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"Die Presse" Glosse: "Logisches Opfer" (von Anneliese Rohrer)

Ausgabe vom 4.6.2004

Wien (OTS) - Wer sich einige der neuesten Bücher über die
Bush-Administration vor und nach den Anschlägen des 11. September,
vor und nach der US-Invasion im Irak zu Gemüte geführt hat, den
konnte der Rücktritt von CIA-Chef George Tenet nicht wirklich
überraschen. Zwar wird Tenet dort zugestanden, die Schwerhörigen im
Weißen Haus eindringlich vor den Terror-Gefahren gewarnt zu haben,
dennoch sind dem Geheimdienst derart viele Fehler passiert, dass der
Rücktritt des Verantwortlichen eigentlich schon vor Jahren logisch
gewesen wäre. In letzter Zeit wurde die CIA aber auch noch in den
Folter-Skandal im Irak und in all die Falschinformationen verwickelt,
die für den Krieg ausschlaggebend gewesen sein sollen.
Tenets Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt ist für US-Präsident George
W. Bush nur von Vorteil und ohne jeden politischen Schaden,
schließlich stammt der CIA-Chef noch aus der Ära Bill Clintons, sein
Abgang kostet die Republikaner nichts; auch dürften jene Kritiker in
Washington davon abgelenkt werden, die Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld im Visier haben, den wiederum Bush bis zur November-Wahl als
Hitzeschild für sich selbst dringend benötigt. Als politisches Opfer
war Tenet also der logische Kandidat.

OTS0273    2004-06-03/17:21

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