"Kleine Zeitung" Kommentar: "Für Privatisierungs-Dilettanten sollte die Zeit abgelaufen sein" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 20.08.2004

Graz (OTS) - Schadenfreude ist fehl am Platz. Doch soll mit aller Deutlichkeit geschrieben sein: Es ist ein Segen, dass auch der x-te Anlauf der begehrlichen Swisscom, die immer profitablere Telekom Austria (TA) doch noch zu schlucken, endgültig ins Leere gegangen ist.

Die geheim zwischen ehrgeizigen, offenbar auch recht weltfremden ÖIAG-Managern detailreich ausverhandelten Absichten, die Telekom an die staatliche Swisscom zu "privatisieren", sind der Regierung kurz vor deren Finalisierung wohl zu heiß geworden. Gestern sind jedenfalls die komplizierten Fusionspläne, deren Konstruktion, Sinn und Finessen Normalbürgern wohl auf Dauer hätten rätselhaft bleiben müssen, mit großem Getöse in sich zusammengekracht.

Obwohl sie jetzt wortreich über angeblich verjuxte Chancen einer industriellen Lösung mit großer Finanzkraft für südosteuropäisches Wachstum der Telekom Austria jammern: Die Strippenzieher des geplatzten Deals in der ÖIAG und aus dem finanzministeriellen Palais in der Wiener Himmelpfortgasse sind selbst daran schuld. Ihre Verkaufsmethoden sind wirklich himmelschreiend.

Wochenlang haben sie versucht, der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen, haben sie ihre Pläne höchstens zizerl- und andeutungsweise zugegeben und damit auch die Neugier entsprechend angeheizt. Solange, bis der abenteuerliche Deal immer weiter durch gesickert und vor drei Tagen bekannt geworden ist.

Politisch war er jetzt nicht mehr zu retten. Gott sei Dank. Denn damit bietet sich nochmals die Chance, über Grundsätzliches nachzudenken. Politik und ÖIAG sollten sich klar werden, dass die Telekom keine beliebige Pimperlfirma ist, deren Schicksal höchstens sie selbst betrifft.

Deshalb sei´s gerufen, getrommelt und gepfiffen: Telekomfirmen gehören weltweit zu den Schlüsselindustrien. Sie sind Technologietreiber für alle anderen Branchen. Auch ihr Einfluss auf die allgemeine Qualität des Wirtschaftsstandorts Österreich ist groß. Selbst die Dynamik bundesweiter Innovations- und Forschungsanstrengungen hängt enorm vom Zustand einer Telekom Austria ab, die endlich als entscheidender Faktor für die Infrastruktur des Landes begriffen werden muss.

So eine Firma, die noch dazu ihre Hausaufgaben gemacht, 5000 Leute abgebaut, erste Dividenden bezahlt, sich weitgehend saniert hat und Geld zu verdienen beginnt, muss österreichisch bleiben. Wie die Swisscom schweizerisch: Dafür sorgt sogar ein Gesetz bei den Eidgenossen. Die sind ja auch nicht blöd. ****

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