Huber: Wir möchten die Sensibilität in der Bevölkerung für bioethische Fragen wecken

Bioethikkommission stellt Bericht über Präimplantationsdiagnosik vor

Wien (OTS) - Der Vorsitzende der im Bundeskanzleramt eingerichteten Bioethikkommission, Univ.Prof. DDr. Johannes Huber, stellte heute gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden UnivProf. Dr. Günther Pöltner den Bericht der Bioethikkommission zur Präimplantationsdiagnostik (PID) vor.

Übereinstimmende Auffassung aller Kommissionsmitglieder war, dass eine uneingeschränkte Zulassung der PID keinesfalls befürwortet werden soll. Aber auch ein Totalverbot der PID sei nach Ansicht der Kommission weder ethisch noch rechtlich gerechtfertigt.

In ihren darüber hinaus gehenden Empfehlungen und Begründungen war die Bioethikkommission nur teilweise einstimmig. Sie legte zwei Standpunktsdarlegungen und Empfehlungen vor: 12 der 19 Mitglieder der Kommission sprachen sich für eine beschränkte Zulassung der PID aus, während 7 Mitglieder für eine Beibehaltung der bestehenden Gesetzeslage eintraten. Aber selbst in diesen unterschiedlichen Stellungnahmen gibt es Übereinstimmung in zwei Punkten:

Von allen Mitgliedern der Bioethikkommission wird die PID zum Zweck einer positiven Selektion von gewünschten Merkmalen entschieden abgelehnt.

Alle Mitglieder, auch jene, die sich für eine Beibehaltung der bestehenden Gesetzeslage eintreten, erachten die PID dann für ethisch akzeptabel, wenn Embryonen nicht oder nur begrenzt lebensfähig sind. Kommissionsvorsitzender Huber: "Schon das geltende Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt nach einer Auslegung eine Untersuchung und Behandlung so genannter entwicklungsfähiger Zellen, wenn dies zur Herbeiführung einer Schwangerschaft erforderlich ist. Demnach wäre die PID schon jetzt zulässig und rechtlich akzeptabel, wenn Embryonen auf Grund von Chromosomenanomalien oder genetischen Störungen nicht oder nur begrenzt lebensfähig sind; das bedeutet, wenn es entweder nicht zur Einnistung in die Gebärmutter oder nicht zur Geburt bzw. in kurzer Zeit nach der Geburt zum Tod kommt." Dabei handelt es sich beispielsweise um schwerste Stoffwechselstörungen im zentralen Nervensystem oder Trisomien der ersten 10 Chromosomen. Univ. Prof. Dr. Pöltner wies in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf den Unterschied zwischen "lebensfähig und lebenswert" hin. Pöltner:
"Man muss unterscheiden zwischen Lebensfähigkeit bzw. Lebensunfähigkeit und lebensunwert und lebensunwert. Das ist eine ganz wesentliche Unterscheidung."

12 Mitglieder der Bioethikkommission sprachen sich für die Zulassung der PID auch in darüber hinaus gehenden Konstellationen aus: Die PID sollte auch für Paare zugelassen werden, die ein hohes Risiko aufweisen, ein Kind mit schwerer genetisch bedingter Erkrankung zu bekommen. Die Entscheidung zur Vornahme der PID sollte auf den Einzelfall bezogen sein, auf der Grundlage eines Indikationenmodells und an Hand bestimmter Kriterien getroffen werden.

Huber: "Wir als Bioethikkommission haben uns zur Aufgabe gestellt, für Fragen der Biomedizin und Bioethik - diese reichen von der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, im konkreten der Frau und Mutter, bis zu Fragen, wann beginnt das menschliche Leben - die Sensibilität in der Bevölkerung zu wecken. Wir hoffen, dass sich auch andere Gruppen an der Diskussion beteiligen. Insbesondere erhoffen wir aber auch eine Klarstellung durch die Legislative."

Als Arbeitsschwerpunkte für das nächste Jahr nannten Univ.Prof. DDr. Huber und Univ.Prof. Dr. Pöltner Stellungnahmen zu Biobanken, in welchen u.a. genetisches Material aufbewahrt wird, und zur Nanotechnologie.

Der Bericht der Bioethikkommission zur Präimplantationsdiagnostik ist im Internet abrufbar:

http://www.bundeskanzleramt.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3458&Alias=B
KA

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Bundeskanzleramt/Geschäftsstelle der Bioethikkommission
Dr. Robert Gmeiner
Tel.: (01) 531 15 / 4319

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