• 03.06.2004, 14:35:52
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Gemeinsam Heilmittelkosten senken

Wien (OTS) - NÖ Ärztekammer und NÖ Gebietskrankenkasse starten
gemeinsame Initiative zur Eindämmung der Heilmittelkosten
Gestern haben die Spitzenvertreter der NÖ Gebietskrankenkasse
gemeinsam mit der NÖ Ärztekammer eine Initiative zur Senkung der
Heilmittelkosten präsentiert. Mit Plakaten und Foldern wird in allen
ärztlichen Ordinationen Niederösterreichs eine Aufklärungskampagne
zum Thema Generika gestartet. "Eine der wichtigsten Aufgaben der
Ärzte ist die richtige Koordinierung im Gesundheitswesen. Denn nur
ein richtig "geführter" Patient wird wieder rasch zu seiner gewohnten
Lebensqualität zurückfinden und damit gleichzeitig geringere Kosten
für das Gesamtsystem verursachen." erklärte MR Dr. Anton Hengst, Chef
der niedergelassenen Ärzte in der NÖ Ärztekammer. "In tausenden
persönlichen Gesprächen haben Niederösterreichs Ärzte täglich die
Möglichkeit den Patienten Dinge zu erklären, die sie durch
Aussendungen und Medieninformationen möglicherweise nur bedingt
wahrnehmen können. Es ist daher notwendig, sich als Arzt in seiner
Ordination diese Zeit auch zu nehmen."

Für den Präsidenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Lothar Fiedler, gibt
es noch weitere Aspekte für ein gemeinsames Vorgehen mit der
Krankenkasse in dieser Angelegenheit. Der Ärztechef lehnt
beispielsweise prozentuelle Beteiligung an Einsparungen bei den
Ausgaben von Medikamenten striktest ab. "Niemals sollen kommerzielle
Interessen in die Verschreibungsüberlegungen der Ärzte als "Anreiz"
eingebaut werden. Gemeinsam mit der NÖ GKK werden in Form der
Honorierung so genannter Koordinierungsgespräche neue Wege
beschritten."

Die Obmann-Stellvertreterin der NÖ GKK, Christa Bogath, wies auf
die angespannte Situation der NÖ GKK hin. "Bedingt durch stagnierende
Beschäftigtenzahlen, unterdurchschnittliche Löhne in NÖ, steigende
Arbeitslosigkeit u.a. können die Beitragseinnahmen mit den Ausgaben
für Leistungen nicht mehr mithalten." Die Krankenkasse rechnet daher
für das Jahr 2004 mit einem Defizit von 84 Mio. Euro, 2005 bereits
über 100 Mio. "Während die Beitragseinnahmen in den letzten zehn
Jahren um 23,8 % gestiegen sind, sind die Kosten für Medikamente im
gleichen Zeitraum beinahe um 60 % gestiegen." so Bogath. Außerdem
werde in NÖ pro Arztbesuch bereits deutlich mehr für Verschreibungen
von Medikamenten als für das Arzthonorar selbst ausgegeben. In der
nun gestarteten Generika-Offensive sieht die Obmann-Stellvertreterin
Sparpotenziale, ohne dass die Patienten Leistungen geringerer
Qualität erhalten.

Der Generaldirektor der NÖ Gebietskrankenkasse, Konrad Köck, wies
im Zuge der Pressekonferenz darauf hin, dass im Jahr 2003 in NÖ
alleine für Medikamente 330 Mio. Euro ausgegeben wurden. Für einen
verstärkten Generika-Einsatz sei laut Köck vor allem die Akzeptanz
durch die Bevölkerung von großer Bedeutung: "Derzeit werden in NÖ
lediglich 11 % Generika verschrieben. Unser Ziel ist es, diesen
Prozentsatz mittelfristig auf 20 % zu heben. Unsere Vertragsärzte
leisten dabei einen wesentlichen Beitrag und wir wollen sie
bestmöglich unterstützen."

Dass sich entsprechende Maßnahmen bewährt haben, zeigten
Statistiken der Vergangenheit. Während im Jahr 1998 die
Heilmittelkosten um über 15 % stiegen, konnte die Steigerungsrate
durch entsprechende Maßnahmen im Jahr 2002 auf unter 7 % gesenkt
werden.

Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt noch deutlicher den
Nachholbedarf Österreichs im Bereich der Generika: In Schweden liegt
der Anteil bei 30 %, in Deutschland bei 52 %, in den USA sogar bei 58
%. Österreich hat hingegen einen Generika-Anteil von nur 11 %.

OTS0221    2004-06-03/14:35

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