• 13.08.2004, 11:06:47
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Zivildienstreform: Die konkreten Kosten der Verkürzung

Verkürzung auf 10 Monate verursacht bundesweit erhebliche Mehrkosten für die Gebietskörperschaften

Wien (Rotes Kreuz) - Zur aktuellen Diskussion rund um die
Zivildienstreform lässt das Rote Kreuz mit ersten konkreten Zahlen
aufhorchen: "Zivildiener sind eine ganz wesentliche Stütze des Roten
Kreuzes und damit schlussendlich für die Menschen in diesem Land", so
Dr. Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten
Kreuzes. "Gerade der Rettungs- und Krankentransportdienst ist auf die
jungen Männer angewiesen. 25% aller unserer Einsatzstunden werden von
Zivildienern geleistet. Deren Arbeitszeit müsste bei einem Wegfall
der Zivildiener von bezahlten Angestellten übernommen werden, weil
leider auch die Gewinnung von Freiwilligen bereits an ihre Grenzen
stößt."

Die meisten der rund 3000 Zivildiener des Roten Kreuzes werden als
Rettungssanitäter eingesetzt. Die dafür gesetzlich vorgeschriebene
Ausbildung einschließlich der erforderlichen Praxis dauert etwa 10
Wochen. "Bei einer Verkürzung auf 10 Monate würde jeder Zivildiener
bereits 25% seiner Dienstzeit in der Ausbildung verbringen",
beschreibt Kopetzky das Missverhältnis zwischen Ausbildung und
effektiver Leistungszeit.

Jede Verkürzung des Zivildienstes bedeutet weiters, dass insgesamt
mehr Zivildiener benötigt werden, um das derzeitige Leistungsangebot
aufrecht zu erhalten. "Die Dienste des Roten Kreuzes für die
Gesellschaft werden 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erbracht. Wenn
ein Zivildiener nur 10 anstatt 12 Monate bleibt, dann brauchen wir
für das gleiche Leistungsniveau rund 25% - das sind bundesweit etwa
750 - Zivildiener mehr. Da derzeit schon in einigen Bundesländern
Knappheit herrscht, ist fraglich, ob es die dafür notwendige Anzahl
an Zivildienern überhaupt gibt", betont Kopetzky.

Mehr Zivildiener bedeuten auch mehr Ausbildungsplätze und
Praxisanleiter für das Rote Kreuz. Jeder Zivildiener muss nach dem
Sanitätergesetz z.B. 160 Stunden Praxis unter fachlicher Anleitung
absolvieren. Bei einer Aufstockung der Zivildienerzahl um 25% steigt
die Anzahl der erforderlichen Praxiszeit um mehr als 100.000 Stunden.

Fazit im Roten Kreuz: "Eine Verkürzung der Zivildienstdauer auf 10
Monate ist für die Organisation vorstellbar, bedeutet jedoch
Mehrkosten für Bund, Länder und Gemeinden - denen die Unterstützung
der Zivildiener ja schlussendlich zu Gute kommt. Wir haben das im
Detail durchgerechnet und kommen auf variable Mehrkosten von
bundesweit zumindest 700.000 Euro allein für die Ausbildung", erklärt
Kopetzky. In dieser Summe nicht inkludiert sind Fixkosten für
erweiterte Praktikums-Kapazitäten. Denn detaillierte Überlegungen für
eine massive Aufstockung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen sind
laut Rotem Kreuz noch nicht angestellt worden. Sollten jene
Zivildiener, die das Rote Kreuz wegen einer Verkürzung zusätzlichen
benötigen würde, durch bezahlte Angestellte ersetzt werden, kostete
das Bund, Länder und Gemeinden 23 Millionen Euro im Jahr, so der
Rotkreuz-Generalsekretär.

"Jetzt ist einmal die Politik am Zug", erklärt Kopetzky. "Das Rote
Kreuz muss und wird sich dann auf mögliche veränderte
Rahmenbedingungen einstellen. Wir sehen es jedoch als unsere
Verantwortung, rechtzeitig auf daraus resultierende Konsequenzen
hinzuweisen", so der Rotkreuz-Generalsekretär Kopetzky abschließend.

OTS0097    2004-08-13/11:06

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