• 06.08.2004, 17:41:11
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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Schwieriger Umgang" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 7. August 2004

Innsbruck (OTS) - Wer dieser Tage wiederholt vor Terror warnt,
sagt wahrscheinlich etwas Richtiges, macht aber, wie so oft
US-Präsident George W. Bush, dann nebenbei das Falsche. Die USA, ihre
Bürger und ihre Unternehmen sind tatsächlich im Visier des global
agierenden Terrorismus mit seinen Wurzeln in arabischen und
islamischen Ländern. Aber das zeitliche Umfeld des Wahlkampfes in den
USA und das geradezu propagandistische Getöse rund um die
Terrorwarnungen entwerten die großen Worte. Alarmismus hat wieder
Saison in den USA.
Im Rätseln über den wirklichen Sachgehalt jüngster Warnungen und über
die Steigerung von Alarmstufen nähern sich insbesonders die Fachleute
in Europa möglichen Antworten. Dazu gehören die tatsächlichen
Drohungen und Anschläge, das verständliche Bemühen politischer
Instanzen um Absicherung, allerdings auch der Wahlkampf. Und was
politische Agitation betrifft, hat Bush der Welt schon gezeigt, wozu
seine Administration fähig ist.
Jene Leute, die heute in Washington das Sagen haben, wollten schon
vor den Anschlägen des 11. September einen Feldzug gegen den Irak.
Dieselben haben nach den Anschlägen verbreitet, der Irak verfüge über
atomares Material und Waffen zur Vernichtung von Massen. Die Realität
ist eine andere. Hinweise auf ein Terrornetzwerk hat die
Administration übersehen, die Behauptungen über Kriegsvorbereitungen
des Irak konnte sie nicht belegen. So schwierig der sachgerechte
Umgang mit Hinweisen und Warnungen bezüglich des Terrors auch sein
mag, Präsident George W. Bush hat der Welt gezeigt, dass er damit
strategisch verfährt, und zwar im Sinne von Kriegsführung und
Machterhalt.
Wer solcherart den Terrorismus instrumentalisiert, begegnet ihm auch
propagandistisch, also militärisch, denn das beeindruckt massenhaft.
Die ökonomische Dimension bleibt unberührt. Terrornetze finanzieren
sich, wie die britische Ökonomin Loretta Napoleoni im ZEIT-Interview
erläuterte, über Entführungen, Drogenhandel, Schmuggel sowie Gold-
und Diamantenhandel. Diese Flüsse gelte es, trocken zu legen. Das ist
harte, unangenehme Arbeit. Aber zumindest so notwendig wie
umfangreiche Vorkehrungen zur Sicherheit. Und wichtiger als
Alarmismus.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 04 03/ DW 601

OTS0149    2004-08-06/17:41

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