Zivildienstreform: Die konkreten Kosten der Verkürzung

Verkürzung auf 10 Monate verursacht bundesweit erhebliche Mehrkosten für die Gebietskörperschaften

Wien (Rotes Kreuz) - Zur aktuellen Diskussion rund um die Zivildienstreform lässt das Rote Kreuz mit ersten konkreten Zahlen aufhorchen: "Zivildiener sind eine ganz wesentliche Stütze des Roten Kreuzes und damit schlussendlich für die Menschen in diesem Land", so Dr. Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. "Gerade der Rettungs- und Krankentransportdienst ist auf die jungen Männer angewiesen. 25% aller unserer Einsatzstunden werden von Zivildienern geleistet. Deren Arbeitszeit müsste bei einem Wegfall der Zivildiener von bezahlten Angestellten übernommen werden, weil leider auch die Gewinnung von Freiwilligen bereits an ihre Grenzen stößt."

Die meisten der rund 3000 Zivildiener des Roten Kreuzes werden als Rettungssanitäter eingesetzt. Die dafür gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung einschließlich der erforderlichen Praxis dauert etwa 10 Wochen. "Bei einer Verkürzung auf 10 Monate würde jeder Zivildiener bereits 25% seiner Dienstzeit in der Ausbildung verbringen", beschreibt Kopetzky das Missverhältnis zwischen Ausbildung und effektiver Leistungszeit.

Jede Verkürzung des Zivildienstes bedeutet weiters, dass insgesamt mehr Zivildiener benötigt werden, um das derzeitige Leistungsangebot aufrecht zu erhalten. "Die Dienste des Roten Kreuzes für die Gesellschaft werden 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erbracht. Wenn ein Zivildiener nur 10 anstatt 12 Monate bleibt, dann brauchen wir für das gleiche Leistungsniveau rund 25% - das sind bundesweit etwa 750 - Zivildiener mehr. Da derzeit schon in einigen Bundesländern Knappheit herrscht, ist fraglich, ob es die dafür notwendige Anzahl an Zivildienern überhaupt gibt", betont Kopetzky.

Mehr Zivildiener bedeuten auch mehr Ausbildungsplätze und Praxisanleiter für das Rote Kreuz. Jeder Zivildiener muss nach dem Sanitätergesetz z.B. 160 Stunden Praxis unter fachlicher Anleitung absolvieren. Bei einer Aufstockung der Zivildienerzahl um 25% steigt die Anzahl der erforderlichen Praxiszeit um mehr als 100.000 Stunden.

Fazit im Roten Kreuz: "Eine Verkürzung der Zivildienstdauer auf 10 Monate ist für die Organisation vorstellbar, bedeutet jedoch Mehrkosten für Bund, Länder und Gemeinden - denen die Unterstützung der Zivildiener ja schlussendlich zu Gute kommt. Wir haben das im Detail durchgerechnet und kommen auf variable Mehrkosten von bundesweit zumindest 700.000 Euro allein für die Ausbildung", erklärt Kopetzky. In dieser Summe nicht inkludiert sind Fixkosten für erweiterte Praktikums-Kapazitäten. Denn detaillierte Überlegungen für eine massive Aufstockung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen sind laut Rotem Kreuz noch nicht angestellt worden. Sollten jene Zivildiener, die das Rote Kreuz wegen einer Verkürzung zusätzlichen benötigen würde, durch bezahlte Angestellte ersetzt werden, kostete das Bund, Länder und Gemeinden 23 Millionen Euro im Jahr, so der Rotkreuz-Generalsekretär.

"Jetzt ist einmal die Politik am Zug", erklärt Kopetzky. "Das Rote Kreuz muss und wird sich dann auf mögliche veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Wir sehen es jedoch als unsere Verantwortung, rechtzeitig auf daraus resultierende Konsequenzen hinzuweisen", so der Rotkreuz-Generalsekretär Kopetzky abschließend.

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