• 26.07.2004, 17:34:13
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Den zwei Wahl-Spektakeln folgt die 'Oktober-Überraschung'" (Von Peter Schroeder)

Ausgabe vom 27.07.2004

Graz (OTS) - Fast 4000 Delegierte sitzen seit gestern in Boston
beim Nominierungs-Konvent der Demokratischen Parteisich in Boston und
veranstalten vier Tage lang ein von allen großen TV-Sendern
übertragenes Riesenspektakel. In albernen Verkleidungen werden die
Parteitagsteilnehmer mit Rockmusik zugedröhnt, mit Zirkusnummern
unterhalten, und mit patriotischen Reden zu Begeisterungsstürmen
getrieben.

Am Schluss dürfen sie dann John Kerry zum Präsidentschaftskandidaten
und den von Kerry ausgesuchten Senator John Edwards zum
Vizekandidaten wählen. Wobei "wählen" etwas übertrieben ist, weil die
Delegierten nach dem Ergebnis der Vorwahlen abstimmen müssen. Bei
denen hat bekanntlich Kerry gesiegt.

Jeder weiß, dass diese Schaunummer nur ein endlos langer Werbefilm
ist. Aber was soll's? Tradition ist Tradition. Und zwar eine mit
ungeheurer Wirkung. Die via TV zugedröhnten US- Wähler finden das
ganz toll und sagen sich: Den Kerry mögen wir - und am 2. November
werden wir ihn zum Präsidenten wählen.

So war es auch 1988 beim demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Michael Dukakis. Der lag vor dem Parteitag in der Wählergunst ein
paar Prozentpunkte hinter dem Republikaner George Bush Senior. Direkt
nach dem Parteitag erschien Dukakis mit 17 Prozent Vorsprung als
sicherer Sieger. Ein paar Monate später gewann Bush die Wahl
haushoch.

Der mit einiger Sicherheit auch John Kerry drohende Fall aus der
Popularitätshöhe wird vor allem daran liegen, dass auch die
Republikaner ihren Parteitagszirkus veranstalten. George Bush und
seine Vize Richard Cheney lassen sich im August in New York feiern
und "wählen". Diese Show wird dann Kerrys Gunstvorsprung gewaltig
dahinschmelzen lassen. Die Frage ist nur, wie stark.

Schon jetzt fürchtet Kerry die "Oktober-Überraschung". Diese ist eine
traditionelle Spezialität der jeweiligen Regierung zur Hebung der
Chancen des eigenen Kandidaten: In den letzten Wochen vor der Wahl
gibt es nämlich fast immer "Überraschungen" in Form von grandiosen
Ankündigungen oder plötzlich aufgetauchten Bedrohungen, deren
Bekämpfung nicht durch einen Machtwechsel gestört werden dürfe.

Zur Zeit hält es das Kerry-Lager für möglich, dass die Bush-Regierung
gerade noch rechtzeitig des Ober-Terroristen Osama bin Laden habhaft
wird oder der US-Geheimdienst ein neues Land mit großen Vorräten an
Massenvernichtungswaffen entdeckt.

So oder so wird die nächste Zeit spannend. Mit viel Auf und Ab für
Kerry und Bush. ****

OTS0119    2004-07-26/17:34

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