- 25.06.2004, 16:31:05
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Missbrauchsopfer brauchen therapeutische Betreuung
Landtagsenquete zeigte Möglichkeiten und Grenzen der Prävention, Opferhilfe und Täterarbeit auf
Bregenz (VLK) – "Wir können Sexualdelikte gegen Kinder
nicht verhindern, wir können aber seitens der Politik alles
daran setzen und unternehmen, um sie unwahrscheinlicher zu
machen", so Landtagsvizepräsident Gebhard Halder bei der
Eröffnung der Landtagsenquete "Entwicklung der
Sittlichkeitsdelikte in Vorarlberg – Opfer und Täter".
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Jedes vierte Mädchen und jeder achte Bub unter 18 Jahre
ist sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Die Täterschaft ist
dabei großteils im familiären Umfeld zu finden. Laut Franz
Pflanzner, Leiter der Staatsanwaltschaft Feldkirch, ist die
Zahl der Sexualdelikte mit einer Ausnahme im Jahr 2002 in
Vorarlberg in den letzten Jahren annähernd konstant
geblieben. Etwa 15 Prozent der Anzeigen seien fingiert.
Seit 2001 werden Straftäter aus dem Sexualbereich sofort
nach Strafantritt psychologisch beurteilt und einer
allfälligen, vom Gericht angeordneten Therapie zugeführt.
Schutz und Sicherheit seien vor allem die Anliegen der
Kinder, die von sexuellem Missbrauch betroffen waren, so
Ruth Rüdisser, Psychotherapeutin und Leitern der IfS-
Beratungsstelle. Die Opfer seien oft enttäuscht, dass sie
die Gerechtigkeit, die sie erwarten, vor Gericht nicht
bekommen. Auch der Prozess der Wahrheitsfindung würde von
den Opfern oft als ungerecht empfunden. Hier habe der
Opferschutz der letzten Jahre und die eingerichtete
Prozessbegleitung einiges zum Guten gewendet. Wichtig ist
für Rüdisser vor allem die Prävention, wobei hier der
Öffentlichkeit ein wichtiger Stellenwert zukomme. Die
Vernetzung und Zusammenarbeit aller Einrichtungen und
Fachleute im Bereich des Opferschutzes funktioniere in
Vorarlberg gut, es müsse aber noch mehr daran gearbeitet
werden, um die Einrichtungen auch publik zu machen.
"Es gibt kaum etwas, das den Menschen in seinem weiteren
Leben so schädigt, wie sexueller Missbrauch", so Reinhard
Haller, der den Blick vor allem auf die Sexualstraftäter
richtete. Eine wirksame Prävention sei nur möglich, wenn
bekannt sei, was in den Tätern vorgehe. Wissenschaftlich
belegt sei mittlerweile, dass männliche Missbrauchsopfer in
späteren Jahren immer wieder auch als Täter in Erscheinung
treten. Tätern sei deshalb der gesamte Bereich der heutigen
Therapieformen und -einrichtungen in vollem Umfang zu
gewähren.
Einblick in die kindliche Seele von Missbrauchsopfern
gab Max Friedrich, Vorstand der Kinder- und
Jugendneuropsychiatrie an der Medizinischen Universität
Wien. Kindern werde sowohl körperlich wie intellektuell als
auch emotional und sozial großer Schaden zugefügt. "Als im
Werden befindliche Menschen werden sie für ihren weiteren
Lebensweg schwer beeinträchtigt", so Friedrich. Opfer
seien, wenn überhaupt der Begriff der Heilbarkeit in den
Raum gestellt werden könne, nicht in einem Block nach
erfolgtem Missbrauch heilbar. Es brauche über Jahre
verteilt eine "fraktionelle" therapeutische Betreuung.
(hapf/ug/hapf,nvl)
OTS0200 2004-06-25/16:31
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