• 01.07.2004, 10:15:42
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ANSCHNALLQUOTE IN ÖSTERREICH: ERST IN 25 JAHREN AUF EU-NIVEAU!

Ein Viertel der heimischen Autolenker schnallt sich nicht an. 2003 war rund die Hälfte der getöteten Pkw-Lenker nicht angegurtet.

Wien (OTS) - Am ersten Juli diesen Jahres feiert ein wahrer Held
das Jubiläum seiner legislativen Verankerung. Die Rede ist vom
Sicherheitsgurt, der nunmehr vor genau 20 Jahren in Österreich
gesetzlich vorgeschrieben wurde. Über seinen Status als Lebensretter
besteht bei Verkehrssicherheitsexperten kein Zweifel. Als
unumgängliches Sicherheitsinstrument unter Österreichs Autofahrern
konnte er sich aber noch immer nicht rückhaltlos etablieren: Nach
einer Erhebung des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) verzichtet
jeder vierte heimische Lenker auf das lebensrettende Potenzial des
Sicherheitsgurtes. "Viele Autofahrer setzen sich damit dem ungemein
hohen Risiko aus, schon bei verhältnismäßig kleinen Unfällen mit dem
Leben für die eigene Unvernunft zu bezahlen! Die Unfallstatistik
zeigt, dass sich fast die Hälfte aller toten Pkw-Insassen aus dieser
unklugen Gruppe generiert", appelliert KfV-Direktor Dr. Othmar Thann
auch auf kurzen Strecken nicht auf den Sicherheitsgurt zu verzichten.
Vergangenes Jahr wurden 241 nicht angeschnallte Pkw-Insassen getötet.
Leichtsinn pur, ist doch die Chance bei einem Verkehrsunfall zu
sterben bei Nichtanschnallen siebenmal so hoch als bei Verwendung des
Gurts.

Horrorzahlen

Im Vorjahr verunglückten insgesamt 371 Pkw-Lenker tödlich - 170 von
ihnen waren nicht angegurtet. Bei den Pkw-Mitfahrern forderte das
Nichtanschnallen 71 Todesopfer, insgesamt verzeichnete man 2003 153
getötete Pkw-Mitfahrer. Hinzu kommen 515 Pkw-Lenker und 320
Pkw-Mitfahrer die durch ihr Nichtverwenden schwere Verletzungen
davontrugen.

Ein Fiasko: Österreichs Anschnallquote im internationalen Vergleich

Ein Blick über die Grenzen stellt Österreich in punkto Anschnallmoral
ein beschämendes Zeugnis aus: In Ländern wie Großbritannien oder
Schweden liegt die Anschnallquote bei über 90 Prozent. Auf
schwedischen Autobahnen sind sogar 98! Prozent der Pkw-Lenker niemals
"oben ohne" unterwegs. Parallelen zwischen diesem Faktum und der
vergleichsweise niedrigen Zahl an Straßenverkehrstoten in diesen
Staaten drängen sich geradezu auf. Hierzulande stieg mit Start der
Gurtenpflicht am 1. Juli1984 die Verwendung des Sicherheitsgurtes
zwar innerhalb weniger Monate von 44,6 Prozent auf - nie mehr
erreichte! - 82,1 Prozent an. Von diesem Wert können österreichische
Verkehrsexperten allerdings nur mehr träumen. Laut der jüngsten
KfV-Gurterhebung schnallten sich österreichweit im ersten Halbjahr
2004 gerade einmal 76,3 Prozent an. "Die durchschnittliche
Verwendungsquote dümpelt seit Jahren bei rund 75 Prozent dahin und
steigt sogar so langsam, dass Österreich erst in ca. 25 Jahren den
derzeitigen europäischen Durchschnitt erreichen wird", errechnet
Thann die Konsequenzen einer solchen Stagnation.

Jeder vierte heimische Lenker ist nicht angeschnallt

Thann fordert angesichts der miserablen Anschnallmoral von Herr und
Frau Österreicher adäquate Mittel gegen Gurtenmuffel: "Das KfV
fordert seit Jahren eine Verstärkung der Kontrollen, auch die übliche
Strafe von 21 Euro für 'Gurtensünder' scheint ob der erschreckenden
Zahlen geradezu lächerlich", und konkretisiert: "Wenn die
Gurtenverwendung in Österreich zumindest auf internationales Niveau
ansteigen würde, hätten wir jährlich 100 Verkehrstote weniger zu
beklagen. Jeder vierte heimische Lenker ist nicht angeschnallt, was
statistisch gesehen bedeutet, dass bei einer Blitzkontrolle von nur
100 Autos 25 Gurtensünder überführt werden könnten."

Die Rückbank als Zentrum der Unvernunft

Nur jeder zweite Österreicher nützt die Sicherheitsgurte auf den
Rücksitzen. Unfassbare Zahlen wenn man bedenkt, dass es "hinten"
keineswegs sicherer ist als "vorne". "Wer glaubt bei Nichtanschnallen
nur sein eigenes Leben zu gefährden irrt. Bei einem Aufprall wird der
nicht angeschnallte Passagier gegen den Vordermann geschleudert und
kann somit zum tödlichen Geschoss werden", skizziert Thann eine
häufige Todesursache bei Verkehrsunfällen. Ganz abgesehen vom
tragischen "Standardschicksal" der Gurtverweigerer, nämlich aus dem
Wagen geschleudert zu werden und somit schon bei einer Kollision mit
geringer Geschwindigkeit schwer verletzt oder sogar getötet zu
werden.

Kinder wieder mehr im Kindersitz transportiert

Einen ansteigenden Trend ergab eine aktuelle KfV-Erhebung: Kinder
werden heuer erstmals häufiger im Kindersitz (43,6%) - das für sie
sicherste Transportmittel - befördert als "nur" mit Gurt gesichert
(41,2%). Zwar stieg die Kindersicherung (Kinder mit Gurt oder
Kindersitz gesichert) in den Jahren zwischen 1994 und 2004 um rund 20
Prozent auf nunmehr 84,8 Prozent, was aber noch immer bedeutet, dass
15,2 Prozent der schutzbedürftigsten Teilnehmer am Straßenverkehr
weder im Gurt noch im Kindersitz gesichert werden!

OTS0065    2004-07-01/10:15

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