• 09.06.2004, 13:05:41
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Rothschild und Streissler: Absage an "Heilslehren"

Austria perspektiv und Invest Kreditbank AG veranstalteten "Disputationes" über die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Wien (OTS) - Es gebe nicht "die" ideale Lösung aller ökonomischen
Probleme und eine Theorie könne in der Realität nie eins zu eins
umgesetzt werden. Darin stimmten die beiden prominenten Ökonomen
Kurt W. Rothschild und Erich Streissler bei der Diskussion "Freiheit
zwischen Markt und Staat - Hayek, Keynes und die Österreichische
Schule der Nationalökonomie" überein. Geteilter waren die Meinungen
beim Thema Globalisierung: Während Streissler betonte, die
Globalisierung sei eine "normale Sache" und dabei auf das 19.
Jahrhundert und die damaligen Kapitalverflechtungen verwies, ging
Rothschild auf die Dominanz und Macht transnational agierender
Großunternehmen ein.

Rothschild sprach das Bedürfnis multinationaler Unternehmen nach
größeren Märkten an und verwies in diesem Zusammenhang auf deren
Rolle bei der Entwicklung der Europäischen Union. Für nationale
Regierungen, die gewählt werden, um Probleme wie zum Beispiel die
Arbeitslosigkeit zu lösen, komme eine besondere Schwierigkeit hinzu:
die einheitlich für alle Länder bestimmte Geldpolitik, die den
Handlungsspielraum der Regierungen deutlich einschränkt. "Wir
spielen, als ob wir schon ein europäisches Bewusstsein hätten", so
Rothschild, der anmerkte, innerhalb Europas gebe es "die alten Fragen
der Ökonomie", die im Europäischen Parlament behandelt werden
müssten. Zum Thema Neoliberalismus meinte er: "Das Malheur mit der
neoliberalistischen Theorie ist nicht das Nachdenken über
Deregulierung und Rückzug des Staates aus bestimmten Bereichen,
sondern dass sie von manchen zum Dogma erhoben und einseitig
interpretiert wird".

Auch Streissler hob hervor, dass die zeitgebundenen Theorien der
Ökonomie später oftmals so weit uminterpretiert würden, bis sie
schließlich kaum etwas mit den ursprünglichen Thesen zu tun hätten.
Die Österreichische Schule der Nationalökonomie, bezeichnete er als
"Fundament für ein Old Boys Network", dessen damalige Mitglieder vor
allem ihre persönliche Freiheit zwischen Markt und Staat gesucht
hätten. Was die Prognosen ökonomischer Entwicklungen betrifft, meinte
Streissler: "Was Hayek und Keynes eint, ist deren Ablehnung
utopischer Überlegungen in all ihren ökonomischen Theorien".

Die "Disputationes" fanden im Rahmen eines von Franz Kreuzer
initiierten Buchprojektes über die Österreichische Schule der
Nationalökonomie statt, das im Herbst dieses Jahres abgeschlossen und
von der Oesterreichischen Nationalbank unterstützt wird.

OTS0172    2004-06-09/13:05

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