"Die Presse" Glosse: "John John und die Hoffnung" (von Anneliese Rohrer)

Ausgabe vom 30.7.2004

Wien (OTS) - Mit allen Mitteln, sogar jenen der Vergangenheit und auch ganz untauglichen, versuchten die US-Demokraten in Boston, sich als Partei der Zukunft zu präsentieren.
Noch haben sie sich nicht dazu verstiegen, die Vornamen ihres Spitzenteams John (Kerry) und John (Edwards) wie "John John" klingen zu lassen und damit Erinnerungen an den Kosenamen von JFKs Sohn zu wecken. Vorläufig müssen die Initialen JFK(erry) für den positiven Rückbezug auf den Hoffnungsträger der 60er Jahre reichen. Das Schlagwort "Hoffnung" wiederum soll das positive Gefühl der Demokraten unter Bill Clinton aus der Stadt Hope reanimieren. Schließlich hatte auch Clinton das Wortspiel für seine Kampagne benutzt. Und dann noch die Vietnam-Veteranen, mit denen sich Kandidat John Kerry bei seinem großen Auftritt umgab: Es ist genügend Zeit seit dem unpopulären Krieg vergangen, um wieder von "Helden" zu sprechen.
Leider hat Kerry aber den Zukunftsaspekt übertrieben, sich bei seinem Besuch in Cape Canaveral in Florida in einen engen Raumfahrtanzug zwängen und dabei auch noch fotografieren lassen. Man kann die Witze jetzt schon formulieren: "Abgehoben" oder "auf den Mond schießen lassen".
Der Vorfall zeigt: Eine noch so perfekte Parteitagsinszenierung kann durch einen kleinen Fehler konterkariert werden.
Beruhigend irgendwie. Kerry aber wird sich doppelt anstrengen müssen, will er die Hoffnungen seiner Anhänger erfüllen.

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