- 05.08.2004, 15:28:17
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Bundeskanzler Schüssel ehrt Schauspieldirektor Jürgen Flimm
Salzburg (OTS) Bundeskanzler Wolfgang Schüssel überreichte heute
dem Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele Prof. Jürgen Flimm
das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.
"Jürgen Flimm hat es in seiner Zeit als Schauspieldirektor in
Salzburg mit Kennerschaft und Routine verstanden, die Dramaturgie
innerhalb der Festspiele weiterzuentwickeln. Er hat nicht nur die
Bühne als Welt gesehen, sondern die Welt auch als Bühne. Salzburg,
das immer Bühne und Welt zugleich ist, war sicher eine seiner
schwierigsten Inszenierungen. Er hat sie gemeistert, so wie viele
andere Meisterstücke in seinem Leben", begründete der Bundeskanzler
die Auszeichnung. "Theater ist in seiner Funktion als moralische
Instanz auch die Produktions- und Reproduktionsstätte
gesellschaftlicher Realitäten. Wir sollten uns daher nicht
verwundern, dass sich auch Regisseure der Politik annehmen", betonte
der Bundeskanzler. Flimm habe in seiner Karriere als Regisseur,
Intendant oder Schauspieldirektor stets rheinländische
Verbindlichkeit mit dem untrüglichen Gespür für sichere
Theaterwirkung verbunden, so Schüssel.
Prof. Jürgen Flimm wurde 1941 in Gießen geboren. 1968 erhielt er sein
erstes Engagement als Regie-Assistent an den Münchner Kammerspielen.
1972 wurde er Spielleiter am Nationaltheater Mannheim, 1973/74 war er
Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg. 1974 bis 1979 arbeitete
Flimm als freier Regisseur in München, Hamburg, Bochum,
Frankfurt/Main und New York. 1979 übernahm er die Intendanz des
Schauspiels Köln. Von 1985/86 bis 2000 war er Intendant des
Thalia-Theaters in Hamburg und konsolidierte in diesen 15 Jahren
nicht nur das vormals krisengeschüttelte Haus, sondern machte die
Bühne zu einer der renommiertesten im deutschsprachigen Raum. Erfolge
feierte er vor allem mit seinen Tschechow-Inszenierungen von
"Platonow" (1989) und "Onkel Wanja" (1995). Das meist gespielte Stück
der vergangenen 15 Jahre war Robert Wilsons "Black Rider" (1990) mit
etwa 180 Aufführungen. Bei den Salzburger Festspielen hatte Flimm
großen Erfolg mit seinem Blick von außen auf die österreichische
Dramatik: Er brachte Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär"
(1987, 1988), Johann Nestroys "Das Mädl aus der Vorstadt" (1989,1990)
sowie Hugo von Hofmannsthals "Der Schwierige" (1991) auf die Bühne.
Seine Inszenierung von Claudio Monteverdis "L'Incoronazione di
Poppea" mit Nikolaus Harnoncourt als musikalischem Leiter wurde 1993
zu einer viel beachteten Opernproduktion im Großen Festspielhaus.
OTS0157 2004-08-05/15:28
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