• 31.08.2004, 11:29:28
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"Weltjournal" am 1. September im ORF: Wer ist Foltersoldatin Lynndie England?

Wien (OTS) - Annette Scheiner präsentiert das ORF-Auslandsmagazin
am Mittwoch, dem 1. September 2004, um 22.30 Uhr in ORF 2 mit
folgenden Themen:

John Kerry: Held oder Angeber

Je tiefer Amerika im Irak gefangen scheint, desto mehr rückt Vietnam
ins Zentrum der amerikanischen Diskussion. Die USA kommen nicht los
von dem einzigen Krieg, den sie im 20. Jahrhundert verloren haben und
der die Nation bis heute spaltet. Mit republikanischen Angriffen auf
John Kerry, der im Kampf um das Weiße Haus ganz auf sein Image des
hoch dekorierten Kriegsveteranen setzt, ist Vietnam ins Zentrum des
Präsidentenwahlkampfs gerückt. Hat der spätere Vietnam-Gegner Kerry
tatsächlich so heldenhaft gekämpft, wie er im Wahlkampf behauptet,
oder hat er seinen Einsatz aufgebauscht? George Bush wiederum, der
sich diese Woche auf dem republikanischen Wahlparteitag in New York
feiern lässt, kommt unter Beschuss, weil er die sichere Nationalgarde
daheim dem gefährlichen Einsatz in Vietnam vorgezogen hat. Vom
Kongress der Republikaner in New York aus zeichnet Raimund Löw eine
Kontroverse nach, die dem Wahlkampf eine neue Wendung gegeben hat.

USA/Irak: Der Weg zur Folter

Vor wenigen Tagen sind zwei Untersuchungsberichte über die Folter im
irakischen Gefängnis Abu Ghraib vorgelegt worden, deren
Berichtsverfasser in beiden Fällen vom Pentagon ernannt wurden. So
verwundert es kaum, dass nicht die Rede von direkter Verantwortung
des US-Verteidigungsministers und seiner Führungscrew ist. Dennoch
wird - auch durch Details dieser Berichte - immer klarer, dass es
keineswegs nur um das Fehlverhalten einiger weniger
Militärangehöriger geht, sondern um ein von oben begünstigtes Klima
der Missachtung der Rechte von Gefangenen. War Lynndie England, jene
Soldatin, die einen Gefangenen wie einen Hund am Halsband führte,
eine Täterin oder war sie Sündenbock? Der "Weltjournal"-Bericht
beleuchtet ihr privates Umfeld und bringt Aussagen ihrer Vorgesetzten
und des Familienanwalts.

Deutschland: Die Angst vor dem Absturz

Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation frisst sich in Deutschland
die Angst vor dem sozialen Absturz bis in die Mittelschichten hinein.
Diese Angst entlädt sich seit Wochen in Protesten gegen die
Reformpolitik der Regierung Schröder. Im Brennpunkt steht dabei die
Neuordnung der Arbeitslosenhilfe. Vor allem die Menschen im Osten
Deutschlands sehen sich als Opfer der Entwicklung und haben die
Montagsdemonstrationen - vor 15 Jahren Auslöser der Wiedervereinigung
- neu belebt. Die hohe Arbeitslosigkeit und die fehlenden
Perspektiven haben zu einem neuen Aufruhr im Osten geführt. Das
Misstrauen gegenüber der Politik sitzt so tief, dass manche schon vor
einer Spaltung des Landes warnen. Das "Weltjournal"-Team hat sich in
Senftenberg umgesehen, einer kleinen Stadt im Süden von Brandenburg,
wo inzwischen jeden Montag mehr als zehn Prozent der Bevölkerung auf
der Straße stehen und protestieren.

Sudan: Österreicher helfen

Erst jetzt hat die Welt registriert, welche Tragödie sich in Darfur -
im Westen des Sudans - abspielt. Nun sind auch internationale
Hilfsaktionen für jene Hunderttausende Menschen in der Krisenregion
angelaufen, die von arabischen Reitermilizen vertrieben wurden.
Österreichische Organisationen haben sich unter dem Dach von "Nachbar
in Not" für diesen Einsatz zusammengeschlossen. "Wenn erschöpfte
Patienten geheilt sind und sich bedanken, dann sind das
Erfolgserlebnisse, die wir alle brauchen", erzählt Astrid Spann, die
für Ärzte ohne Grenzen seit einem Monat im Kriseneinsatz ist. Die
erschöpften Menschen in den Flüchtlingscamps sind auf Menschen wie
Astrid Spann angewiesen. Das "Weltjournal" hat die Steirerin einen
Tag lang bei ihrer schwierigen Arbeit in der Wüste begleitet.

Tibet: Modernisierung wider Willen

Seit fünfzig Jahren kämpfen die Tibeter und ihr Dalai-Lama gegen die
Folgen der Annektierung ihres Landes durch die Volksrepublik China.
Viele hoffen noch immer auf die Unabhängigkeit und pflegen Sprache,
Religion und Tradition auch als eine Form des Widerstands. Aber neben
der starken chinesischen Militärpräsenz und der politischen Gängelung
sämtlicher Regimegegner drohen der tibetanischen Kultur nun Feinde
ganz anderer Art: die Modernisierung und die Konsumgesellschaft. Seit
Geschäftemachen und Profit auch im "roten" China erstrebenswerte
Ziele sind, lassen sich chinesische Unternehmer und Arbeiter zu
Zehntausenden am "Dach der Welt" nieder. Höhere Löhne,
Steuererleichterungen und so gut wie keine Konkurrenz machen Tibet
zum Wirtschaftseldorado. Könnte der aufblühende Kapitalismus in Tibet
das schaffen, was politische Repression in einem halben Jahrhundert
nicht geschafft hat, nämlich den Verlust der eigenen Kultur?

OTS0084    2004-08-31/11:29

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