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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Freispruch zweiter Klasse für deutsche Top-Manager" (Von Birgit Baumann)
Ausgabe vom 23.07.2004
Graz (OTS) - Josef Ackermann hat bekommen, was er wollte: Das
Düsseldorfer Landgericht sprach den Schweizer Top-Banker und andere
deutsche Spitzenmanager in der Mannesmann-Affäre frei. Ihnen allen
konnte keine Untreue nachgewiesen werden.
Ackermann zeigte sich nach der Urteilsbegründung erleichtert, doch es
bleibt ein schaler Nachgeschmack. Für einen Freispruch erster Klasse
gab es bei der Urteilsverkündung einfach zu viel zu beanstanden. Wenn
eine Richterin erklärt, den Chef der größten deutschen Bank habe nur
die Unkenntnis über die Rechtswidrigkeit einer Prämie vor der
Verurteilung bewahrt, heißt das nichts anders als: Er wusste nicht,
was er tat.
Auch dass gegen das Aktienrecht verstoßen wurde, ist für den
bestbezahlten Banker Deutschlands alles andere als ein Image-Gewinn.
Die Debatte um Abfertigungen, Prämien und Gehälter von
Spitzenmanagern ist mit dem gestrigen Urteilsspruch ohnehin noch
nicht zu Ende. Das Gericht hat strafrechtlich geurteilt, nicht aber
die (Selbstbedienungs-)Moral in deutschen Chef-Etagen bewertet.
Immer mehr Menschen in Deutschland stellen die Managergehälter in
Frage. Zwar liegen die Chefs deutscher Spitzenkonzerne international
gesehen im Mittelfeld - wobei pikanterweise der Schweizer Ackermann
das meiste Geld einstreift und mit 7,7 Millionen Euro jährlich zehn
Mal so viel verdient wie der österreichische Lufthansa-Chef Wolfgang
Mayrhuber. Doch in einer Zeit, in der Langzeitarbeitslose beinahe
schon jeden Euro Besitz rechtfertigen müssen, tröstet diese deutsche
"Bescheidenheit" wenig.
Der Fall Mannesmann und nun der Prozess haben die Menschen in
Deutschland noch mehr sensibilisiert. Dass der Unmut im Volk wächst,
zeigt das Beispiel DaimlerChrysler: Auch Vorstandschef Jürgen
Schrempp hat sich bereit erklärt zum Sparprogramm beizutragen.
Das allein wird das Mercedes-Werk in Sindelfingen nicht retten, aber
es ist jenes Zeichen, das Konzernchefs in Zukunft wahrscheinlich
öfter setzen werden müssen.
Die von vielen nun geforderten Obergrenzen für Managergehälter werden
nicht kommen und das ist auch gut so. In einer Marktwirtschaft muss
sich die Gehaltsfrage von selbst regeln, dazu braucht es den Staat
nicht.
Allerdings sollten sich Manager selber um mehr Akzeptanz bemühen:
Transparenz und Selbstdisziplin in konjunkturell schwierigen Zeiten
wären die ersten Schritte.
OTS0216 2004-07-22/18:58
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