• 06.07.2004, 10:36:00
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  • OTS0064 OTW0064

Geriatriezentren 2: Integration statt Geriatrie-Ghettos

Ärztekammer fordert neue Wege in der Altenbetreuung - 4-Punkte-Programm zur Verbesserung der geriatrischen Betreuung

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer hat ein 4-Punkte-Programm
erstellt, das langfristig die geriatrische Versorgung in Wien
verbessern und sichern soll. Gefordert werden darin ein geriatrischer
Krankenanstaltenplan, städtebauliche Adaptierungen zur
Wiedereinbettung der geriatrischen Versorgung in das urbane
Geschehen, individuelle Betreuungsformen wie beispielsweise
Tageskliniken sowie die Schaffung eines eigenen Facharztes für
Geriatrie.****

Die Forderungen des 4-Punkte-Programms im Einzelnen:

1. Forderung: Wien benötigt einen geriatrischen
Krankenanstaltenplan, der sicherstellt, dass Geriatriezentren
Krankenanstalten bleiben, die spezielle medizinische Behandlungen und
Therapien anbieten.

Die Ärztekammer fordert daher die bundesweite Etablierung
geriatrischer Krankenhäuser für chronisch Kranke und besonders
pflegebedürftige Menschen. Das Geriatriezentrum stellt dann die "3.
Betreuungsschiene" zwischen Akutspital und klassischem Pflegeheim
dar. Für das Geriatriezentrum als 3. Betreuungsschiene werden neue
und adäquate Finanzierungsmodelle, wie beispielsweise eine
Mischfinanzierung aus Krankenversicherung und Sozialhilfegesetz,
benötigt werden.

2. Forderung: Wien braucht städtebauliche Adaptierungen zur
Wiedereinbettung der geriatrischen Versorgung in das urbane
Geschehen.

Die Ärztekammer will keine in sich geschlossenen Geriatriezentren,
sondern eine Öffnung der Zentren. Die Ärztekammer schlägt spezielle
geriatrische Wohneinheiten vor, die sich innerhalb von Wohnblöcken
oder Siedlungen befinden. Diese Wohnzentren können in einzelnen
Häusern oder einfach nur innerhalb eines Stockwerks untergebracht
sein. Damit soll die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für alte und
gebrechliche Menschen gestärkt werden. Geriatrische Patienten dürfen
nicht einfach in Geriatrie-Ghettos verschwinden, sondern sollen unter
agilen Menschen unterschiedlichster Altersstruktur leben.

3. Forderung: Die Ärztekammer will patientengemäße, individuelle
Betreuungsformen und damit ein verstärktes Angebot an geriatrischen
Tageskliniken.

Ziel ist es, dass geriatrische Patienten während des Tages in
einer Tagesklinik versorgt werden und abends wieder zu ihren Familien
in die gewohnte Umgebung zurückkommen können.

4. Forderung: Die Ärztekammer will die Schaffung eines eigenen
Facharztes für Geriatrie.

Nur eine umfassende geriatrische Ausbildung (Physikalische
Therapie, Rehabilitation, Diabetologie sowie Neurologie und
Psychiatrie) ermöglicht eine ganzheitliche und vielschichtige
Behandlung multimorbider Patienten.
Wichtig ist auch die rasche Etablierung der "Klinischen
Geriatrie/Medizinischen Gerontologie" an den österreichischen
Medizinuniversitäten. In Wien ist beispielsweise ein Verfahren zur
Besetzung einer "Professur für Medizinische Gerontologie" seit mehr
als vier Jahren (!) im Laufen.

(Schluss)

OTS0064    2004-07-06/10:36

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