- 12.08.2004, 17:46:30
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"Presse"-Kommentar: Ferrero: Glück mit Fragezeichen (von Andreas Unterberger)
Audgabe vom 13. August 2004
Wien (OTS) - Niemand hatte es erwartet: Österreich hat nun zum
zweiten Mal für seinen EU-Kommissar eine wichtige Funktion bekommen.
Dazu ist Benita Ferrero-Waldner zu gratulieren. Die
EU-Außenbeziehungen und der besondere Schwerpunkt auf der
Nachbarschaft sind eine spannende Sache. Auch dem neuen
Kommissionspräsidenten ist zu gratulieren: Hat sich doch der
angeblich schwache Portugiese Barroso schamlosen Forderungen der
Großen tapfer widersetzt.
Österreichs Opposition, die tags zuvor eine vorzeitige Bekanntgabe
der Ferrero-Funktion verlangt hatte, hat ein außenpolitisches
Armutszeugnis errungen. Nichts wäre peinlicher gewesen, hätten
Ferrero oder der Kanzler den neuen Kommissionspräsidenten auf diese
Weise desavouiert.
Andere kritische Fragen sind hingegen viel legitimer: Ist es
wirklich sinnvoll, dass Ferrero noch wochenlang auch als
österreichische Außenministerin amtiert? Jede Äußerung von ihr zu
internationalen Fragen steht ja nun in großer Ambivalenz: Spricht da
Österreich oder Europa? Und kritisch muss man auch fragen, ob Ferrero
dem Amt wirklich gewachsen ist. Im neuen Job genügen nicht Fleiß,
Disziplin, Charme, Sprachenkenntnis und Loyalität. Hier geht es auch
um politische Kreativität und Durchsetzungskraft. Und für die ist sie
nicht berühmt.
Ein Zeugnis gibt es erst am Ende. Davor wartet in Europa täglich
eine Krise vom Kaliber der Sanktionen auf Ferrero, in der sie sich
immer neu bewähren muss.
OTS0186 2004-08-12/17:46
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