"Presse"-Kommantar: Bewährungsprobe (von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 6. Juli 2004

Wien (OTS) - Es sind Momente, wo das Land den Atem anhält. Das Staatsoberhaupt ringt mit dem Tod, es besteht zumindest die ernste Gefahr, dass uns Thomas Klestil nie mehr im früheren Zustand entgegentreten kann.
Es sind Momente, wo die Kritik an Handlungen und Entscheidungen Klestils in den Hintergrund rückt. Wo man nur noch Klestils persönlicher Tragik gedenkt. Wo man über unheimliche Krankheiten sinnt wie jene, die Klestil trotz einer Heerschar von Ärzten seit Jahren nie mehr ganz besiegen konnte.
Wie gern hätte dieser noch die letzten Ehrungen seiner Amtszeit genossen. Nun bleibt der Zapfenstreich des Bundesheeres stumm. Vielleicht aber hat Klestil auch schon mit Bangen dem Tag danach entgegengeblickt, wo ein bis zuletzt vom Protokoll geprägtes Leben plötzlich das eines Pensionisten wird.
Es sind auch Stunden, wo viele heikle Fragen der Verfassung und des Protokolls zu regeln sind. Immerhin hat es in Österreich noch nie eine Amtsübergabe von einem amtsverhinderten Bundespräsidenten gegeben. Da steht neben der menschlichen Behutsamkeit aller Akteure auch immer die Verfassung auf dem Prüfstand. Diese muss sich ja im echten Leben bewähren - und nicht nur in theoretischen Glasperlenspielen einiger Juristen, wie sie gerade dieser Tage in Sachen EU stattfinden. Österreich kann aber guten Mutes sein:
Verfassung wie Republik werden die Probe bestehen.

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