"Presse"-Kommentar: Ferrero: Glück mit Fragezeichen (von Andreas Unterberger)

Audgabe vom 13. August 2004

Wien (OTS) - Niemand hatte es erwartet: Österreich hat nun zum zweiten Mal für seinen EU-Kommissar eine wichtige Funktion bekommen. Dazu ist Benita Ferrero-Waldner zu gratulieren. Die EU-Außenbeziehungen und der besondere Schwerpunkt auf der Nachbarschaft sind eine spannende Sache. Auch dem neuen Kommissionspräsidenten ist zu gratulieren: Hat sich doch der angeblich schwache Portugiese Barroso schamlosen Forderungen der Großen tapfer widersetzt.
Österreichs Opposition, die tags zuvor eine vorzeitige Bekanntgabe der Ferrero-Funktion verlangt hatte, hat ein außenpolitisches Armutszeugnis errungen. Nichts wäre peinlicher gewesen, hätten Ferrero oder der Kanzler den neuen Kommissionspräsidenten auf diese Weise desavouiert.
Andere kritische Fragen sind hingegen viel legitimer: Ist es wirklich sinnvoll, dass Ferrero noch wochenlang auch als österreichische Außenministerin amtiert? Jede Äußerung von ihr zu internationalen Fragen steht ja nun in großer Ambivalenz: Spricht da Österreich oder Europa? Und kritisch muss man auch fragen, ob Ferrero dem Amt wirklich gewachsen ist. Im neuen Job genügen nicht Fleiß, Disziplin, Charme, Sprachenkenntnis und Loyalität. Hier geht es auch um politische Kreativität und Durchsetzungskraft. Und für die ist sie nicht berühmt.
Ein Zeugnis gibt es erst am Ende. Davor wartet in Europa täglich eine Krise vom Kaliber der Sanktionen auf Ferrero, in der sie sich immer neu bewähren muss.

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001