Porträt Lisa Fischer: (Wieder)Entdeckerin der Riviera Kritzendorf

Wien Museum zeigt noch bis 26.9. Geschichte des legendären Strombades an der Donau

Wien (OTS) - Als sie im Jahr 2000 mit Repräsentanten von Kritzendorf zusammen saß, um über das 2003 anstehende 100jährige Jubiläum des Strandbades zu reden, stieß sie noch auf "verhaltenes Interesse". Drei Jahre später erhielt sie mit ihrem Buch "Die Riviera an der Donau. 100 Jahre Strombad Kritzendorf" (Böhlau Verlag) u.a. den Kulturpreis der Stadt Klosterneuburg. Dazwischen lag nicht nur viel Arbeit, sondern auch wissenschaftliche Sensationen, wie etwa die 500 Arisierungsakten, die Lisa Fischer entdeckte, aufarbeitete und damit die Geschichte dieses in der Zwischenkriegszeit mondänen Bades der Wiener Gesellschaft neu schrieb. Porträt über eine Historikerin mit "Eingabe".

Ja, für die 1959 in Wien geborene und in Klosterneuburg aufgewachsene Historikerin und Soziologin gibt es diese besonderen Orte, die zu sprechen beginnen, wenn man die "Eingabe" hat. Da war etwa ihre neue Wiener Wohnung, in der sie am Buch über die sommerliche Enklave in der Au, nur 15 Kilometer von der Großstadt entfernt, schrieb: Später stellte sich heraus, dass dort früher der Hobby-Maler und gleichzeitige Leiter der stenographischen Protokolle des Parlaments, Dr. Josef Meier, lebte, der über viele Jahre hinweg Aquarelle von Kritzendorf und seinem zauberhaften Bad gemalt hatte.

Couragierter Bäderverwalter leitete "Rückarisierung" ein

Ihr Fazit, nicht nur nach dem vorläufigen Ende mit der Beschäftigung mit Kritzendorf: "Sobald man in der Geschichte ist, bewegt sie sich weiter. Es entstehen neue Verbindungen und Kontakte mit der Vergangenheit, die man nicht vermutet hätte." Wie etwa jener Kontakt mit dem Enkel des mutigen Badeverwalters und bekennenden Sozialdemokraten Hans Reif, der 1945 in einem, in Österreich wohl einzigartigen Akt von Zivilcourage, die 1938 arisierten Badehäuser rückgängig machte und den Opfern des NS-Regimes überantwortete. Selbst der Enkel, den Fischer erst nach der Fertigstellung ihres Buches kennen lernte, wusste nichts von der Großtat des Großvaters, der 1948 verstarb. Wie skurril Geschichte sei kann, illustriert Fischer auch am Beispiel der eigentlichen Arisierung im Mai 1938, die der Kritzendorfer Ortsvorsteher der NSDAP, selbst Jude, womöglich getrieben vom Zorn auf seinen Vater, vollzog.

Vielfältiges Engagement auch neben der Forschung

Fischer, die 1983 mit einer Biographe über Nina Loos dissertierte, arbeitet nicht erst seit heute als freiberufliche Wissenschaftlerin und Journalistin in Wien und anderswo. Seit etwa 20 Jahren gehören Vortragsreisen in viele Teile der Welt ebenso zu ihrem Berufsalltag, wie regelmäßige Artikel für das heimische Feuilleton diverser Zeitungen. Eine langjährige Tätigkeit in der Erwachsenenbildung gehört ebenfalls zur Arbeitsbiografie der Wissenschaftlerin. Dazu kommen noch zig Ausstellungen und vor allem "neue spannende" Forschungsvorhaben. Demnächst reist sie für einige Zeit nach Rumänien, um das Brukenthal-Museum in Siebenbürgen zu erforschen. Samuel von Brukenthal gilt als bedeutender Aufklärer des 18. Jahrhunderts zur Zeit Maria Theresias, der 1803 verstarb.

Der "Sprung" ins 18. Jahrhundert ist auch für Fischer eine Premiere: Bisher galt ihr Forschungsinteresse schwerpunktmäßig vor allem Frauen-Biografien zu Beginn der Wiener Moderne. Bücher über Kaiserin Elisabeth ("Schattenwürfe in die Zukunft"), über Nina Loos oder etwa, gemeinsam mit Judith Eiblmayr, über die Innenarchitektin Anna-Lülja Praun ("Möbel in Balance") haben ihre Spuren hinterlassen.

Zurück in die Au, nach Kritzendorf: Natürlich, dem besonderen Zauber dieser Stromlandschaft mitsamt der außergewöhnlichen Architektur aus der Zwischenkriegszeit - Heinz Rollig hat hier 1928 durch einen Badausbau bis heute das besondere Ambiente dieses Bades definiert - ist auch sie verfallen. Auch wenn heute das Bad längst nicht mehr 15.000 Besucher an einem heißen Wochenende zählt: Lisa Fischer, die im Ort Kritzendorf ihr "grünes Domizil" hat, lässt sich noch immer von dem magischen Moment dieses Ortes, der Heimito von Doderer, Friedrich Torberg und Hilde Spiel ebenso gesehen hat, wie Erich Boltenstern, Hugo Breitner und den Bankier Carl Schellhammer, gerne selbst verzaubern. Nicht überraschend, dass sie sich auch gegen den eventuellen Donaubrückenbau bei Kritzendorf ausspricht. "Diese Stille an der Donau, die muss man selbst einmal erlebt haben", meint sie.

o Lisa Fischer, Die Riviera an der Donau" (Böhlau Verlag 2003, 159 Seiten, EUR 19.90) o Riviera an der Donau - Sommerfrische Kritzendorf (22.7. bis 26.9.)

o Ort: Wien Museum, Karlsplatz Öffnungszeiten: Die. bis So.+Feiertag: 9.00 bis 18.00 Uhr Besucherinformation: Tel.: 505 87 47-0 http://www.wienmuseum.at/ http://www.boehlau.at/

rk-Fotoservice: http://www.wien.at/ma53/rkfoto/

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