• 21.07.2004, 17:03:46
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"Wie Firmenboss Krenn bankrott ging "

von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Wäre die Diözese St. Pölten an der Wiener Börse
gelistet, die Analysten würden die Aktie auf "Verkaufen" einstufen.
Image kaputt, Glaubwürdigkeit des Führungspersonals im Eimer,
Nachwuchs falsch rekrutiert, und nicht einmal das Budget stimmt
(siehe Seite 11). Die Diözese, die Bischof Kurt Krenn wie ein
Privatunternehmen geführt hat, ist ein Sanierungsfall. Dieses Wort
hat sogar Kardinal Schönborn, der nicht für undiplomatische
Ausdrucksweise bekannt ist, in den Mund genommen. Wie meistens in
Sanierungsfällen, bei denen im wirklichen Wirtschaftsleben Erhard
Grossnigg und in dem speziellen kirchlichen Fall Bischof Klaus Küng
am Ort der Trümmer erscheint, kommt der überwiegende Teil der
Belegschaft die zur Firma immer loyal gewesenen Katholiken völlig
unschuldig zum Handkuss. Sie hat niemand gefragt. Natürlich ist die
katholische Kirche selbst in ihrer irdischen Erscheinung nicht mit
einem Wirtschaftsbetrieb zu vergleichen. Frappant ist doch, dass
alles, was in der Causa Krenn schief lief, als Negativbeispiel in ein
betriebswirtschaftliches Lehrbuch passt: Die Ernennung Kurt Krenns
zum Wiener Weihbischof 1987 und zum Bischof von St. Pölten 1991
erfolgte gegen den heftigen Widerstand vieler Katholiken, also der
Basis. Die Konzernchefs im Vatikan setzten ihn ein, ohne die
marktpolitische Akzeptanz des Produktes zu beachten. Vielleicht
glaubten sie, damit einen erwünschten Firmenkurs abzusichern. Doch
Krenn als Chef der Tochterfirma St. Pölten betrachtete das
ursprüngliche Vertrauen des Vatikan als Freibrief für einen in jeder
Weise eigenwilligen Kurs. Er kapselte sich vom nationalen
Aufsichtsrat, also der Bischofskonferenz, ab und begab sich betriebs-
und medienpolitisch auf einen polarisierenden Sonderkurs. Binnen 13
Jahren war alles perdü. Kein Synergieeffekt weit und breit. Die
miserable Personalpolitik des Firmenchefs Krenn schuf Inkompetenz und
gipfelte in skandalösen Peinlichkeiten im firmeneigenen
Ausbildungsheim, genannt Priesterseminar. Vielleicht hätte
Krisenmanagement gerade noch helfen können, aber der Boss vertuschte,
bagatellisierte und gab den Medien jeden Raum für Gerüchte,
Spekulationen, Sensationen. Dem Aufsichtsrat richtete er über die
Medien aus, dass ihn das alles "einen Dreck angeht". Jetzt ist es
aus, der oberste Konzernchef im Vatikan sprach ein Machtwort. Der
Betriebssanierer überrnimmt die Pleitefirma.

OTS0159    2004-07-21/17:03

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