OeNB - Gutes Zeugnis für Österreichs Banken

~ Direktor Christl präsentiert den Finanzmarktstabilitätsbericht 7 der OeNB ~

Wien (OTS) - "Das österreichische Bankensystem ist robust
und aufgrund seiner hohen Kapitalisierung resistent gegenüber externen Schocks", stellte der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Josef Christl, bei der Präsentation der
siebenten Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB
fest. Unter Hinweis auf umfangreiche Stress-Tests zur
Abschätzung der Auswirkungen verschiedener Zukunftsszenarien
auf die österreichische Bankenlandschaft betonte Direktor
Christl, dass auch unter extremen Annahmen die Eigenmittelquote
des gesamten Bankensektors nur um 1,3 Prozentpunkte auf 13,1%
sinken würde und damit noch immer deutlich über den
gesetzlichen Mindestanforderungen von 8% läge.
Die Stress Test-Berechungen waren auch ein wichtiger
Bestandteil des kürzlich durchgeführten "Financial Sector Assessment Program", bei dem der Internationale Währungsfonds
(IWF) die Stabilität des österreichischen Finanzmarktes
eingehend prüfte. Auch wenn der IWF dem österreichischen Finanzsektor ein gutes Zeugnis ausstellt und auf die in den
letzten Jahren durchgeführten Umstrukturierungen und Konsolidierungen verweist, besteht weiterer Handlungsbedarf zur nachhaltigen Absicherung der Ertragssituation, die derzeit wesentlich von den guten Erträgen der österreichischen
Großbanken in den zentral- und osteuropäischen Ländern getragen wird. "Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität auf
dem Heimatmarkt sind notwendig", merkte Direktor Christl dazu
an. Das bedeutet eine Fortsetzung der Bemühungen zur Kostenreduzierung beim Personal- und Sachaufwand, aber auch ertragsseitig eine Verbesserung der Zinsspanne, die im ersten Quartal 2004 weiter auf 1,22% gesunken ist.
Bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen, die trotz
niedriger Zinsen im Jahr 2003 rückläufig waren, zeichnete sich
in den letzten Monaten wieder ein Aufwärtstrend ab. "Die
Bedeutung des Bankkredits für die Unternehmensfinanzierung hat
2003 allerdings weiter abgenommen", hob Direktor Christl
hervor. Demgegenüber war eine Umschichtung zu Auslandsfinanzierungen zu registrieren, die zu einem
wesentlichen Teil aus Konzernkrediten von im Ausland ansässigen Muttergesellschaften stammte. Parallel dazu haben die
Unternehmen 2003 mehr Mittel in Form von Anleihen aufgenommen.
Auch die Kreditaufnahme der Haushalte hat 2003 deutlich an
Schwung verloren, die Inanspruchnahme von Fremdwährungskrediten
hat sich jedoch weiter erhöht. Gleichzeitig war eine nahezu vollständige Substitution von Yen-Finanzierungen durch Schweizer-Franken-Kredite zu erkennen, was auf Grund der
deutlich geringeren Volatilität gegenüber dem Euro zweifellos stabilitätsfördernd war - wenngleich auch Finanzierungen in Schweizer Franken mit einem nicht zu vernachlässigenden Wechselkursrisiko behaftet sind.
Auf den internationalen Aktienmärkten waren im Jahr 2003
deutliche Kursanstiege zu registrieren. Anders als in den Neunzigerjahren wurde diesmal auch die Wiener Börse von dieser Aufwärtstendenz erfasst. Die Kursgewinne des ATX standen im Einklang mit den bedeutenden internationalen Aktienindices und setzten sich im Unterschied zu den meisten anderen Märkten in
den ersten Monaten 2004 noch weiter fort. Dank der Erholung der Aktienkurse konnten die privaten Haushalte im Jahr 2003 rund
ein Drittel der Bewertungsverluste, die sie aufgrund der Aktienkursrückgänge in den Jahren 2000-2002 zu verzeichnen
hatten, wieder aufholen. "Die Rolle der Kapitalmärkte für die Finanzanlagen der privaten Haushalte wird auf Grund der
wachsenden Bedeutung der betrieblichen und der individuellen Altersvorsorge in Zukunft weiter zunehmen", stellte Direktor
Christl abschließend fest.
Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich
und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist auf der Website der OeNB
unter www.oenb.at abrufbar.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0001