- 03.06.2004, 15:16:15
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Güteverband Transportbeton fordert konstruktive Wohnbau- und Transportpolitik ein - BILD

Wien (OTS) - Die österreichische Transportbetonbranche hat sich
trotz allgemein schwieriger Baukonjunktur 2003 positiv entwickelt.
Die aktuelle Belastungswelle durch Road Pricing und erhöhte
Treibstoffpreise sowie der immer härter werdende Konkurrenzkampf mit
substituierbaren Baustoffen stellt die Branche jedoch 2004 vor eine
große Herausforderung.
Die im Vorfeld der Verhandlungen um den Finanzausgleich 2005
verstärkt ausgebrochene Diskussion um die Wohnbauförderung sorgt
dementsprechend für Unruhe. Die Aufhebung der Zweckwidmung steht im
Raum. Schließlich weckt der Gesamtbetrag von 2,3 Mrd. Euro pro Jahr
viele Begehrlichkeiten. KommR. Dir. Ing. Ernst Richter, Vorsitzender
des Güteverbandes Transportbeton, warnt vor einem solchen Zugriff:
"Österreich hatte schon in den letzten fünf Jahren mit rückläufigen
Zahlen im Wohnungsneubau zu kämpfen. Ein Wegfall der Wohnbauförderung
würde diesen ohnehin schwachen Markt völlig aus der Bahn werfen." Er
unterstützt damit die Forderung des Fachverbandes der Stein- und
keramischen Industrie der WKÖ nach einer nachhaltigen Wohnbaurate von
45.000 Einheiten pro Jahr, wovon rund 80% gefördert werden sollen.
Das Eintreten für die Wohnbauförderung in der derzeit gängigen Form
will er nicht nur aus eigennütziger Sicht der
Transportbetonunternehmen bzw. Bauunternehmen verstanden wissen,
sondern sieht darin auch einen wichtigen gesellschafts-politischen
Faktor. Richter: "Es geht um die Schaffung von Wohnraum für Menschen,
die nicht der bestverdienenden Elite der Gesellschaft angehören.
Gezielte Wohnbauförderung leistet einen entscheidenden Beitrag zum
sozialen Frieden in einer Gesellschaft."
Da Wohnen ein Grundbedürfnis des Menschen ist und abgedeckt werden
muss, würde ein Entfall der Wohnbauförderung zu einem massiven
Kaufkraftverlust in anderen Lebensbereichen führen. Der Nachholbedarf
am Neubau- und Sanierungssektor würde ins Schwanken kommen und
letztendlich eine Vielzahl von Arbeitsplätzen gefährden. Deshalb
fordert der GVTB Bund und Länder auf, im Sinne einer nachhaltigen
Wirtschaftspolitik die Wohnbauförderung im derzeitigen Ausmaß
beizubehalten.
Die derzeitige Höhe der Wohnbauförderung ist im Übrigen kein
Luxus, den sich Österreich leistet. Im Gegenteil: im Europavergleich
ist die Alpenrepublik diesbezüglich Schlusslicht. Während Österreich
1,3% des BIP für die Wohnbauförderung ausgibt, setzt Deutschland
2,05% des BIP und Schweden sogar 2,65% ein.
Road Pricing trifft Transportbeton unverhältnismäßig stark
Beim österreichischen System des Road Pricing werden LKW mit 4 Achsen
und 5 Achsen gleich behandelt. Sie alle müssen für die Fahrt auf
einer österreichischen Autobahn pro Kilometer 28 Cent Maut
entrichten. "Hier werden Ungleiche gleich behandelt", kommentiert Dr.
Manfred Asamer die rechtliche Situation, "denn natürlich
transportieren 5-Achser eine deutlich höhere Tonnage. Die
Kilometergebühr fällt auf die Transportware umgelegt also weniger ins
Gewicht." Im Bereich Massenbaustoffe mineralischen Ursprungs darf ein
4-Achser derzeit ein höchst-zulässiges Gesamtgewicht von 34t, ein
5-Achser dagegen 40t höchstzulässiges Gesamtgewicht aufweisen. Da der
Großteil der Fahrmischer 4-Achser sind, entsteht den
Transportbetonunternehmen durch die derzeitige Regelung ein klarer
wirtschaftlicher Nachteil. Deshalb fordert der GVTB eine
Neustaffelung der Mautgebühren.
"20% weniger Gewicht sollte 20% weniger Mautgebühr bedeuten" ,
findet Dr. Manfred Asamer. Dann würde sich der gefahrene Kilometer
mit 21,8 Cent statt bisher 28 Cent zu Buche schlagen.
Eine Sonderregelung für Fahrmischer hält der GVTB auch aus einem
weiteren Grund für berechtigt: Eine der Intentionen des Gesetzgebers
bei der Einführung des Road Pricing war, durch den zusätzlichen
Kostenfaktor den Schwerverkehr auf transnationalen Routen
einzudämmen. Transportbeton aber ist ein sehr lokales Geschäft,
Fahrmischer sind Baustellenfahrzeuge und werden im Nahverkehr
eingesetzt. Der Lieferradius eines Transportbetonwerks beträgt rund
20 km. Deshalb kann eine Regelung, die für Langstrecken-Schwerverkehr
ausgelegt ist, nicht unverändert auf die Transportbetonbranche
übertragen werden.
Für Kiesfahrzeuge fordert der GVTB eine Anhebung des
höchst-zulässigen Gesamtgewichts von derzeit 40t auf 44t.
Massenbaustoffe mineralischen Ursprungs haben ein sehr hohes
spezifisches Gewicht. Eine Anhebung der zulässigen Tonnage um 5%
würde eine deutliche Reduktion der Fahrten, damit eine Reduktion der
Mautkosten und eine Reduktion des Schadstoffausstoßes bewirken. In
der derzeitig in Ausarbeitung befindlichen KFG-Novelle könnte diese
Forderung rasch eingearbeitet werden. Vor allem, da im Bereich
Rundholztransporte bereits eine ähnliche Ausnahmeregelung existiert.
Zuwächse besonders bei Sonderprodukten
Dass sich die Transportbetonbranche im Vergleich zu anderen
Bausektoren vergleichsweise gut schlägt, liegt unter anderem an ihrer
Innovationskraft. Beton wird mehr und mehr zum High-Tech-Produkt,
erklärt DI Dr. Reinhold Lindner und verweist dabei auf Spezialbetone
wie Faserbeton im Bereich Brandschutz, Sicht- oder Farbbetone als
Gestaltungselement im Hochbau sowie selbstverdichtendenden Beton
(SCC-self-compacting concrete) für sehr dünnwandige Bauteile. Ziel
der Branche ist es, den Absatz derartiger hochwertiger Produkte um
einige Prozent zu steigern. Dabei ist insbesondere die technologische
Weiterentwicklung aber auch das Bekanntermachen derartiger Produkte
ein wesentliches Ziel des Güteverbandes Transportbeton.
OTS0234 2004-06-03/15:16
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