PARAGLEITEN BLEIBT GEFÄHRLICH

Paragleiten zählt zu den Risikosportarten. Im vergangenen Jahr starben zehn Paragleiter. Jährlich fordert das Gleitfliegen 900 Verletzte.

Wien (OTS) - Paragleiten bedeutet fliegen ohne lange Vorbereitung oder komplizierte Technik. Angaben des Österreichischen Aero-Clubs zufolge gibt es derzeit rund 8600 Paragleiter in Österreich. Das Unfallrisiko beim Gleitfliegen ist außerordentlich hoch. Analysen der Unfallhergänge zeigen, dass die meisten Unfälle auf Fehler der Piloten zurückzuführen sind.

Jährlich verunfallt jeder zehnte Paragleiter
In den vergangenen drei Jahren mussten jährlich durchschnittlich 900 Paragleiter nach Unfällen im Spital behandelt werden. Somit verunfallen jährlich rund zehn Prozent aller aktiven Paragleiter. 80 Prozent zogen sich Knochenbrüche zu; jeder zweite (47 Prozent) verletzte sich an der Wirbelsäule. Das geht aus der Freizeitunfallstatistik des Instituts "Sicher Leben" hervor.

Jeweils rund ein Drittel der Unfälle ereignet sich beim Start, in der Landephase und während des Fluges. 78 Prozent der Unfälle sind auf Thermik-Probleme, Windböen und Turbulenzen zurückzuführen. Diese Daten wurden aufgrund einer Analyse der an Austro Control gemeldeten Unfallhergänge gewonnen.

Es sind immer schwere und schwerste Verletzungen, die in Spitälern behandelt werden müssen. Abstürze aus relativ großer Höhe (fünf bis 15 Meter) ziehen oft schwere Rücken- und Beckenverletzungen nach sich. Verletzungen an den unteren Extremitäten sind die Folge von Start- oder Landeunfällen - z. B. Brüche der Sprunggelenke.

Pilotenfehler sind Hauptursache von Unfällen
Häufig kommt es zu Start- und Landefehlern. Unfälle beim Starten passieren beispielsweise durch seitliche Einklapper oder durch Stolpern; Stürze am oder knapp über dem Boden sind die Folge. Beim Landen kommt es beim hohen oder niedrigen Anfliegen, bei falschen Richtungskorrekturen oder bei Landungen mit Rückenwind zu Unfällen.

Die häufigste Unfallursache ist der so genannte "Einklapper". Beim "Einklapper" wird das Segel seitlich oder frontal zusammengeklappt. Wenn der Pilot nun zu wenig oder zu stark gegenbremst, kommt es zum Strömungsabriss am Segel und der Schirm verliert seine Tragfähigkeit und klappt ein.

Vor allem "Wenigflieger" sind aufgrund der fehlenden Erfahrung oft nicht in der Lage, das Wetter (Windschatten mit Turbulenzen und Abwinden), das Fluggebiet oder die Start- und Landephase richtig einzuschätzen und bei Komplikationen angemessen darauf zu reagieren.

"Sicher Leben": Paragleiter müssen Ausbildung gewissenhaft absolvieren
"Paragleiten ist eine Risikosportart. Paragleiter müssen im ureigensten Interesse entsprechende Ausbildungen gewissenhaft absolvieren. Es genügt nicht, sich nur das Minimum an Wissen anzueignen. Nur wer den Sport wirklich beherrscht, kann die Gefahren besser abschätzen", so Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben".

Die Grundausbildung für Paragleiter umfasst Theorie (Paragleiterkunde, Aerodynamik, Flugwetterkunde etc.) und Praxis. Jeder Kurstyp (Grundschein usw.) hat einen individuellen Lehrplan. "Eine Kooperation zwischen Österreich und Deutschland stellt seit 1996 den europaweit höchsten Ausbildungsstandard für Flugschüler und Fluglehrer sicher. Die erworbene Schulbestätigung nach einem erfolgreich absolvierten Grundkurs ist jeweils drei Jahre gültig: In dieser Zeit muss ein Sonderpilotenschein erworben werden, der ebenfalls alle drei Jahre erneuert werden muss", erklärt Kisser.

"Sicher Leben": Komplette Ausrüstung tragen und erprobtes Gelände wählen
Selbstdisziplin und das Einhalten von Sicherheitsvorschriften stehen an erster Stelle aller Maßnahmen. Für einen Paragleiter besteht Helm-und Protektorpflicht für Gurtzeug. Außerdem ist die Überprüfung der Ausrüstung (Gütesiegel) alle zwei Jahre durch zugelassene Stellen vorgeschrieben.

Weiteres wird jedem Paragleiter empfohlen, sich mit einem auf die eigenen Bedürfnissen abgestimmten Gurtzeug und einem Schirm mit passender Eignung (lt. Eignungsstufen) auszustatten. Zur Ausrüstung gehören zudem Handschuhe, knöchelhohe Gleitschirmschuhe mit seitlichem Schutz gegen Umknicken sowie ein Funkgerät.

Kisser: "Angesichts der hohen Zahl an Wirbelsäulenverletzten müssen verantwortungsbewusste Paragleiter, sogenannte Airbags verwenden, um den Aufprall und damit die Schwere der Verletzung am Rücken oder Becken zu mindern. Außerdem empfehle ich jedem Paragleiter, nur erprobtes Gelände für Flüge zu wählen, sich immer an den Wettervorhersagen zu orientieren und bei ungünstiger Wetterlage notfalls lieber einmal auf einen Flug zu verzichten."

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Institut Sicher Leben
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