Gesundheitsenquete 2: "Gesundheit muss uns mehr wert sein"

Bestmögliche Versorgung für alle muss das Ziel bleiben - Gesundheitsausgaben als Investitionen begreifen

Wien (OTS) - "In das Gesundheitssystem muss mehr Geld fließen, sonst werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern können." Deutliche Worte fand der Präsident der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner, im Rahmen der Gesundheitsenquete "Visionen für die Gesundheitspolitik - Medizin Weltstadt Wien 2020", die gestern Abend im Wiener Museumsquartier stattfand. Dies gelte in besonderem Maße für die Bundeshauptstadt, die mit ihrem Weltstadtniveau in der medizinischen Versorgung mit keiner anderen österreichischen Stadt vergleichbar sei. ****

"Während man in der liberalen Wirtschaft in allen Bereichen davon ausgeht, dass Wachstum etwas Gutes ist, gilt dies offenbar im Gesundheitssystem nicht," erteilt Dorner Richtungen in der Gesundheitspolitik eine Absage, die einseitig nur auf Einsparungen setzen. Scharf kritisierte der Wiener Ärztekammerpräsident auch "Gesundheitsökonomen, die ihre Studien in noblen Universitäten der USA absolviert haben und dann dieses unsoziale System nach Österreich transferieren wollen." Tatsächlich benötige das österreichische Gesundheitssystem "kleinere Kurskorrekturen, aber keine Zerschlagung". Nur mit einer gerechten Sozialpolitik sei auch eine gute Gesundheitspolitik möglich. Dorner: "Wo Armut herrscht, kommt auch die Gesundheit zu kurz."

Nachdrücklich plädierte der Ärztepräsident für eine stärkere Einbeziehung von Ärzten in die Politik: "Wir als Ärzte sind eine moralische Großmacht und die besten Anwälte unserer jetzigen und künftigen Patienten. Deshalb ist meine Vision für 2020: Es soll so viele Ärztinnen und Ärzte in der Bundesregierung geben, wie heute Vertreter von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung dort vertreten sind - also sieben. Dann würde das Gesundheitswesen viel besser aussehen."

Ausdrücklich bedauerte der oberste Vertreter der Wiener Ärzte, dass Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat trotz Einladung nicht an der Gesundheitsenquete teilgenommen hat. "Das wäre die optimale Veranstaltung für sie gewesen", so Dorner. "Sie hätte sicher von diesem interessanten Dialog mit der Ärzteschaft stark für künftige Entscheidungen profitiert."

Bei der Gesundheit sparen rächt sich

"Wir müssen Visionen einer gerechten und sozialen Gesellschaft schon für die nähere Zukunft entwickeln", forderte bei der Enquete auch Stadträtin Elisabeth Pittermann. Österreich sei schließlich das viertreichste Land in der EU. "Die Frage könne also nicht sein, ob wir uns so eine Gesellschaft leisten können, sondern ob wir sie uns leisten wollen", führte die Gesundheitsstadträtin aus.

Generell forderte Pittermann ein Umdenken in der österreichischen Gesundheitspolitik: "Wir müssen Gesundheitsausgaben endlich als Investitionen in Arbeitsplätze, in die Wirtschaft, in den Standort und in das Wohlbefinden der Menschen begreifen, und nicht immer nur als Kostenfaktor", trat die Wiener Stadträtin für ein Ende kurzsichtiger Spardebatten ein. Außerdem müsse die Hochleistungsmedizin, wie sie in Wien angeboten werde, immer weiter ausgebaut werden, wenn die Bundeshauptstadt weiterhin auch international an vorderster Front mitspielen wolle. Pittermann: "Bei der Bildung und an den Universitäten zu sparen rächt sich genauso fürchterlich, wie bei der Gesundheit zu sparen."

Für sie, betonte die Wiener Gesundheitspolitikerin, stehe ganz klar die soziale Dimension der Gesundheit im Vordergrund: "Wir brauchen Solidarität und dürfen auf gar keinen Fall die gesundheitlichen Risiken privatisieren. Mein Ziel ist es, die Zwei-Klassen-Medizin zu minimalisieren, oder im Idealfall ganz zu verhindern." Das sei ihr auch angesichts der demografischen Entwicklungen, die von immer mehr älteren Menschen gekennzeichnet sind, ein besonders dringliches Anliegen. Daher, so die Gesundheitsstadträtin, sei es an der Zeit, "dass wir uns alle an einen Tisch setzen, um Lösungen für ein menschenwürdiges Altern zu finden".

(Forts.)

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