• 19.08.2004, 20:16:32
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Für Privatisierungs-Dilettanten sollte die Zeit abgelaufen sein" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 20.08.2004

Graz (OTS) - Schadenfreude ist fehl am Platz. Doch soll mit aller
Deutlichkeit geschrieben sein: Es ist ein Segen, dass auch der x-te
Anlauf der begehrlichen Swisscom, die immer profitablere Telekom
Austria (TA) doch noch zu schlucken, endgültig ins Leere gegangen
ist.

Die geheim zwischen ehrgeizigen, offenbar auch recht weltfremden
ÖIAG-Managern detailreich ausverhandelten Absichten, die Telekom an
die staatliche Swisscom zu "privatisieren", sind der Regierung kurz
vor deren Finalisierung wohl zu heiß geworden. Gestern sind
jedenfalls die komplizierten Fusionspläne, deren Konstruktion, Sinn
und Finessen Normalbürgern wohl auf Dauer hätten rätselhaft bleiben
müssen, mit großem Getöse in sich zusammengekracht.

Obwohl sie jetzt wortreich über angeblich verjuxte Chancen einer
industriellen Lösung mit großer Finanzkraft für südosteuropäisches
Wachstum der Telekom Austria jammern: Die Strippenzieher des
geplatzten Deals in der ÖIAG und aus dem finanzministeriellen Palais
in der Wiener Himmelpfortgasse sind selbst daran schuld. Ihre
Verkaufsmethoden sind wirklich himmelschreiend.

Wochenlang haben sie versucht, der Öffentlichkeit Sand in die Augen
zu streuen, haben sie ihre Pläne höchstens zizerl- und
andeutungsweise zugegeben und damit auch die Neugier entsprechend
angeheizt. Solange, bis der abenteuerliche Deal immer weiter durch
gesickert und vor drei Tagen bekannt geworden ist.

Politisch war er jetzt nicht mehr zu retten. Gott sei Dank. Denn
damit bietet sich nochmals die Chance, über Grundsätzliches
nachzudenken. Politik und ÖIAG sollten sich klar werden, dass die
Telekom keine beliebige Pimperlfirma ist, deren Schicksal höchstens
sie selbst betrifft.

Deshalb sei´s gerufen, getrommelt und gepfiffen: Telekomfirmen
gehören weltweit zu den Schlüsselindustrien. Sie sind
Technologietreiber für alle anderen Branchen. Auch ihr Einfluss auf
die allgemeine Qualität des Wirtschaftsstandorts Österreich ist groß.
Selbst die Dynamik bundesweiter Innovations- und
Forschungsanstrengungen hängt enorm vom Zustand einer Telekom Austria
ab, die endlich als entscheidender Faktor für die Infrastruktur des
Landes begriffen werden muss.

So eine Firma, die noch dazu ihre Hausaufgaben gemacht, 5000 Leute
abgebaut, erste Dividenden bezahlt, sich weitgehend saniert hat und
Geld zu verdienen beginnt, muss österreichisch bleiben. Wie die
Swisscom schweizerisch: Dafür sorgt sogar ein Gesetz bei den
Eidgenossen. Die sind ja auch nicht blöd. ****

OTS0155    2004-08-19/20:16

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