Ärzte warnen vor technokratischer Kälte bei Pensionsreform

Pruckner: Überdurchschnittliche Lebensarbeitszeit der Hausärzte berücksichtigen!

Wien (OTS) - Der Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Jörg Pruckner, bekräftigte Sonntag in einer Aussendung die Forderung nach "Berücksichtigung der von Ärztinnen und Ärzten in Ordination und Spital über Jahre in Nachtarbeit und unter schwersten physischen und psychischen Bedingungen erbrachten Arbeitsleistung bei der Pensionsbemessung".

Da Ärzte wegen eines langen Studiums und Wartezeiten auf praktische Ausbildungsplätze erst spät zu arbeiten beginnen, hätten sie im Pensionsalter von 65 Jahren durchschnittlich erst 36 Beitragsjahre für die staatliche Pensionsversicherung. Somit gebe es für sie aber keine Chance, die Höchstpension von 80 Prozent des durchschnittlichen Lebenseinkommens annähernd zu erreichen, wofür 45 Beitragsjahre erforderlich seien, so Pruckner. Trotzdem sei die durchschnittliche Lebensarbeitszeit der niedergelassenen und angestellten Ärzte wegen überlanger Wochen-Arbeitszeiten von zumindest 60 Stunden und laufend geleisteter Nachtdienste um 20 Prozent höher, als dies üblicher Weise in 45 Berufsjahren der Fall ist. "Gerade auf dem Land stehen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte - insbesondere die Hausärzte -rund um die Uhr zur Verfügung, haben Not- und Nachtdienste und versorgen die Bevölkerung auch am Wochenende. Es ist nicht einzusehen, dass dieser Jahrzehnte lange, überdurchschnittliche Einsatz im Interesse der Bevölkerung durch die Pensionsreform bestraft werden soll", zeigte sich Pruckner befremdet. Der Ärztevertreter betonte, dass die Forderung nichts mit der breit diskutierten Schwerarbeiterregelung zu tun habe, die einen abschlagsfreien Pensioneintritt mit 60 nach 45 Beitragsjahren zum Ziel habe. Die Ärzte wollten hingegen bis 65 arbeiten, ihre trotz geringerer Beitragszeiten erheblich höhere Lebensarbeitszeit sollte aber bei der Pension entsprechend bewertet werden, um Abschläge zu mindern. Pruckner forderte deshalb eine "gerechtfertigte und angemessene Würdigung sozialer Komponenten sowie den Einbau der Lebensarbeitszeit bei der Berechnung von Pensionsansprüchen". Der hohe Ärztepolitiker abschließend: "In vielen Fragen zeigen die Reformansätze technokratische Kälte, die berechtigte und soziale Anliegen über den Kamm von Zahlen scheren. Bei der Pensionsreform und anderen Projekten wäre die Politik gut beraten, das Notwendige mit humanitärem Augenmaß und menschlichem Problembewusstsein zu verbinden!"

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