• 29.07.2004, 09:51:47
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Porträt Lisa Fischer: (Wieder)Entdeckerin der Riviera Kritzendorf

Wien Museum zeigt noch bis 26.9. Geschichte des legendären Strombades an der Donau

Wien (OTS) - Als sie im Jahr 2000 mit Repräsentanten von
Kritzendorf zusammen saß, um über das 2003 anstehende 100jährige
Jubiläum des Strandbades zu reden, stieß sie noch auf "verhaltenes
Interesse". Drei Jahre später erhielt sie mit ihrem Buch "Die Riviera
an der Donau. 100 Jahre Strombad Kritzendorf" (Böhlau Verlag) u.a.
den Kulturpreis der Stadt Klosterneuburg. Dazwischen lag nicht nur
viel Arbeit, sondern auch wissenschaftliche Sensationen, wie etwa die
500 Arisierungsakten, die Lisa Fischer entdeckte, aufarbeitete und
damit die Geschichte dieses in der Zwischenkriegszeit mondänen Bades
der Wiener Gesellschaft neu schrieb. Porträt über eine Historikerin
mit "Eingabe".

Ja, für die 1959 in Wien geborene und in Klosterneuburg
aufgewachsene Historikerin und Soziologin gibt es diese besonderen
Orte, die zu sprechen beginnen, wenn man die "Eingabe" hat. Da war
etwa ihre neue Wiener Wohnung, in der sie am Buch über die
sommerliche Enklave in der Au, nur 15 Kilometer von der Großstadt
entfernt, schrieb: Später stellte sich heraus, dass dort früher der
Hobby-Maler und gleichzeitige Leiter der stenographischen Protokolle
des Parlaments, Dr. Josef Meier, lebte, der über viele Jahre hinweg
Aquarelle von Kritzendorf und seinem zauberhaften Bad gemalt hatte.

Couragierter Bäderverwalter leitete "Rückarisierung" ein

Ihr Fazit, nicht nur nach dem vorläufigen Ende mit der
Beschäftigung mit Kritzendorf: "Sobald man in der Geschichte ist,
bewegt sie sich weiter. Es entstehen neue Verbindungen und Kontakte
mit der Vergangenheit, die man nicht vermutet hätte." Wie etwa jener
Kontakt mit dem Enkel des mutigen Badeverwalters und bekennenden
Sozialdemokraten Hans Reif, der 1945 in einem, in Österreich wohl
einzigartigen Akt von Zivilcourage, die 1938 arisierten Badehäuser
rückgängig machte und den Opfern des NS-Regimes überantwortete.
Selbst der Enkel, den Fischer erst nach der Fertigstellung ihres
Buches kennen lernte, wusste nichts von der Großtat des Großvaters,
der 1948 verstarb. Wie skurril Geschichte sei kann, illustriert
Fischer auch am Beispiel der eigentlichen Arisierung im Mai 1938, die
der Kritzendorfer Ortsvorsteher der NSDAP, selbst Jude, womöglich
getrieben vom Zorn auf seinen Vater, vollzog.

Vielfältiges Engagement auch neben der Forschung

Fischer, die 1983 mit einer Biographe über Nina Loos
dissertierte, arbeitet nicht erst seit heute als freiberufliche
Wissenschaftlerin und Journalistin in Wien und anderswo. Seit etwa 20
Jahren gehören Vortragsreisen in viele Teile der Welt ebenso zu ihrem
Berufsalltag, wie regelmäßige Artikel für das heimische Feuilleton
diverser Zeitungen. Eine langjährige Tätigkeit in der
Erwachsenenbildung gehört ebenfalls zur Arbeitsbiografie der
Wissenschaftlerin. Dazu kommen noch zig Ausstellungen und vor allem
"neue spannende" Forschungsvorhaben. Demnächst reist sie für einige
Zeit nach Rumänien, um das Brukenthal-Museum in Siebenbürgen zu
erforschen. Samuel von Brukenthal gilt als bedeutender Aufklärer des
18. Jahrhunderts zur Zeit Maria Theresias, der 1803 verstarb.

Der "Sprung" ins 18. Jahrhundert ist auch für Fischer eine
Premiere: Bisher galt ihr Forschungsinteresse schwerpunktmäßig vor
allem Frauen-Biografien zu Beginn der Wiener Moderne. Bücher über
Kaiserin Elisabeth ("Schattenwürfe in die Zukunft"), über Nina Loos
oder etwa, gemeinsam mit Judith Eiblmayr, über die Innenarchitektin
Anna-Lülja Praun ("Möbel in Balance") haben ihre Spuren hinterlassen.

Zurück in die Au, nach Kritzendorf: Natürlich, dem besonderen
Zauber dieser Stromlandschaft mitsamt der außergewöhnlichen
Architektur aus der Zwischenkriegszeit - Heinz Rollig hat hier 1928
durch einen Badausbau bis heute das besondere Ambiente dieses Bades
definiert - ist auch sie verfallen. Auch wenn heute das Bad längst
nicht mehr 15.000 Besucher an einem heißen Wochenende zählt: Lisa
Fischer, die im Ort Kritzendorf ihr "grünes Domizil" hat, lässt sich
noch immer von dem magischen Moment dieses Ortes, der Heimito von
Doderer, Friedrich Torberg und Hilde Spiel ebenso gesehen hat, wie
Erich Boltenstern, Hugo Breitner und den Bankier Carl Schellhammer,
gerne selbst verzaubern. Nicht überraschend, dass sie sich auch gegen
den eventuellen Donaubrückenbau bei Kritzendorf ausspricht. "Diese
Stille an der Donau, die muss man selbst einmal erlebt haben", meint
sie.

o Lisa Fischer, Die Riviera an der Donau" (Böhlau Verlag 2003,
  159 Seiten, EUR 19.90)
o Riviera an der Donau - Sommerfrische Kritzendorf
  (22.7. bis 26.9.)
o Ort: Wien Museum, Karlsplatz
  Öffnungszeiten: Die. bis So.+Feiertag: 9.00 bis 18.00 Uhr
  Besucherinformation: Tel.: 505 87 47-0
  http://www.wienmuseum.at/
  http://www.boehlau.at/

rk-Fotoservice: http://www.wien.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) hch

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Hans-Christian Heintschel
Tel.: 4000/81 082
mailto:[email protected]
Dr. Lisa Fischer
mailto:[email protected]

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