- 15.08.2004, 10:00:00
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Ärzte warnen vor technokratischer Kälte bei Pensionsreform
Pruckner: Überdurchschnittliche Lebensarbeitszeit der Hausärzte berücksichtigen!
Wien (OTS) - Der Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte in der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Jörg Pruckner, bekräftigte
Sonntag in einer Aussendung die Forderung nach "Berücksichtigung der
von Ärztinnen und Ärzten in Ordination und Spital über Jahre in
Nachtarbeit und unter schwersten physischen und psychischen
Bedingungen erbrachten Arbeitsleistung bei der Pensionsbemessung".
Da Ärzte wegen eines langen Studiums und Wartezeiten auf praktische
Ausbildungsplätze erst spät zu arbeiten beginnen, hätten sie im
Pensionsalter von 65 Jahren durchschnittlich erst 36 Beitragsjahre
für die staatliche Pensionsversicherung. Somit gebe es für sie aber
keine Chance, die Höchstpension von 80 Prozent des durchschnittlichen
Lebenseinkommens annähernd zu erreichen, wofür 45 Beitragsjahre
erforderlich seien, so Pruckner. Trotzdem sei die durchschnittliche
Lebensarbeitszeit der niedergelassenen und angestellten Ärzte wegen
überlanger Wochen-Arbeitszeiten von zumindest 60 Stunden und laufend
geleisteter Nachtdienste um 20 Prozent höher, als dies üblicher Weise
in 45 Berufsjahren der Fall ist. "Gerade auf dem Land stehen
niedergelassene Ärztinnen und Ärzte - insbesondere die Hausärzte -
rund um die Uhr zur Verfügung, haben Not- und Nachtdienste und
versorgen die Bevölkerung auch am Wochenende. Es ist nicht
einzusehen, dass dieser Jahrzehnte lange, überdurchschnittliche
Einsatz im Interesse der Bevölkerung durch die Pensionsreform
bestraft werden soll", zeigte sich Pruckner befremdet. Der
Ärztevertreter betonte, dass die Forderung nichts mit der breit
diskutierten Schwerarbeiterregelung zu tun habe, die einen
abschlagsfreien Pensioneintritt mit 60 nach 45 Beitragsjahren zum
Ziel habe. Die Ärzte wollten hingegen bis 65 arbeiten, ihre trotz
geringerer Beitragszeiten erheblich höhere Lebensarbeitszeit sollte
aber bei der Pension entsprechend bewertet werden, um Abschläge zu
mindern. Pruckner forderte deshalb eine "gerechtfertigte und
angemessene Würdigung sozialer Komponenten sowie den Einbau der
Lebensarbeitszeit bei der Berechnung von Pensionsansprüchen". Der
hohe Ärztepolitiker abschließend: "In vielen Fragen zeigen die
Reformansätze technokratische Kälte, die berechtigte und soziale
Anliegen über den Kamm von Zahlen scheren. Bei der Pensionsreform und
anderen Projekten wäre die Politik gut beraten, das Notwendige mit
humanitärem Augenmaß und menschlichem Problembewusstsein zu
verbinden!"
OTS0006 2004-08-15/10:00
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