Geriatriezentren 2: Integration statt Geriatrie-Ghettos

Ärztekammer fordert neue Wege in der Altenbetreuung - 4-Punkte-Programm zur Verbesserung der geriatrischen Betreuung

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer hat ein 4-Punkte-Programm erstellt, das langfristig die geriatrische Versorgung in Wien verbessern und sichern soll. Gefordert werden darin ein geriatrischer Krankenanstaltenplan, städtebauliche Adaptierungen zur Wiedereinbettung der geriatrischen Versorgung in das urbane Geschehen, individuelle Betreuungsformen wie beispielsweise Tageskliniken sowie die Schaffung eines eigenen Facharztes für Geriatrie.****

Die Forderungen des 4-Punkte-Programms im Einzelnen:

1. Forderung: Wien benötigt einen geriatrischen Krankenanstaltenplan, der sicherstellt, dass Geriatriezentren Krankenanstalten bleiben, die spezielle medizinische Behandlungen und Therapien anbieten.

Die Ärztekammer fordert daher die bundesweite Etablierung geriatrischer Krankenhäuser für chronisch Kranke und besonders pflegebedürftige Menschen. Das Geriatriezentrum stellt dann die "3. Betreuungsschiene" zwischen Akutspital und klassischem Pflegeheim dar. Für das Geriatriezentrum als 3. Betreuungsschiene werden neue und adäquate Finanzierungsmodelle, wie beispielsweise eine Mischfinanzierung aus Krankenversicherung und Sozialhilfegesetz, benötigt werden.

2. Forderung: Wien braucht städtebauliche Adaptierungen zur Wiedereinbettung der geriatrischen Versorgung in das urbane Geschehen.

Die Ärztekammer will keine in sich geschlossenen Geriatriezentren, sondern eine Öffnung der Zentren. Die Ärztekammer schlägt spezielle geriatrische Wohneinheiten vor, die sich innerhalb von Wohnblöcken oder Siedlungen befinden. Diese Wohnzentren können in einzelnen Häusern oder einfach nur innerhalb eines Stockwerks untergebracht sein. Damit soll die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für alte und gebrechliche Menschen gestärkt werden. Geriatrische Patienten dürfen nicht einfach in Geriatrie-Ghettos verschwinden, sondern sollen unter agilen Menschen unterschiedlichster Altersstruktur leben.

3. Forderung: Die Ärztekammer will patientengemäße, individuelle Betreuungsformen und damit ein verstärktes Angebot an geriatrischen Tageskliniken.

Ziel ist es, dass geriatrische Patienten während des Tages in einer Tagesklinik versorgt werden und abends wieder zu ihren Familien in die gewohnte Umgebung zurückkommen können.

4. Forderung: Die Ärztekammer will die Schaffung eines eigenen Facharztes für Geriatrie.

Nur eine umfassende geriatrische Ausbildung (Physikalische Therapie, Rehabilitation, Diabetologie sowie Neurologie und Psychiatrie) ermöglicht eine ganzheitliche und vielschichtige Behandlung multimorbider Patienten.
Wichtig ist auch die rasche Etablierung der "Klinischen Geriatrie/Medizinischen Gerontologie" an den österreichischen Medizinuniversitäten. In Wien ist beispielsweise ein Verfahren zur Besetzung einer "Professur für Medizinische Gerontologie" seit mehr als vier Jahren (!) im Laufen.

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