betrifft: Nachhilfe zur Machbarkeit Gentech-freier Futtermittel

Offener Brief an AMA-Geschäftsführer Stefan Mikinovic

Wien (OTS) - Sehr geehrter Dr. Mikinovic,

die AMA will sich also endlich mit dem Umstieg auf Gentechnik-freie Soja im Tierfutter auseinandersetzen.

Seit vielen Jahren diskutieren wir mit Ihnen bzw. der AMA und seit vielen Jahren ist Ihnen das Problem mit der Gentechnik auch im Futtermittelbereich bekannt. Jetzt, da es seit April 2004 erstmals eine Kennzeichnung auch für Gentech-Futtermittel gibt, ist der Umstieg auf Gentechnik-freie Soja leichter denn je.

Seit vielen Jahren zeigen Umfragen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten keine Gentechnik auf dem Teller wollen. Nicht einmal indirekt, über den Umweg des Tierfutters. Eine ISMA-Umfrage im Auftrag von Greenpeace hat erst im vergangenen März bestätigt, dass 87 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher keine Lebensmittel von Tieren wollen, die mit Gentech-Soja gefüttert wurden. Über 2.000 Menschen haben Ihnen das in den letzten Wochen im Rahmen einer Greenpeace-Protestaktion auch mitgeteilt. Ihre Antwort an diese Menschen, dass Lebensmittel mit dem AMA-Gütezeichen "Gentechnik-frei" wären, ist empörend und schlichtweg falsch. Jährlich gelangen rund 90.000 Tonnen Gentech-hältige Soja bei der Herstellung von Produkten mit dem AMA-Gütesiegel zum Einsatz!

Der Leiter Ihres Qualitätsmanagements warnt, eine Änderung der AMA-Kriterien in Richtung Gentechnik-freie Fütterung dürfte nicht auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden. Eine Vorgabe, die wir vorbehaltlos unterstützen können. Doch wo ist das Problem? Gerade die Bauern lehnen den Einsatz von Gentech-Futtermitteln vehement ab. Zuletzt wurde das in einer ISMA-Umfrage im April dieses Jahres bestätigt: 97 Prozent der so genannten "Hörndl"-Bauern wollen im Tierfutter keine Gentechnik-Soja.

Bleibt noch das von Ihnen thematisierte "Problem" mit den Kosten und der Verfügbarkeit. Wie Sie selbst wissen und wie wir auch in mehreren gemeinsamen Gesprächen festgestellt haben, gibt es derzeit mindestens zwei Quellen für Gentechnik-freie Soja in Österreich: das Handelshaus Pilstl, das seit Jahren Gentechnik-freie Soja nach Österreich importiert, und Raiffeisen, deren Vorstandsvorsitzender Klaus Buchleitner (RWA) Greenpeace gegenüber im April schriftlich erklärt hat, dass Gentechnik-freie Soja in den Raiffeisen-Lagerhäusern erhältlich ist.

Und die Kosten? Die Tonne Soja kostet am Weltmarkt aktuell rund 200 Euro bei stark schwankenden Weltmarktpreisen. Der Aufpreis für die Gentechnik-Freiheit: 5 Euro. Von exorbitanten Mehrkosten kann also nicht die Rede sein und bei einer klugen Einkaufpolitik - z.B. kaufen wenn die Weltmarktpreise niedrig sind - fallen die Mehrkosten kaum ins Gewicht. Vor allem wenn man in Betracht zieht, welchen Wettbewerbsvorteil Bauern und Lebensmittelhersteller haben, die ihren Kundinnen und Kunden garantieren können, dass seine Produkte auch im Futtermittel-Bereich ohne Gentech-Soja hergestellt werden.

Ihre zögerliche Haltung in Sachen Gentech-Futtermittel ist daher mehr als unverständlich. Die Vermutung liegt nahe, dass Sie sich darauf verlassen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten ohnehin Produkte mit dem AMA-Gütesiegel kaufen, weil sie glauben, dass diese Produkte auch im Tierfutter Gentechnik-frei wenn nicht sogar "bio" sind. Eine Meinung, die sich die Menschen nicht zuletzt aufgrund der irreführenden AMA-Werbung bilden.

Wir werden die Konsumentinnen und Konsumenten jedenfalls weiterhin informieren und aufklären, dass derzeit nur bei Bio-Produkten und Produkten mit dem Gütezeichen der "ARGE Gentechnik-frei" der Einsatz von Gentechnik auch im Tierfutter ausgeschlossen ist.

"Qualität braucht keine Gentechnik", das sagt auch die Mehrheit der österreichischen Handelketten. Und Minister Pröll hat erst unlängst die "Österreichische Charta für Gentechnikfreiheit" vorgelegt.

Wir fordern Sie, Herr Dr. Mikinovic, als Geschäftsführer der AMA Marketing dringend auf dafür zu sorgen, dass das, was die Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich schon heute glaubt, rasch Realität wird: Österreichische Produkte mit dem AMA-Gütesiegel ohne Gentechnik auch im Tierfutter. Wir erneuern daher unsere Forderung, dass die AMA bis spätestens Ende des Jahres auf Gentechnik-freie Soja umgestellt hat; damit das AMA-Gütesiegel tatsächlich ein glaubwürdiges Zeichen für hochwertige österreichische Produkte ohne Gentechnik wird.

Mit freundlichen Grüssen

Mag. Susanne Fromwald
Molekularbiologin Greenpeace,
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