Neues Wien Buch: Lieblingsorte der Wiener

Wien (OTS) - Wenn für jemanden ein Ort zum Lieblingsort wird, gibt es quasi als Taufgeschenk nicht nur eine sentimentale Gefühlsregung, meist baumelt dann auch noch eine kleine oder größere Geschichte imaginär umher, die durch Weitererzählung im günstigsten Fall Eingang in den Lieblings-Kanon der Stadt findet. So gesehen verfügt Wien über eine ganze Menge an Lieblingsorten, die nun im Falter-Verlag von Heidi Salome Stift in eifriger Recherche zusammengetragen worden sind. Die Reise zu den Lieblingsplatzerln der Stadtbewohner ist dabei nicht selten kulinarisch unterlegt: Sei es das Schweizerhaus im Prater, die üppigen Speisen im Schutzhaus Zukunft oder, fein manierlich, die Häppchen im Schwarzen Kameel: Stifts Zusammenschau überrascht den eingefleischten Wiener zwar kaum, dafür sind die aufgezählten Orte - zugegeben: die Hinzufügung von Kinos und kleinen bis mittleren Theaterbühnen ist originell, weil unüblich - bereits populär genug. Die Qualität dieser Textsammlung, die u.a. das Jörgerbad in Hernals ebenso ausführlich beschreibt, wie die Alte Donau, die Arena oder das Palmenhaus im Burggarten, liegt eher in der jeweiligen Beschreibung, wo Lokalkolorit gepaart mit viel Fachwissen eine gute Mischung ergeben. Interessant auch die Tatsache, dass die hier versammelten Orte, obzwar von einer professionellen Fremdenführerin zusammen gestellt, zwar nicht das eindeutig-touristische Wien, wie Schönbrunn, Ringtrasse und Hofburg thematisieren, zugleich aber doch deutlich unterstreichen, wie semi-touristisch bereits viele Alltags-Orte in Wien geworden sind.

So gesehen fügt sich das neue Buch von Stift nicht nur gut in die verlageigene Reihe, die u.a. mit Bernd Anwanders "Unterirdisches Wien" (2000) eine wirklich neue Perspektive für die Stadt erarbeitet hat, ein, sondern auch in jene wachsende Anzahl von Büchern jüngerer Journalisten und Autoren, die, in kleiner Form gehalten, "ihre" Stadt auf's Neue zu entdecken versuchen. Diese neue beiläufige Stadt-Beobachtung, wie sie auch jüngst Thomas Rottenberg ("Wiener Stadtgeschichten") publiziert hat, lässt Wien kleiner, zugleich aber auch fassbarer erscheinen. Zumindest die Erinnerung an die große Tradition des Wiener Stadt-Feuilletons, dessen Blüte in den dreißiger Jahren zu Ende ging, scheint nicht zuletzt durch Stifts "Lieblingsorte der Wiener" wenn auch nicht wieder belebt, so doch in Erinnerung gehalten. Es gibt sie also wieder, diese Neugierde an der nächsten Gasse, am überlaufenen, wie auch am verlassenen Ort, den Riecher für die Besonderheit einer Lokalität, und sei es ein verlassenes Bürogebäude. Eine Stadt, die solch eine Neugierde trotz jahrzehntelanger Selbstbeschreibung noch immer bei ihren Stadt-Benutzern erwecken kann, kann zufrieden in den Sommerurlaub fahren.

Heidi Salome Stift: Lieblingsorte der Wiener. Ein Führer zu legendären Orten in der Stadt und deren spannenden Geschichten - am Wasser, im Grünen, in alten Gemäuern und im Kaffeehaus, Falter Verlag 2004 (http://www.falter.at/ ), 336 Seiten, EUR 25,50

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