- 24.06.2004, 11:49:51
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Ö1-Schwerpunkt zum 100. Todestag von Anton Tschechow
Wien (OTS) - Von 29. Juni bis 15. Juli stehen in Ö1 sieben
Literatursendungen und eine "Radiokolleg"-Reihe ganz im Zeichen von
Anton Tschechow, dessen Todestag sich am 15. Juli zum 100. Mal jährt.
Den Auftakt des Tschechow-Schwerpunktes in Ö1 macht am Dienstag,
den 29. Juni im "Hörspiel-Studio" ab 20.30 Uhr "Eine langweilige
Geschichte": Diese Aufzeichnungen schrieb Tschechow im Alter von 29
Jahren. Es ist der innere Monolog eines berühmten Mediziners, der
weiß, dass er bald sterben muss. Gequält durch Schlaflosigkeit und
Todesangst sieht er, der sein ganzes Leben der Wissenschaft gewidmet
hat, seine Umgebung zum ersten Mal mit scharfem, kritischem Blick ...
Unter der Regie von Günter Bommert sprechen Kurt Böwe, Karin Ugowski,
Jaschka Lämmert, Corinna Kirchhoff, Lothar Blumhagen u.a.
"Kein Wort zuviel" ist der Titel der vierteiligen
"Radiokolleg"-Reihe von Montag, den 5. bis Donnerstag, den 8. Juli
jeweils um 9.30 Uhr in Ö1 (Wiederholung: 22.15 Uhr). Der schreibende
Arzt verblüfft auch heute, hundert Jahre nach seinem Tod, mit seinem
diagnostischen Blick auf das weite Land der Seele. Im Mittelpunkt von
Tschechows Kunst steht ganz und gar der Mensch: Dabei zuzusehen, wie
er sich plagt, wie er posiert, wie er betrügt, wie er sich und allen
anderen etwas vormacht und letztlich scheitert - dem gilt das
beharrliche Interesse des Dichters. Die Gestalter Thomas Schaller und
Robert Weichinger folgen den biografischen Spuren: Von den Anfängen
des 1860 im russischen Taganrog geborenen Tschechow, über die ersten,
unter Pseudonym veröffentlichten Erzählungen des Moskauer
Medizinstudenten, bis zum praktizierenden Arzt, der mit wachsendem
Erfolg für das Theater schreibt: "Die Möwe", "Onkel Wanja", die "Drei
Schwestern" werden gefeierte Erfolge. Weitere Eckpunkte der
Biografie: die Begegnungen mit Tolstoj und Gorkij, ein Besuch auf der
Gefangeneninsel Sachalin, Tschechows Engagement im Kampf gegen die
Cholera. 1901 heiratet er die Schauspielerin Olga Knipper. Olgas
Theaterverpflichtungen zwingen das Paar zu häufigen Trennungen. Die
Nachwelt verdankt diesem Umstand viele Briefe, geschrieben in nur
drei Jahren: Kurz nach der triumphalen Uraufführung des
"Kirschgartens" stirbt Anton P. Tschechow 1904, erst 44-jährig, im
deutschen Kurort Badenweiler.
"Der Sprachverwandler" lautet der Titel der "Tonspuren" am
Sonntag, den 11. Juli um 21.15 Uhr. Alfred Koch gestaltet das Feature
über den Übersetzer, Slawisten und Ehrendoktor Peter Urban, der in
den letzten 35 Jahren an die 70 Bücher ins Deutsche übertragen hat.
Babel und Brodskij, Gogol und Mandelstam, Puschkin und Turgenjew. Und
vor allem Anton Tschechow, der dem Berliner Übersetzer längst zum
Alter Ego geworden ist. Urban ist ein Aufklärer und Vermittler,
Sprachwissenschafter und Philologe, der mit detektivischer Obsession
Daten und Fakten zusammenträgt. Und er ist berühmt für seine
elastische, verwandlungsfähige Sprache, für seine Souveränität und
für seine Risikobereitschaft, sich übersetzerisch am Schwierigsten zu
versuchen.
In den "Radiogeschichten" (11.40 Uhr) am 12., 13. und 14. Juli
stehen vier Erzählungen Tschechows auf dem Programm. Am Montag liest
Chris Pichler die Geschichte "Von der Liebe". Darin erzählt der
einsame Aljochin der unglücklich verliebten Pelageja über sein
Geheimnis, das aus Schweigen, fehlendem Mut, Ungewissheit und einem
"Missverständnis" besteht. Am Dienstag liest Herbert Föttinger die
Erzählung "Welcher der drei?": Nadja ist jung, schön und in
heiratsfähigem Alter. Drei Männer - Ivan, der Sohn eines Moskauer
Großkaufmannns, hässlich, aber unsterblich in sie verliebt; Vladimir,
verliebt, aber heiratsunwillig und Dmitrij, der junge schüchterne
Musikstudent - warten auf ihre Entscheidung. Peter Matic liest am
Mittwoch die Erzählungen "Der Untersuchungsrichter" und "Ein Fall aus
der Gerichtspraxis": zwei Fälle, die vom Gericht geklärt, aber doch
nicht abgeschlossen sind. In der ersten Geschichte zeigt sich der
Untersuchungsrichter verwundert über den Tod einer jungen Frau, den
diese vorhergesehen hat, in der zweiten erweist sich der Anwalt sogar
für den Schuldigen als zu brillant.
Das Stück "Drei Schwestern" steht auf dem Programm des
"Hörspiel-Studios" am Dienstag, den 13. Juli um 20.30 Uhr: Ein an
gesellschaftlichen Ereignissen und kulturellen Anregungen reiches
Leben war für die drei Töchter eines russischen Regimentskommandeurs
schlagartig zu Ende, als der Vater aus Moskau ins Hinterland versetzt
wurde. Die Hoffnung, einmal in die Metropole zurückkehren zu können,
wurde mehr und mehr ihr einziger Halt in der neuen und tristen
Umgebung. Doch nach dem Tod des Vaters ist diese Hoffnung längst zum
unerfüllbaren Traum geworden. Immer endgültiger wird die
glorifizierte Vergangenheit zugedeckt von lähmenden Alltagssorgen,
vom abwechslungsarmen Umgang mit den einstmals dem Vater
unterstellten Offizieren sowie mit den philisterhaften Honoratioren
des Provinzstädtchens. In der Produktion aus dem Jahr 1962 wirken
Anneliese Stoeckl, Käthe Gold, Dinah Hinz, Heinrich Schweiger,
Elfriede Ramhapp, Paul Hoffmann, Bruno Hübner, Walter Andreas
Schwarz, Matthias Fuchs, Axel Corti, Wolfgang Stendar und Hermann
Wlach mit, Regie: Gert Westphal.
Die "Literatur-Miniatur" am Donnerstag, den 15. Juli (16.55 Uhr)
beschließt den Ö1-Schwerpunkt. Florentin Groll liest Tschechows
Erzählung "Für nichts als ein paar Äpfel", erschienen bei Artemis &
Winkler. Das Programm im Detail ist abrufbar unter http://oe1.ORF.at
(ih)
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