• 02.09.2004, 09:18:41
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Dreharbeiten zum ORF-"Tatort - Die schlafende Schöne"

Harald Krassnitzer, Suzanne von Borsody und Fritz Karl mit "Leonardo da Vinci" vor der Kamera

Wien (OTS) - Es sind noch wenige Tage bis zum Drehschluss, aber
der Enthusiasmus und die Begeisterung bei den Dreharbeiten zum neuen
ORF-"Tatort - Die schlafende Schöne" ist ungebrochen. Voraussichtlich
noch bis 7. September stehen u. a. ORF-Kommissar Harald Krassnitzer,
Suzanne von Borsody, Fritz Karl und Arno Frisch in den Hauptrollen
des neuen Austrokrimis von Dieter Berner ("Alpensaga"), der auch
Regie führt, vor der Kamera. Das schauspielerische Staraufgebot der
TV-Produktion, in der es um einen Mord im Musikermilieu geht, wird
diesmal allerdings von einer außergewöhnlichen Protagonistin
überstrahlt, der alle Mitspieler gehörigen Respekt zollen: In der
Titelrolle kommt eine echte, fast dreihundert Jahre alte
Stradivari-Geige zu Filmehren. Auf der ganzen Welt existieren nur
mehr rund 500 Exemplare der wertvollen Meisterfideln des berühmtesten
Geigenbauers aller Zeiten, nur zehn davon auf dem offiziellen Markt.

"Die schlafende Schöne" alias "Leonardo da Vinci": 3,2 Millionen
schweres Prunkstück

"Leonardo da Vinci" ist der wahre Titel des Originals, das aus dem
Nachlass der Familie da Vinci - Nachkommen des berühmten Namensgebers
- stammt. 1725 von Antonius Stradivarius in Cremona gefertigt,
befindet sich die Geige seit 2002 in Kommission bei Prof. Mag.
Dietmar Machold, einem Juristen und weltweit anerkannten Experten für
Streichinstrumente. Dank der Bemühungen des epo-film-Requisiteurs
Hubert Klausner steht das auf 3,2 Millionen Euro versicherte
Prunkstück aus edlem Ahorn- und Fichtenholz nun für die
"Tatort"-Dreharbeiten zur Verfügung. Zur Freude von Regisseur Dieter
Berner, zu dessen Credo auch höchste Authentizität zählt. "Ich glaube
an die Magie und den Zauber, der von so einem Instrument ausgeht",
erzählt Berner, der am Vortag seinen 60. Geburtstag im Kreis der
"Tatort"-Filmfamilie feierte. "Es erhöht den Wert der Geschichte und
hat eine indirekte Auswirkung darauf, wie man sich beim Dreh fühlt.
Man erfährt auch, wie man mit so einem Instrument richtig umgeht."
Außerdem sei die echte Stradivari ein Geschenk an die Zuseher: "Wir
haben keine Mühen gescheut, zu zeigen, wie eine solches Instrument
aussieht und klingt. Ich glaube, dass man im Fernsehen den
Unterschied zu einer einfachen Geige merken wird. Auch als Laie
erkennt man den besonderen Klang", erklärt Berner die Entscheidung,
ein so wertvolles Requisit überhaupt erst einzusetzen.

Die Krone der Musik

Auch für Harald Krassnitzer alias Hauptkommissar Moritz Eisner, der
klären muss, ob es sich bei dem Mord an einem jungen Rom um eine
politische Tat, um ein Verbrechen aus Eifersucht oder gar um einen
Raubmord wegen der Stradivari handelt, ist die Geige etwas ganz
Besonderes: "Ein Symbol für das Absolute, Schöne, Reine, Heilige und
Einzigartige, die Krone der Musik. Sie strahlt beim Dreh etwas ganz
Besonders aus." Auch als deklarierter Ziehharmonikaspieler - von
seiner Partnerin Ann-Kathrin Kramer bekam er im Vorjahr eine zum
Geburtstag geschenkt - weiß er die Besonderheit eines solchen
Musikinstruments zu schätzen: "Man hört am Klang, dass das etwas
Außergewöhnliches ist. Er ist kräftiger, kapriziöser und hat ein
anderes Volumen. Aber abgesehen davon, dass es sehr wenige
Stradivaris auf der Welt gibt, muss man überhaupt erst das Vermögen
dazu haben, so etwas zu bedienen. Das bedarf einer hohen Schule. Und
eine Stradivari ist nicht für jeden kompatibel."

Spitfire statt Stradivari

Für Hauptdarsteller Fritz Karl ist sie es - zumindest im Film. Karl,
der einen international anerkannten Geigenvirtuosen mimt, hatte als
Kind kurze Zeit Geige gespielt, war aber dann auf Klavier
umgestiegen. Für den musikalischen Einsatz im "Tatort" hat der
oberösterreichische Schauspieler schon während der Dreharbeiten für
sein vorangegangenes Filmprojekt - einen Historienfilm, der in Prag
gefilmt wurde - fleißig geübt. Bei besonders schwierigen Passagen
wird bei Nahaufnahmen jedoch auf ein Fingerdouble zurückgegriffen.
Als Unterstützung stand Fritz Karl sogar eine eigene Geigenlehrerin
zur Verfügung, die sich nach dem Spiel auf der Stradivari sehr
ehrfürchtig zeigt. Karl selbst hat Respekt vor dem musikalischen
Juwel, "weil ich weiß wie viel es wert ist. Aber einen persönlichen,
ideellen Bezug habe ich dazu nicht. Für mich ist mein Spitfire
(Anmerkung: ein Oldtimerwagen) so etwas wie meine persönliche
Stradivari."
Kindheitserinnerungen hingegen werden während der
"Tatort"-Dreharbeiten bei Hauptdarstellerin Suzanne von Borsody wach,
die als Musikprofessorin und Besitzerin der Stradivari vor der Kamera
steht. Borsodys Großmutter war die Wiener Konzertpianistin und
Geigerin Maria Hochreiter, die ihr schon in jungen Jahren die Liebe
zur Musik in die Wiege legte. "Bei ihr wurde immer sehr viel
Hausmusik gemacht", erzählt die Charakterdarstellerin, die selbst
jedoch Klavier lernte. Auf jeden Fall liegt ihr die Rolle der
Musikerin: "Sie ist eine ehrgeizige Person in der Hinsicht, dass sie
weiß, dass man Talent nicht brach liegen und sterben lassen darf.
Eiserne Disziplin ist das A und O eines Musikers. Auch im
Schauspielberuf gibt es ohne Fleiß keinen Preis."

"Mörderisches Griss" um die Stradivari

Angetan sind alle Darsteller auch vom Plot des neuen "Tatorts", den
Drehbuchautor und Regisseur Berner als "psychologischen Krimi, bei
dem die Spannung aus den Figuren kommt" bezeichnet. "Ein Krimi ist
nur so gut, so sehr er über den Krimi hinaus in ein Milieu entführt,
das man nicht kennt", sagt Berner. Und darum geht's in "Tatort - Die
schlafende Schöne": Das erotische Abenteuer der Musikprofessorin
Karin Landauer (Suzanne von Borsody) mit einem jungen Rom (Dennis
Cubic) endet für den Liebhaber tödlich, der erschossen wird, während
die Musikerin sich im Badezimmer aufhält. Darüber hinaus wird aus der
Wohnung die legendäre "Schlafende Schöne", eine dreihundert Jahre
alte Stradivari-Geige, entwendet. Nun lässt sich der Seitensprung vor
ihrem Ehemann Leopold Landauer (Fritz Karl), einem internationalen
Geigenvirtuosen, nicht verheimlichen. Doch diesen scheint der
Umstand, dass aus der Wohnung "Die schlafende Schöne", die seiner
Frau gehört, verschwunden ist, weit härter zu treffen als der
Ehebruch. Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) glaubt nicht
so recht an politische Hintergründe für den Mord an dem Rom, wie sie
sein Vorgesetzter Rauter (Hubsi Kramar) befürchtet, aber auch nicht
an Raubmord, und beginnt die private und berufliche Situation des
Künstlerehepaares zu durchleuchten.

Zur Seite steht Kommissar Eisner diesmal ein junger Amtskollege,
Gruppeninspektor Alexander Lohmann, dargestellt von Arno Frisch, der
unter anderem in Michael Hanekes Thriller "Funny Games" beeindruckte.
Weiters sind neben Suzanne von Borsody und Fritz Karl außerdem Maresa
Hörbiger (als Tonstudiobesitzerin), Hubsi Kramar (als Eisners
Vorgesetzter), Hilde Berger (als Sekretärin) und - als Special Guest
- Peter Turrini (am 20. September auch in Dieter Berners Verfilmung
"Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy" im ORF zu sehen) in der
Rolle eines Dirigenten dabei.

Dreharbeiten noch bis 7. September geplant, ORF-Premiere 2005

Die Dreharbeiten zu "Tatort - Die schlafende Schöne" sind noch bis 7.
September geplant. Neben Wiener Locations wie dem Musikverein, der
Universität für Musik und darstellende Kunst, dem Unfallkrankenhaus
Meidling und dem Kaiser-Franz-Josef-Spital, der Eden-Bar und dem
Südbahnhof dienten auch schon Schauplätze in der Steiermark als
Drehorte. So wurde u. a. bereits auf Schloss Kornberg in Feldbach und
bei der Riegersburg gefilmt. Im ORF wird "Tatort - Die schlafende
Schöne" - eine Produktion des ORF, hergestellt von epo-film in
Zusammenarbeit mit Cine Styria - voraussichtlich 2005 zu sehen sein.

Ein früheres Filmwerk von Autor und Regisseur Dieter Berner gibt es
bereits am Montag, dem 20. September, im ORF zu sehen: Anlässlich des
60. Geburtstags von Peter Turrini steht dessen von Berner verfilmte
Novelle "Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy" um 0.20 Uhr auf
dem Programm von ORF 2. Außerdem zeigt der ORF am Sonntag, dem 26.
September, um 9.30 Uhr in ORF 2 das Turrini-Porträt "Theaterglühen".

OTS0029    2004-09-02/09:18

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF

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