- 09.06.2004, 10:18:03
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Gesundheitsenquete 2: "Gesundheit muss uns mehr wert sein"
Bestmögliche Versorgung für alle muss das Ziel bleiben - Gesundheitsausgaben als Investitionen begreifen
Wien (OTS) - "In das Gesundheitssystem muss mehr Geld fließen,
sonst werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern
können." Deutliche Worte fand der Präsident der Ärztekammer für Wien,
Walter Dorner, im Rahmen der Gesundheitsenquete "Visionen für die
Gesundheitspolitik - Medizin Weltstadt Wien 2020", die gestern Abend
im Wiener Museumsquartier stattfand. Dies gelte in besonderem Maße
für die Bundeshauptstadt, die mit ihrem Weltstadtniveau in der
medizinischen Versorgung mit keiner anderen österreichischen Stadt
vergleichbar sei. ****
"Während man in der liberalen Wirtschaft in allen Bereichen davon
ausgeht, dass Wachstum etwas Gutes ist, gilt dies offenbar im
Gesundheitssystem nicht," erteilt Dorner Richtungen in der
Gesundheitspolitik eine Absage, die einseitig nur auf Einsparungen
setzen. Scharf kritisierte der Wiener Ärztekammerpräsident auch
"Gesundheitsökonomen, die ihre Studien in noblen Universitäten der
USA absolviert haben und dann dieses unsoziale System nach Österreich
transferieren wollen." Tatsächlich benötige das österreichische
Gesundheitssystem "kleinere Kurskorrekturen, aber keine
Zerschlagung". Nur mit einer gerechten Sozialpolitik sei auch eine
gute Gesundheitspolitik möglich. Dorner: "Wo Armut herrscht, kommt
auch die Gesundheit zu kurz."
Nachdrücklich plädierte der Ärztepräsident für eine stärkere
Einbeziehung von Ärzten in die Politik: "Wir als Ärzte sind eine
moralische Großmacht und die besten Anwälte unserer jetzigen und
künftigen Patienten. Deshalb ist meine Vision für 2020: Es soll so
viele Ärztinnen und Ärzte in der Bundesregierung geben, wie heute
Vertreter von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung dort
vertreten sind - also sieben. Dann würde das Gesundheitswesen viel
besser aussehen."
Ausdrücklich bedauerte der oberste Vertreter der Wiener Ärzte,
dass Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat trotz Einladung nicht
an der Gesundheitsenquete teilgenommen hat. "Das wäre die optimale
Veranstaltung für sie gewesen", so Dorner. "Sie hätte sicher von
diesem interessanten Dialog mit der Ärzteschaft stark für künftige
Entscheidungen profitiert."
Bei der Gesundheit sparen rächt sich
"Wir müssen Visionen einer gerechten und sozialen Gesellschaft
schon für die nähere Zukunft entwickeln", forderte bei der Enquete
auch Stadträtin Elisabeth Pittermann. Österreich sei schließlich das
viertreichste Land in der EU. "Die Frage könne also nicht sein, ob
wir uns so eine Gesellschaft leisten können, sondern ob wir sie uns
leisten wollen", führte die Gesundheitsstadträtin aus.
Generell forderte Pittermann ein Umdenken in der österreichischen
Gesundheitspolitik: "Wir müssen Gesundheitsausgaben endlich als
Investitionen in Arbeitsplätze, in die Wirtschaft, in den Standort
und in das Wohlbefinden der Menschen begreifen, und nicht immer nur
als Kostenfaktor", trat die Wiener Stadträtin für ein Ende
kurzsichtiger Spardebatten ein. Außerdem müsse die
Hochleistungsmedizin, wie sie in Wien angeboten werde, immer weiter
ausgebaut werden, wenn die Bundeshauptstadt weiterhin auch
international an vorderster Front mitspielen wolle. Pittermann: "Bei
der Bildung und an den Universitäten zu sparen rächt sich genauso
fürchterlich, wie bei der Gesundheit zu sparen."
Für sie, betonte die Wiener Gesundheitspolitikerin, stehe ganz
klar die soziale Dimension der Gesundheit im Vordergrund: "Wir
brauchen Solidarität und dürfen auf gar keinen Fall die
gesundheitlichen Risiken privatisieren. Mein Ziel ist es, die
Zwei-Klassen-Medizin zu minimalisieren, oder im Idealfall ganz zu
verhindern." Das sei ihr auch angesichts der demografischen
Entwicklungen, die von immer mehr älteren Menschen gekennzeichnet
sind, ein besonders dringliches Anliegen. Daher, so die
Gesundheitsstadträtin, sei es an der Zeit, "dass wir uns alle an
einen Tisch setzen, um Lösungen für ein menschenwürdiges Altern zu
finden".
(Forts.)
OTS0058 2004-06-09/10:18
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