- 25.08.2004, 13:02:45
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Stoisits: Strassers 'kein Missstand bei Erstaufnahmen' blanker Hohn
Unabhängige UNHCR-Beobachtungen strafen Strasser Lügen
Wien (OTS) - Mit seiner Anfragebeantwortung zur Situation in den
AsylwerberInnenerstaufnahmestellen vom 22. August leugnet
Innenminister Strasser die Feststellungen des UNHCR in den
Erstaufnahmestellen. Das UNHCR hatte aufgrund seiner Beobachtungen in
den ersten Arbeitswochen der Erstaufnahmestellen für AsylwerberInnen
u.a. die mangelhafte Infrastruktur, den sicherheitspolitischen
Charakter der ersten Kontrollen der Asylsuchenden, die verspäteten
medizinischen Untersuchungen kritisiert.
Mit seiner Anfragebeantwortung versucht Strasser nun die Kritik vom
Tisch zu wischen und tut so, als gäbe es die konkreten Beobachtungen
und Anregungen des UNHCR gar nicht. Dass Asylsuchende laut UNHCR z.B.
in Traiskirchen in einigen Fällen nicht einmal bis zu ihrer zweiten
Einvernahme Kontakt mit ÄrztInnen gehabt haben, obwohl die ärztliche
Untersuchung vor der Ersteinvernahme erfolgen sollte, ignoriert er
einfach und behauptet, den gesetzlichen Bestimmungen werde 'voll und
ganz entsprochen'.
Strasser gebe selbst zu, dass die untersuchenden ÄrztInnen nur 'im
Bedarfsfall' von DolmetscherInnen unterstützt werden würden. Da es
sich um die Untersuchung von des Deutschen nicht mächtigen Menschen
gehe, sei der Bedarf in jedem einzelnen Fall gegeben. "Es ist eine
Zumutung, dass der Minister diesen Bedarf schlicht und einfach nicht
sehen will", so Stoisits.
Außerdem gibt der Innenminister zu, dass eine Untersuchung auf ein
Trauma hin nur 'im Bedarfsfall' erfolge. Der springende Punkt in der
Praxis ist aber, wer diesen 'Bedarfsfall' feststellt, damit die
betroffene Person überhaupt ein Gespräch mit einem/r auf Traumata
spezialisierten Arzt/Ärztin führen darf. "Der menschenrechtliche
Skandal ist, dass AsylreferentInnen ohne profunde Ausbildung in
Traumaerkennung und -umgang über Asylanträge entscheiden und Traumata
erkennen sollen. "Eine erst jetzt stattfindende Schulung zu Umgang
mit Trauma ist zwar besser als nichts, aber eindeutig zu spät", so
Stoisits.
Ein tragischer Fall, in dem ein traumatisierter Asylwerber ohne
Berücksichtigung seines Traumas abgelehnt wurde und fast abgeschoben
worden wäre, hat es in den letzten Wochen gegeben, erinnert Stoisits.
Rückfragehinweis:
Die Grünen, Tel.: +43-1 40110-6697, [email protected]
OTS0122 2004-08-25/13:02
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