• 03.06.2004, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein Fall für den Preis-Psychiater" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 04.06.2004

Wien (OTS) - Die Opec hätte sich die gestrige Sitzung in Beirut
samt Erhöhung der offiziellen Ölförderquoten sparen können. Was soll
eine Anhebung von 24,5 auf 26 Millionen Barrel, wenn ihre Mitglieder
ohnehin tagtäglich schon seit dem Vorjahr genau diese Menge
produzieren? Verbraucht werden übrigens heuer rund 81 Millionen
Barrel (zu 159 Litern) täglich - um 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Nur ein Drittel davon kommt aus den zehn Opec-Ländern.
Schuld am Höhenflug der Öl- und Benzinpreise sind also nicht die
Scheichs, sondern der stark zunehmende Verbrauch, die Spekulanten und
die Angst der Verbraucher vor weiter steigenden Preisen. Und die
wirklichen Gewinner des preislichen Höhenflugs sind erst recht nicht
die Opec-Staaten, sondern die Finanzminister in den
Verbraucherländern.
In Österreich wandern 62 Prozent des Benzin- und 57 Prozent des
Dieselpreises in Form der Mineralöl- und Mehrwertsteuer direkt an den
Fiskus - in Deutschland übrigens noch mehr. Den (kleineren!) Rest
teilen sich die Förderländer, die Betreiber der Tankerflotten, die
Raffinerien und die Tankstellen. Die Preiserhöhungen an den
Zapfsäulen werden allein heuer rund 200 Millionen Euro zusätzlich in
die Kassen von Karl-Heinz Grasser spülen.
Entsprechend sinnlos ist die von Jörg Haider losgetretene Diskussion
um "Landes-Tankstellen", die Sprit verbilligt abgeben sollen. Sie
könnten das, weil der Steuerzahler für die Personalkosten der dort
tätigen Landesangestellten aufkommt und die Spanne der Pächter
entfällt. Wenn wir den Sprit schon vom Steuerzahler subventionieren
lassen wollen, dann wäre es wirksamer, wenn der Finanzminister auf
einen Teil seines zusätzlichen Profits verzichtet. In Ungarn wurde
das gerade beschlossen. Auf diese Idee ist aber in Österreich noch
niemand gekommen, und das ist auch gut so: Wir werden uns nämlich an
hohe Treibstoffpreise gewöhnen müssen.
Die Konjunktur leidet darunter zwar kurzfristig, dafür wird die
Entwicklung energiesparender Autos angekurbelt, und das tut der
Umwelt gut. Den Spekulanten, die derzeit auf den Terminmärkten auf
steigende Preise setzen und die Notierungen dadurch weiter
hochtreiben, ist das allerdings egal. Sie wollen schlicht und einfach
Geld verdienen. Die Angst vor einer weiteren Ölverteuerung treibt
zudem viele Verbraucher, die Lager möglichst randvoll zu füllen - ein
schwieriges und gleichfalls preistreibendes Unterfangen, weil derzeit
auch die Tankerkapazitäten knapp sind.
Sollte eine Anhebung der offiziellen Förderquote den Ölpreis
tatsächlich drücken, wäre das nur ein weiterer Beweis, dass auch auf
diesem Markt Psychologie und Erwartungen die Hauptrolle spielen. Mit
der wirtschaftlichen Realität hat die Preisentwicklung auf den
Ölmärkten nur wenig zu tun.

OTS0266    2004-06-03/17:00

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