• 03.06.2004, 10:14:37
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  • OTS0062 OTW0062

EU Programm EQUAL "Gleiche Chancen im Betrieb" auf Erfolgskurs

7 Wiener Betriebe bei Projekt gegen rassistische Diskriminierung am Arbeitsplatz

Wien (OTS) - "Gleiche Chancen im Betrieb" ist ein Projekt im
Rahmen des EU-Programms EQUAL und entwickelt Maßnahmen und
Instrumente zur Vermeidung und Vorbeugung von rassistischer
Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Seit 2002 arbeiten in diesem Projekt sieben Wiener Betriebe mit
ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, I.B.G. Betriebliche
Gesundheitsförderung GmbH, dem WIF - Wiener Integrationsfonds und
waff - Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds sowie dem
Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung
zusammen. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Erarbeitung von
Verhaltenskodizes (Codes of Conduct). Ziel ist es
Gleichstellungsmaßnahmen für MigrantInnen in Betrieben umzusetzen und
Diskriminierung von MigrantInnen am Arbeitsmarkt abzubauen(von der
Chancengleichheit bei Stellenbesetzungen bis zu innerbetrieblichen
Aufstiegsmöglichkeiten). Im Rahmen eines Pressegesprächs am
Donnerstag wurde gemeinsam mit den beteiligten Betrieben eine erste
Zwischenbilanz gezogen.

Am Projekt beteiligt sind folgende Betriebe:

o Deichmann Schuhvertriebsges.m.b.H.,
o Shell Austria AG,
o Technikum Wien,
o Magistratsabteilung 20 (Fremdenrechtliche Angelegenheiten) und
o Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser
o Firma Dr. Sasse Gebäudedienste Wien GmbH
o BUAK (Bauarbeiter - Urlaubs- und Abfertigungskasse)

Brauner: "Bekenntnis zur Vielfalt muss in gesamter
Stadtgesellschaft verankert werden, EQUAL-Projekt wichtiger Beitrag"

In einer Reihe von europäischen und internationalen Metropolen
ist die Integration von MigrantInnen auch Gegenstand von gezielten
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Im Rahmen der Wiener Equal -
Projekte wird daher insbesondere auch bei der Verbesserung der
Arbeitssituation von MigrantInnen, einer am Arbeitsmarkt extrem
benachteiligten Gruppe, angesetzt. Faktum ist aber auch, dass sich
die Stadtgesellschaften zu multiethnischen Gesellschaften entwickelt
haben. Internationale Unternehmen, aber auch beispielsweise die
Wiener Stadtpolitik und - Verwaltung sehen in dieser Vielfalt ein
Potential, das es zu nutzen gilt.

In Wien hat derzeit knapp ein Viertel bis ein Drittel der
Bevölkerung Migrationshintergrund. Dazu Integrationsstadträtin Mag.
Renate Brauner gegenüber der Rathauskorrespondenz: "In unserer Stadt
gibt es einen großen und bisher leider nur zum Teil gehobenen Schatz
an kultureller und sprachlicher Kompetenz. Diese Talente in Zukunft
noch stärker zu fördern ist insbesondere angesichts der erweiterten
EU ein Gebot der Stunde. Die Nutzung dieser Talente ist auch ein
wesentlicher Trumpf für den Wirtschaftsstandort Wien." Die
Integrationsstadträtin wies in diesem Zusammenhang erneut auf die
Bedeutung des Diversitätsprojektes im Rahmen der Stadt Wien und die
Schaffung der neuen "Magistratsabteilung für Integrations- und
Diversitätspolitik" hin. Eine gute Stadtverwaltung muss für Brauner
immer auch Spiegelbild ihrer Bevölkerung und KundInnen sein: "Die
Interessen und Bedürfnisse von ZuwanderInnen im Regelbetrieb der
Stadt zu verankern ist dabei oberstes Prinzip." Laut Brauner braucht
es aber noch weiterer Rahmenbedingungen und unterstützender
Maßnahmen, um das Bewusstsein für Diversität, das Bekenntnis zur
Vielfalt in die gesamte Stadtgesellschaft hinein zu tragen.

Die Equal - Partnerschaft "Gleiche Chancen im Betrieb" sei ein
Beispiel für gezielte Förderung von ZuwanderInnen am Arbeitsplatz,
betonte die Integrationsstadträtin. Die Beteiligung der für
fremdenrechtliche Angelegenheiten zuständigen Abteilung ist für
Brauner jedenfalls ein weiterer Garant dafür, dass das
Diversitätsprojekt in der Wiener Stadtverwaltung ohne wenn und aber,
zügig und planmäßig umgesetzt wird.

Über das Projekt - was die "Codes of Conduct" bewirken -
Kritik an Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes bleibt aufrecht

Im Rahmen des Projektes "Gleiche Chancen im Betrieb" sollen für
sieben Musterbetriebe so genannte "Codes of Conduct"
(Verhaltensregeln) erarbeitet und erprobt werden, um rassistische
Diskriminierung zu erkennen, Methoden für ihre Beseitigung zu
entwickeln und sie in Zukunft möglichst zu verhindern. Neben dem
Schutz der ArbeitnehmerInneninteressen geht es vor allem auch darum,
den Betrieben die Vorteile von multiethnischem Teammanagement bewusst
und vertraut zu machen. Ein wesentlicher Nebeneffekt: Die
Musterbetriebe machen die Unternehmen fit für das neue
Gleichbehandlungsgesetz, das für rassistische Diskriminierung Strafen
vorsieht. Die grundsätzliche Kritik der Partnerorganisationen an der
aufgrund der entsprechenden EU-Richtlinie notwendig gewordenen und
vom Nationalrat beschlossenen Gesetzesnovellierung bleibt im Übrigen
aufrecht. Denn sie ist nicht weitreichend genug. Die Forderung der
Partnerorganisationen nach einem österreichweiten
Antidiskriminierungsgesetz ist daher nach wie vor aktuell!

Am Beginn der Projektarbeit in einem Betrieb steht nun die
Analyse des Ist-Zustandes. Auf der Grundlage eines individuellen
Anforderungsprofil des Betriebes werden maßgeschneiderte "Codes of
Conduct" entwickelt, die von der Unternehmensleitung verbindlich
vereinbart werden. Die "Codes of Conduct" stehen teilweise vor dem
Abschluss, im Dezember sollen alle fertig gestellt werden. In ihnen
werden nicht nur die gemeinsamen Werte zum Umgang mit Vielfalt
festgehalten, sondern auch konkrete Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung
beschlossen.

Erwartungen der beteiligten Unternehmen

Schon jetzt kommt klar heraus, dass die Motivation der
Unternehmen zur Teilnahme an diesem Projekt so unterschiedlich ist
wie die Herausforderungen, die sie mit Hilfe der "Codes of Conduct"
bewältigen wollen.

Einige Schwerpunkte, die sich bereits abzeichnen:

o Sensibilisierung für Vielfalt
o Kommunikation in mehreren Sprachen und mit Menschen
  unterschiedlicher Kultur
o Personalentwicklung und Recruiting
o Umgang mit KundInnen

Die dabei gewonnenen Erfahrungen werden in einem Handbuch
zusammengefasst, das am 20. und 21. Jänner 2005 bei einer im Rahmen
des Projektes veranstalteten internationalen Konferenz mit
Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer präsentiert wird.

SHELL Austria sieht die Umsetzung der unternehmensinternen
Standards von Diversity & Inclusiveness in Österreich durch die
Zusammenarbeit mit dem Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb"
unterstützt. SHELL erarbeitet gemeinsam mit dem Projektteam von
"Gleiche Chancen" Codes of Conduct, weil "jeder einzelne dafür
verantwortlich ist, ein angemessenes Verhalten zu demonstrieren und
ein vielfältiges und integratives Arbeitsumfeld zu fördern, denn es
sind Handlungen - und nicht Worte oder Absichten - die eine
(Unternehmens-) Kultur verändern".

Die Fachhochschule Technikum Wien hat sich dem EU-Projekt
"Gleiche Chancen im Betrieb" angeschlossen, "weil sie schon seit
einiger Zeit auf gleiche Ausbildung für gleiche Chancen im Beruf
setzt". Für die Schuhkette DEICHMANN etwa "passt die Teilnahme an
EQUAL nahtlos zur Firmenphilosophie". DEICHMANN fühlt sich dem
Leitsatz verpflichtet: "Das Unternehmen muss den Menschen dienen".
Dazu gehören neben den Kund/innen die Mitarbeiter/innen, die
Lieferant/innen aber auch Menschen in Not, denen die Firma über eine
eigene Stiftung hilft. Auch für das Kuratorium Wiener Pensionisten
Wohnhäuser (KWP), deren über 3.000 MitarbeiterInnen aus 44 Nationen
für die Betreuung und Pflege von rund 9.600 Menschen verantwortlich
sind, bedeutet die Teilnahme am Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb"
"den Gedanken der Gleichbehandlung noch stärker im KWP zu
verfestigen".

Die MA 20 (Fremdenrechtliche Angelegenheiten) wiederum "will aus
den verschiedenen Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen, von denen viele
Migrationshintergrund haben, Nutzen ziehen und aktiv ein Zeichen
gegen Diskriminierung setzen".

Waff holt im Rahmen aller Wiener EQUAL Partnerschaften 20 Mio.
Euro zusätzlich für ArbeitnehmerInnen nach Wien

Die Gesamtkosten des Projektes "Gleiche Chancen im Betrieb"
betragen 1,5 Millionen Euro. Die Finanzierung des Projektes erfolgt
aus Mitteln des ESF (Europäischer Sozialfonds) und des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Weitere Infos zum
Projekt: http://www.gleiche-chancen.at/ . Im Rahmen der Equal -
Entwicklungspartnerschaften ist es dem waff als finanziellem
Koordinator übrigens gelungen, rund 20 Mio Euro für
Beschäftigungsprojekte nach Wien zu holen. Mit Hilfe der insgesamt
neun Entwicklungspartnerschaften soll eine Verbesserung der
Arbeitssituation v.a. von MigrantInnen, Frauen und
SozialhilfeempfängerInnen erreicht werden. Nähere Informationen:
http://www.waff.at/

EU- weite Kampagne "For Diversity Against Discrimination" -
Jahresschwerpunkt "Arbeitswelt"

Das Wiener EQUAL - Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb" fügt
sich auch optimal in die laufende EU-Kampagne "Für Vielfalt. Gegen
Diskriminierung" ein, in deren Mittelpunkt derzeit die Arbeitswelt
steht. Zwei Mitglieder der Projektgruppe "Gleiche Chancen im Betrieb"
stehen außerdem als Expertinnen im österreichischen Komitee der
Info-Kampagne zur Verfügung. Die gesamte Kampagne hat eine Laufzeit
von fünf Jahren. Mehr Informationen unter:
http://www.stop-discrimination.info/
(Schluss) gph

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
WAFF
Gabriele Philipp
Tel.: 217 48/318
mailto: [email protected]
Theodora Manolakos
Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung (EZ)
Tel: 319 4505 - 17
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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