Stadtentwicklung rund um den neuen Bahnhof Wien - Europa Mitte

ÖBB und Stadt Wien präsentieren die Ergebnisse des Expertenverfahrens

Wien (OTS) - Wien. - In einer gemeinsamen Pressekonferenz am
Wiener Südbahnhof präsentierten heute, Montag, Univ. Prof. Dr. Arnold Klotz, Bereichsdirektor für die Wiener Stadtplanung, und der Leiter der ÖBB-Bahnhofsoffensive, DI Norbert Steiner, die Ergebnisse des Expertenverfahrens zur städtebaulichen Entwicklung des Stadtteiles rund um den geplanten neuen "Bahnhof Wien - Europa Mitte". Im Rahmen des laufenden Verfahrens soll bis September 2004 von den beiden Architektenteams Albert Wimmer (Wien) und Hotz / Hoffmann (Zürich/Wien) der endgültige Masterplan erarbeitet werden. Danach kommt er als Vorlage in die Stadtentwicklungskommission und mit Jahreswechsel in den Wiener Gemeinderat.****

Der "Bahnhof Wien - Europa Mitte"

Seit 1989 gibt es Überlegungen zur Errichtung eines zentralen "Bahnhofes Wien". Grundgedanke ist der Ersatz der beiden Kopfbahnhöfe Süd- und Ostbahnhof durch einen Durchgangsbahnhof und eine bessere Verknüpfung von Nahverkehrsangeboten (Schnellbahn, U-Bahn, Busse, etc.) am Südtirolerplatz.

Mit der Konzentration der beiden bestehenden Kopfbahnhöfe und einer damit einhergehenden Verlagerung bzw. Neuorganisation zusammenhängender Funktionalitäten im Bahnbereich werden Liegenschaften im Ausmaß von rund 55 ha nicht-betriebsnotwendig. Für diese Liegenschaften sollen wirtschaftlich sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten gefunden, in einem Masterplan (städtebauliche Studie) dargestellt und schließlich die rechtlichen Voraussetzungen mit Flächenwidmungs- und Bebauungsplan geschaffen werden. Diese von der Stadt Wien zugesagte hochwertige Nutzung des Geländes ist auch eine wichtige wirtschaftliche Voraussetzung für den Bahnhofsbau.

"Durch die Neuordnung Europas innerhalb des EU-weiten Wirtschaftsraumes gewinnt Wien immer mehr eine zentrale Bedeutung. Der Bau des neuen Bahnhofes Wien wertet die angrenzenden Stadtgebiete immens auf und schafft die Möglichkeit fast im Herzen der Metropolenstadt Wien eine zusätzliche erste Adresse für die Wirtschaft, den Handel und das Wohnen zu schaffen," betont Bereichsdirektor Univ. Prof. Dr. Arnold Klotz von der Wiener Stadtplanung. "Schließlich hat dieses Stadtviertel auch einen optimalen Anschluss zum Flughafen, zur Bahn und zur Straße".

"Die Optimierung der Umsteigeverbindung in Wien bietet einen immensen Vorteil für unsere Kunden. Fernreisezüge werden mit dem Regional- und Nahverkehr in einem großen Gebäude verknüpft. Wenn wir aber auch dazu beitragen können, dass das Stadtviertel durch Umwidmungen aufgewertet wird, haben wir den wichtigsten Bahnhof in Wien in bester Lage", so DI Norbert Steiner, der Leiter der ÖBB-Bahnhofsoffensive.

"Wir begrüßen die Entscheidung der Jury und gratulieren den Architekten Hotz / Hoffmann und Albert Wimmer zu ihrem Erfolg. Beide Projekte bieten konkrete Lösungsvorschläge für die Anforderungen der Österreichischen Post AG. Nun gilt es in der weiteren Bearbeitung stabile Grundlagen für künftige Realisierungsschritte zu schaffen, wobei hier die Postliegenschaft aufgrund ihrer zentralen Lage im Gesamtprojekt besonders zu berücksichtigen sein wird," ergänzt Geschäftsführer Mag. Martin Kutschera von der Post & Telekom Immobiliengesellschaft m.b.H.

Das Expertenverfahren

Ein seit März 2004 laufendes zweistufiges Expertenverfahren mit 10 europäischen Architektenteams geht in die Endphase. Die Jury bestehend aus Vertretern der Stadt Wien, der ÖBB, der Post & Telekom Immobilien und international anerkannten Architekten haben empfohlen, dass die jetzt vorliegenden Vorschläge der beiden Architektenteams Albert Wimmer und Hotz / Hoffmann in den nächsten Wochen zu einem Masterplan weiterentwickelt werden.

Die Projekte der beiden Architektenteams haben für die Stadtteile nördlich und südlich des künftigen "Bahnhofes Wien - Europa Mitte" unterschiedliche Ansätze für die städtebauliche Nutzung. Der Architekt Albert Wimmer schafft entlang des Gürtels eine konzentrierte Bebauung, während die Architekten Hotz / Hoffmann auf einen großen Bahnhofvorplatz bauen. Beide erschließen das südliche Stadtgebiet vom Gürtel aus über die Fortführung der Argentinierstraße und der Mommsengasse. Bei Wimmer überspannt eine flache Dachkonstruktion kundenfreundlich die Bahnsteige und den Bahnhofsvorplatz, während bei Hotz / Hoffmann eine prägnante Dachkonstruktion das Entree des Bahnhofes hervorhebt. Das neue südliche Stadtgebiet wird von beiden Architektenteams mit großzügigen Grünanlagen geplant, wobei die Anordnung der zukünftigen Wohneinheiten unterschiedlicher Natur ist.

Zielsetzungen und Erfordernisse der ÖBB

Überlegungen zu einem möglichen Durchgangsbahnhof Wien waren in der Vergangenheit stark von den Prämissen zusätzlicher Infrastruktur-und Nahverkehrsangeboten sowie einem weiteren Neubau von der S-Bahn-Stammstrecke zur Ostbahn (Schweizergarten-Schleife) geprägt. Im Herbst 2003 wurden darüber hinaus in der Studie von Basler + Partner (Zürich) Überlegungen auf Effizienzsteigerungen im Bahnbetrieb im Gesamtbereich Südbahnhof erarbeitet. Die vorhandenen Betriebsanlagen (Gleise für Personen- und Güterzüge, Verschubfahrten, Behandlungs-, Reparatur- und Remisenfunktion sowie Abstellnotwendigkeit in einer Gesamtlänge von 125 km) wurden unter wirtschaftlichen und betrieblichen Aspekten betrachtet. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung wurden erforderliche Adaptierungen im Infrastrukturbereich (z.B. Erneuerung und Hebung von Bahnsteigen) ebenfalls berücksichtigt.

Das Ergebnis für die Dimensionierung der Gleise im neuen Durchgangsbahnhof sieht für die Durchbindung der Linien von der Südseite zur Ostseite im Fern-, Eil- und Nahverkehr acht Bahnsteigkanten vor, ergänzt von zwei Bahnsteigkanten für die Schnellbahn S 80. Weiters zwei Durchfahrgleise für den Güterverkehr (bzw. Verschubfahrten) sowie eine schrittweise Absiedlung des Frachtenbahnhofes. Dabei können die Gleiskilometer um 30 % und die Anzahl der Weichen um ca. 27 % reduziert werden.

Zielsetzungen und Entwicklungsziele für den gesamten Stadtteil
Da der "Bahnhof Wien - Europa Mitte" und die angrenzenden Stadtteile nacheinander in verschiedenen Zeithorizonten realisiert werden, müssen die städtebaulichen Nutzungsüberlegungen darauf Rücksicht nehmen. Das Teilgebiet nördlich des neuen Bahnhofes (Fläche des heutigen Süd- und Ostbahnhofes inklusive Postgelände) ist vorrangig für Handel, Dienstleistung und Büronutzung bestimmt. Das südlich an den Bahnhof angrenzende unmittelbare Bahnhofsviertel (Grenzen sind die Sonnwendgasse und der Frachtenbahnhof) soll für eine gemischte Bebauung genutzt werden. Im weitläufigen Gebiet des heutigen Frachtenbahnhofes Wien Süd sollen zum Bahnkörper hin Gewerbebetriebe angesiedelt und bis zur Gudrunstraße hin sollen um einen großen zentralen Park bis zu 4.000 Wohnungen, eine Volks- und Hauptschule und ein Kindergarten gebaut werden. Je nach Grad der Umsetzung könnte bis 2025 ein neuer Stadtteil mit 9.000 - 13.000 Einwohnern und 10.000 - 20.000 Arbeitsplätzen entstehen.

Kosten und Zeitplan

Nach dem derzeitigen Ablaufplan ist geplant, den "Bahnhof Wien -Europa Mitte" in zwei Phasen bis 2008 bzw. 2010 zu verwirklichen. Derzeit wird von einem Baukostenrahmen von 420 Millionen Euro ausgegangen, von dem 257,3 Millionen Euro gesichert sind. Dieser Betrag setzt sich aus den bereits genehmigten Projekten Schweizergartenschleife, Nahverkehrsmittel, Finanzierungsbeitrag der Stadt Wien und der Bahnhofsoffensive Wien Süd zusammen. Der noch offene Betrag von ca. 162,7 Millionen Euro sollte mit einer möglichen EU-Förderung, Erträge durch Umwidmungen und Finanzierungsmodellen gedeckt werden. Noch nicht berücksichtigt sind anfallende Kosten für die Kontaminierung und die Zwischenfinanzierung.

Der September 2004 vorliegende Masterplan wird der Stadtentwicklungskommission vorgelegt. Bis Ende 2004 soll seitens der ÖBB, der Republik und der Stadt Wien die Finanzierung des "Bahnhofes Wien - Europa Mitte" fixiert und der Masterplan dem Wiener Gemeinderat zur Vorlage gebracht werden. Sollte beides einem positiven Ergebnis zugeführt werden, könnte Mitte 2007 der Baubeginn für die Freimachungen des Bahnhofes und der Baubeginn für den ersten Teil des neuen Stadtteiles Südbahnhof beginnen. In den Jahren 2008 bzw. 2010 würde die Fertigstellung des Bahnhofes erfolgen.

Ausstellung

Im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung (freier Eintritt) werden die eingereichten Pläne des Expertenverfahrens zur Stadtentwicklung rund um den neuen "Bahnhof Wien - Europa Mitte" präsentiert. Ort: Wien Südbahnhof (Ausstellungsraum zugänglich von Halle Ost); Öffnungszeiten: Mo - Fr 10.00 bis 19.00 Uhr vom 19. Juli - 6. August 2004.

Rückfragen & Kontakt:

ÖBB Kommunikation Wien
Dr. Gary Pippan
Tel : 01 / 93000 - 33596
Fax : 01 / 93000 - 9880 - 33596
gary.pippan@kom.oebb.at
http://www.oebb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBB0001