• 06.08.2004, 17:48:02
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Jeder Erfolg gegen El Kaida ist ein Eingeständnis des Scheiterns" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 07.08.2004

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Graz (OTS) - Zahlreiche Festnahmen in Großbritannien, dubiose
Terror-Warnungen in den USA, die Erkenntnis, dass von Pakistan aus
schon seit langem Anschläge im Westen geplant wurden, grimmige
Terror-Drohungen via Internet gegen Italien: Immer massiver bestimmt
El-Kaida, das Terror-Netzwerk, den politischen Alltag in vielen
Ländern.

El Kaida steht für eine unheimliche Bedrohung, die zwar sehr konkret,
aber trotz aller Anstrengungen kaum fassbar ist. Manche Führer des
Terror-Netzwerkes kennt man recht gut. Osama Bin Laden etwa ist in
moslemischen Ländern ein Idol. Stolz tragen junge Leute T-Shirts mit
dem finsteren Antlitz des Fanatikers.

Von anderen, wie Abu Mussab Al Sarkawi hingegen, der im Irak ein
Blutbad nach dem anderen anrichtet, weiß man wenig. Nur ein Foto gibt
es von dem Mann - und das ist alt. Beide, Bin Laden und Sarkawi, sind
Köpfe der Terror-Hydra, dieses mysteriösen Feindes abendlänischer
Kultur, von dem man auch nach Jahren der Vorbeugung, der Fahndung und
nach massiven Militärinterventionen beunruhigend wenig weiß.

Das große Dilemma der El-Kaida-Jagd ist, das jeder Erfolg, jedes
Abschlagen eine Hydra-Kopfes, gleichzeitig das Eingeständnis des
Scheiterns ist. Denn je mehr Extremisten in Gefängnissen landen,
desto klarer wird, wie viele sie bereits sind und wie groß die Gefahr
ist, die von ihnen ausgeht.

In Spanien haben sie durch ihren grausigen Terror den Ausgang einer
Parlamentswahl entschieden. Und in Amerika ist El Kaida im
Präsidentschafts-Wahlkampf omnipräsent. George W. Bush spielt
geschickt auf seiner "Klaviatur des Terrors". Einmal klimpert er
zarte Töne, macht Mut, versichert, wie erfolgreich er im Kampf gegen
"das Böse" sei. Dann wieder drischt er die tiefen Tasten der
permanenten Gefahr, gegen die sich Amerika nur unter Aufbietung aller
Kräfte zu schützen vermag.

Aber selbst sein Kontrahent John Kerry musste angesichts der jüngsten
Terror-Warnungen, hinter denen Bush-Gegner Wahlkampf-Taktik vermuten,
kleinlaut zugeben, dass auch er die "Bedrohung im Zweifel nicht
verharmlosen" würde.

Egal daher, ob Bush weiter regieren, oder Kerry nächster Präsident
wird, egal, ob Bin Laden, Sarkawi oder andere Extremisten gefasst
werden, egal, ob die Terrorgefahr dramatisiert oder verharmlost wird:
El Kaida existiert, ist eine Großmacht geworden, die weltweit,
grausam und unberechenbar agiert. Der Krieg gegen sie darf nicht
verloren werden. Aber zu gewinnen ist er in absehbarer Zeit auch
nicht. ****

OTS0150    2004-08-06/17:48

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