch zum Thema Betriebsübergabe fest.

Probleme bereiten die oft mangelnde Rücktrittsbereitschaft des Unternehmers, der sich in der Regel stark mit dem Unternehmen identifiziert, das Verharren in altbewährten Strukturen, der Mangel an Managementkenntnissen und ein hoher Aufwand bei der Modernisierung veralteter Infrastruktur. Tatsache ist, dass nur etwa die Hälfte der Unternehmen den Sprung von der ersten zur zweiten Generation "überlebt" und weniger als drei Prozent den Weg in die dritte Generation schaffen.

Als Lösungsansätze nennt Schenner die Heranziehung externer Berater für strategische Maßnahmen - wodurch sich die Entscheidungsspielräume erweitern -, die Einbeziehung leitender Mitarbeiter in wichtige Entscheidungsprozesse, die rechtzeitige Planung und professionelle Vorbereitung der Übergabe (Dauer 3 bis 5 Jahre!) und die Ausarbeitung eines Stufenplans für die Unternehmensnachfolge.

Als wichtigste politische Forderungen nannte Schenner im Rahmen des Expertengesprächs vor Teilnehmern aus ganz Österreich die Streichung der Erbschaftssteuer bzw. Erhöhung des Freibetrages bei Übergabe von bisher 365.000 auf eine Million Euro sowie die Gleichstellung von Betriebsnachfolgern und Unternehmensgründern bei Förderungen. (hp)

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