Rothschild und Streissler: Absage an "Heilslehren"

Austria perspektiv und Invest Kreditbank AG veranstalteten "Disputationes" über die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Wien (OTS) - Es gebe nicht "die" ideale Lösung aller ökonomischen Probleme und eine Theorie könne in der Realität nie eins zu eins umgesetzt werden. Darin stimmten die beiden prominenten Ökonomen Kurt W. Rothschild und Erich Streissler bei der Diskussion "Freiheit zwischen Markt und Staat - Hayek, Keynes und die Österreichische Schule der Nationalökonomie" überein. Geteilter waren die Meinungen beim Thema Globalisierung: Während Streissler betonte, die Globalisierung sei eine "normale Sache" und dabei auf das 19. Jahrhundert und die damaligen Kapitalverflechtungen verwies, ging Rothschild auf die Dominanz und Macht transnational agierender Großunternehmen ein.

Rothschild sprach das Bedürfnis multinationaler Unternehmen nach größeren Märkten an und verwies in diesem Zusammenhang auf deren Rolle bei der Entwicklung der Europäischen Union. Für nationale Regierungen, die gewählt werden, um Probleme wie zum Beispiel die Arbeitslosigkeit zu lösen, komme eine besondere Schwierigkeit hinzu:
die einheitlich für alle Länder bestimmte Geldpolitik, die den Handlungsspielraum der Regierungen deutlich einschränkt. "Wir spielen, als ob wir schon ein europäisches Bewusstsein hätten", so Rothschild, der anmerkte, innerhalb Europas gebe es "die alten Fragen der Ökonomie", die im Europäischen Parlament behandelt werden müssten. Zum Thema Neoliberalismus meinte er: "Das Malheur mit der neoliberalistischen Theorie ist nicht das Nachdenken über Deregulierung und Rückzug des Staates aus bestimmten Bereichen, sondern dass sie von manchen zum Dogma erhoben und einseitig interpretiert wird".

Auch Streissler hob hervor, dass die zeitgebundenen Theorien der Ökonomie später oftmals so weit uminterpretiert würden, bis sie schließlich kaum etwas mit den ursprünglichen Thesen zu tun hätten. Die Österreichische Schule der Nationalökonomie, bezeichnete er als "Fundament für ein Old Boys Network", dessen damalige Mitglieder vor allem ihre persönliche Freiheit zwischen Markt und Staat gesucht hätten. Was die Prognosen ökonomischer Entwicklungen betrifft, meinte Streissler: "Was Hayek und Keynes eint, ist deren Ablehnung utopischer Überlegungen in all ihren ökonomischen Theorien".

Die "Disputationes" fanden im Rahmen eines von Franz Kreuzer initiierten Buchprojektes über die Österreichische Schule der Nationalökonomie statt, das im Herbst dieses Jahres abgeschlossen und von der Oesterreichischen Nationalbank unterstützt wird.

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