Zum 10. Todestag von Erwin Ringel: "DOKUmente" über den Analytiker der österreichischen Seele

Wien (OTS) - Vor zehn Jahren starb der Wiener Psychiater und Individualpsychologe Erwin Ringel. Er war der Analytiker der österreichischen Seele und jahrzehntelang das moralische Gewissen der Nation. Wolfgang Niedermair beschreibt in "DOKUmente" mit dem Titel "Die österreichische Seele" am Mittwoch, dem 21. Juli 2004, um 23.15 Uhr in ORF 2 den Lebensweg des Psychiaters und geht der Frage nach, welche Bedeutung Erwin Ringel heute für Österreich hat.

In der Fachwelt und in der Öffentlichkeit bekannt wurde Erwin Ringel durch seine Forschungen über den Selbstmord. Er fand eine Reihe von Gemeinsamkeiten unter Selbstmordkandidaten und formulierte das so genannte "präsuizidale Syndrom". Er gründete in Wien das erste Selbstmordverhütungszentrum Europas und baute die erste psychosomatische Station in Österreich auf. Als seinen größten Erfolg sah der Mediziner, dass der Vatikan Selbstmördern ein christliches Begräbnis nicht mehr verweigerte.

Erwin Ringel war ein gläubiger Christ, der die Kirche ebenso hart kritisierte wie alles, was ihm in Österreich und darüber hinaus missfiel. Schon als Jugendlicher war er im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv, sogar seine Berufswahl war getragen von der inneren Überzeugung, "nicht für Hitler sterben zu wollen".

Als seine "neue Rede über Österreich" 1983 im Radio gesendet und im Jahr darauf in Buchform veröffentlicht wurde, löste er damit ein Erdbeben aus: Auf einer ganz anderen Ebene als der "Herr Karl" hatte Ringel den Österreichern einen Spiegel vorgehalten.

Nicht ohne Grund trat der Mediziner wiederholt an die Öffentlichkeit. Für Erwin Ringel war die Tiefenpsychologie nicht wissenschaftlicher Selbstzweck, sondern eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer Zeit:
"Sie gibt uns ein Werkzeug in die Hand, um uns selbst, aber auch die anderen besser zu verstehen und die menschliche Gemeinschaft im Großen wie im Kleinen positiver zu gestalten."

Sich selbst hat Ringel einmal als "Sisyphus" bezeichnet. Er habe vieles bewegen können, aber es sei ihm häufig nicht gelungen, den "Stein über den letzten entscheidenden Punkt hinauszuheben".

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